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Der Israelit · 1893-05-01 · Heft 35 (1.5.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 35 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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666 MWWMWWWW alles nicht. Schon das Wirken des Einzelnen ist nicht ganz ohne Erfolg, wenn aber mehrere Gleichgesinnte sich zufammenfinden, in der angegebenen Weise Vorgehen, auch ohne gerade zu sptontren, ein wachsames Auge auf das Gebühren des Wirthes richten, so dürfte dies in vielen Fällen einer ihm aufgedrungenen Aufsicht vorzuziehen sein. Eine völlige Remedur wird allerdings erst dann eintreten, wenn man zu der Erkenntniß gekommen sein wird, daß ein gut geleitetes, streng jüdisches Hotel auch ein gutes Geschäft ist. Es werden sich dann fromme, vermögende Israeliten finden, die einen dafür geeigneten Sohn dazu bestimmen, Hotelier zu werden, ihn die Wirtschaftsführung gründlich erlernen lassen, auch das nöthige Capital zu seiner Verfügung stellen, damit er ein den christlichen Hotels gleichwertiges Gasthaus errichten und damit auf völlig religiöser Grundlage eine sehr rentable Anlage machen kann. In der jetzigen Zeit, wo dem frommen Juden der Geschäftsbetrieb durch das Gesetz über die Sonntagsruhe immer schwieriger wird, sollte eine so aussichtsvolle Branche nicht unberücksichtigt bleiben, den frommen Kurgästen wäre damit geholfen und werden sie gewiß möglichst dazu beitragen, daß der Besitzer auch geschäftlich seine Rechnung findet. X. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, Ende April. Das neueste Heft der Wochenschrift „Zukunft" enthält ein Interview des Herausgebers Maximilian Harden mit dem Fürsten Bismarck über „Antisemitismus". Der Artikel versucht Bismarcks Begünstigung der Anfänge des modernen Antisemitismus zu erklären und zu entschuldigen : „Bismarck sei eben durch seine ganze Erziehung im Sinne seiner Zeit kein Judenfreund und 1847 Gegner der Emancipation gewesen. 1869 habe er die Emancipation begünstigt, da er bei Bleichröder ein rascheres Verständniß für seine nationalen Pläne gefunden habe, als bei den Ariern der Opposition. Er habe erkannt, daß die Vermischung der Rassen dem jungen Reiche nur Vortheile bringen könne — allerdings habe man auch keine Zeit gehabt, sich mit der Judenfrage zu beschäftigen. Das Aufflackern des Antisemitismus nach der Gründerperiode sei begreiflich, da die Menge der Betrogenen Kapitalismus und Judenthum verwechselte — und der Jude für die Massen der zunächst erkennbare Repräsentant der Geldherrschaft sei. 1880 habe zwar die antikapitalistische Bewegung nur durch das Ventil des Judenhasses so gemildert werden können, daß sie vor dem Einmünden in die Sozialdemokratie bewahrt blieb; ferner sei dumals die Mehrheit des Parlaments judenfeindlich gewesen, er habe aber trotzdem weitsichtig die Rechte der Juden nicht geschmälert. Die Aera Ahlwardt sei die Folge der jetzigen unproduktiven Politik, die feiernde Kraft suche eine Entladung im antisemitischen Sport. Er wäre mit Ahlwardt ohne Gericht und Kommissionen rasch fertig geworden. Das Geheul gegen die Juden sei Feigheit, man wolle nur die Nothrufe des Volkes übertönen. Er habe nie um Beifall weder bei Antisemiten noch Juden gebuhlt und geselle sich auch heute keiner der beiden Parteien zu. Gesetzliche Mittel gegen die Juden seien zwecklos, allmählich würde die Vermischung und Kreuzung der Rassen das Ihrige thun. Die Beharrlichkeit, mit der bald Juden, bald Antisemiten als allergefährltchste Feinde des Reiches ausgegeben würden, während an mancher entscheidenden Stelle das Gefühl der Verantwortlichkeit fehle, während Polenthum, Freihandel, Centrum und Sozialdemokratie sich zu vergnügten Mahlzeiten rüsten, erinnere ihn an Männer, die, weil sie mit den sie umringenden Raubthieren nicht anzubinden wagen, ihren Heldenmuth an einem Mückenschwarm austoben!" Die Enthüllung, daß Fürst Bismarck 1880 die antikapitalistische Bewegung nur durch das Ventil des Judenhasses habe mildern können, ist insofern bemerkenswerth, als Fürst Bismarck damit seine Mitschuld an der von Stöcker entfesselten wüsten Agitation unumwunden eingesteht. Heute wird Fürst Bismarck — wenn auch nicht offen dem Interviewer gegenüber, so doch im stillen Kämmerlein — sich längst selber gesagt haben, welch große Thorheit er beging, den Teufel mit Beelzebub austretben zu wollen. Daß der moderne Antisemitismus nichts ist als eine antikapitalistische Bewegung, deren Früchte die Sozialdemokratie bei den nächsten allgemeinen Reichstagswahlen einzuheimsen hofft, das ist mittlerweile selbst von den ursprünglichen Förderen des Antisemitismus offen eingeräumt worden. DerAhlwardtismus bekämpft bekanntlich in Wahrheit weniger die Juden als die Christen, in erster Linie Männer wie Caprivi, Miguel, Schelltug n. s. w. Daß Fürst Bismarck längst von den Ahlwardtianern als „Judenknecht" gebrandmarkt worden ist, nun, diese Kunde wird wie das „Berl. Tagbl." treffend bemerkt, auch bis zu ihm in den Sachsenwald gedrungen sein. Altona, im April. Vergangenen Sonnabend hielt Herr Distrikts - Rabbiner Dr. D e u t s ch aus Burgpreppach in hiesiger Synagoge eine Probepredtgt, die sich des ungetheilten Beifalls sämmtlicher Zuhörer erfreute. Ebenso fand seine Nachmittags vorgetragene scharfsinnige talmuoische Abhandlung bei den Kennern große Sympathien. Am näch-

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