Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-05-01 · Heft 35 (1.5.1893) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 35 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448349--36260-2484279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

664 „Ich habe nicht nöthig. Dich an unsere gemeinsam verlebte Jugend zu erinnern; wir beide haben von unfern Eltern keine Schätze geerbt; was wir sind und was wir haben, haben wir dem lieben Gott zu verdanken und uns selbst. So fleißig und sparsam wie wir sind, sind auch unsere Kinder — von den meinigen darf ich es dreist sagen, von den Deinigen habe ich es gehört — und da stieg der Gedanke in mir auf, ob wir nicht die Bande der Freundschaft, die uns verbinden, durch die Bande des Blutes verstärken und befestigen sollten. Ich habe einen Sohn, der einst alles erben wird, was mir gehört. Er ist ein ansehnlicher Mensch von edlem Charakter, feinen Manieren, der etwas Tüchtiges gelernt hat und ein gutgehendes Geschäft in W. besitzt. Er ist jetzt dreißig Jahre alt und ich wünsche, daß er sich verhetrathe. Ich habe mich nach einer Frau für ihn umgesehen und habe heute das Mädchen gefunden, welches ich für meinen Albert zur Frau wünsche. Es ist Deine Tochter Rahel, und ich frage Dich nun, mein lieber Freund, wie Du über die Sache denkst." Benjamin fuhr sich verlegen durch seinen weißen Bart. Die Sache kam ihm unerwartet und Jona hatte ihn faktisch in Verlegenheit gebracht. Noch hatte er nicht gedacht, sich von seiner Tochter zu ttennen, aber Unrecht würde er Lhun, wenn er die Gelegenheit, seine Tochter gut versorgen zu können, unbenützt vorübergehen ließe. Er war kein junger Mann mehr und mußte, trotzdem er gesund und rüstig war, sein Haus bestellen, ehe er daran gemahnt wurde. Der weise Mann denkt auch an den Tod, wenn er ihn noch nicht erwartet und ttifft seine Vorkehrungen, daß dieser ihn nicht unvorbereitet treffe. Diese Gedanken erwägend, sagte er: „Noch habe ich nicht daran gedacht, mich von meiner Rahel zu trennen, denn Gott weiß, wie schwer mir diese Trennung werden wird, wie schwer ich sie entbehren kann. Aber es wäre selbstsüchtig von mir gehandelt, wenn ich aus Rücksichten für mich ihrem Glücke mich hindernd in den Weg stellen wollte. Darum sage ich nicht nein, wenn Dein Albert ihr recht ist und seine Vermögensverhältnisse den Forderungen, die ich an einen Schwiegersohn stellen werde, entsprechen." „Mein Sohn hätte schon oft heirathen können; Mädchen aus den feinsten, angesehensten Familien des Landes mit bedeutendem Vermögen wurden ihm von deren Angehörigen angetragen, aber er konnte sich noch nicht dazu entschließen, einem solchen Antrag ernstlich näherzutreten. Sein Geschäft nimmt ihn so in Anspruch —" „Daß er Dich auf die Suche schickt. Er hat nicht schlecht daran gethan, sich auf Deinen Geschmack zu verlassen", entgegnete Benjamin lächelnd; „in Deiner Jugend warst Du ein Feinschmecker —" „Bins noch, Benjamin, bins noch; ich suche für meinen Albert etwas Exquisites in jeder Hinsicht." „Und meine Rahel?" — „Deine Rahel hat meinen vollen Beifall." „Vor allen Dingen muß meine Rahel sich entschließen können, jetzt schon zu heirathen und Deinen Sohn zu heirathen." „Darüber kannst Du Dir doch rasch genug Gewißheit verschaffen", entgegnete Jona; „rufe Deine Tochter und frage sie." „Ich will sie fragen," entgegnete Benjamin sich erhebend, „doch nicht in Deinem Beisein. Entschuldige mich, Du sollst bald Antwort haben." (Fortsetzung folgt.) Der.JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis der Jahrgangfür Deuffchland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonniri ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel bestehe« bei E. g. Ktrinacker, Leipzig, Koßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr-, für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Spedition franco einzusenden. fixe Rücksendung von an die Redaktion eingesandteu Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb stch von alle« Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt <Hauptblatt): Leitende Artikel: Sprüche der Väter. — Die Vorgänge in Kolin. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Vom Rhein. Aus Sachsen. — Oesterr.-Ungar. MonarchieAus Ungarn. — Rußland. — Maroceo: Tanger. — Amerika: St. Louis. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Jüdische Hotels in den Badeorten. — Zeitungsnachrichten und Corresponden-- zen: Deutschland: Berlin. Altona. Nürnberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland. — Italien: Neapel. — SjoU land: Amsterdam. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Mirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.