Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1893)
- Date
- 1893-04-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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WM SWMMWW MDMM XXXIV Jahrgang.. Zweite Beilage M M 34 des „Israelis. COL/ Zeit««gsuachrichteu tsnb Eorrefpondeuze». Persien. Berste«. Die Ruhe, welche in Hamadan den Aufregungen der letzten Wochen folgte, war nicht von langer Dauer. Zu Ende Januar haben neue Unruhen stattgefunden, und die Lage der Israeliten schien schwieriger und beängstigender als jemals. Dem Central-Comits der „All. isr." wird hierüber aus Bagdad vom 2. Febr. geschrieben: Wir erhalten schlimme Nachrichten aus Hamadan. Die Verfolgungswuth ist von neuem gegen unsere armen Glaubensgenossen entbrannt. Auch diesmal ist die Sache von der hohen Geistlichkeit ausgegangen; man weiß, welche gewichtige Stellung dieselbe im feudalen Reiche Persiens einnimmt. Nach langen Verhandlungen hat Mollah Abdullah, der sich durch seine Angriffe gegen die Juden eine so traurige Berühmtheit erworben, Hamadan verlassen und den Weg nach Teheran eingeschlagen. Aber seine Abreise, die sein Prestige nur erhöht, hatte nicht die gewünschte Ruhe zur Folge. Ueberall auf seiner Durchreise kam die gesammte Bevölkerung zu seiner Begrüßung, brachten ihm enthusiastische Ovationen und stritten um die Ehre, den Zipfel seines Gewandes küssen zu dürfen. In ihren Augen ist er ein Heiliger, ein Liebling Gottes. Sein Beispiel hat Schule gemacht. Mehr als ein Mollah brennt darauf, seine Spuren zu verfolgen, um es wie er zur Volksthümlichkeit zu bringen. Für den Augenblick hat er in Hamadan einen würdigen Jünger, Seyid Abdull-Mejid, ein fanatischer Geistlicher, der gegen die armen Juden den bittersten Haß hegt. Er ist ein Mann der That und verlangt, daß diese letzteren sich unverkürzt den barbarischsten Bedingungen unterwerfen. Seine zahlreichen Parteigänger durcheilen die Straßen und fügen den armen Juden, die ihnen in die Hände fallen, allerlei Aergernisse und Mißhandlungen zu. Der eine wird mit Grausamkeit geprügelt, unter dem Vorwand, daß er bei der Begegnung mit einem Muselmann nicht schnell genug bei Seite gegangen, der andere wird wie ein wildes Thier gejagt, weil er das entwürdigende rothe Zeichen seiner Kaste nicht angelegt. Was besonders ernst und schmerzlich ist, daß man eS wagt, Frauen und Rabbiner anzugreifen, welche bisher, die einen wegen ihrer Schwäche, die andern wegen ihres religiösen Charakters, respectirt worden waren. Wehe der israelitischen Frau, die ein wichtiges Geschäft, auf die Straße zu gehen, zwingt. Alsbald stürzen herzlose Männer über sie her, reißen ihr den Schleier in Stücke, der nach orientalischer Sitte, die gesitteten Frauen von dem liederlichen Mädchen unterscheidet. Man will sie zwingen, sich auf öffentlicher Straße unverschleiert zu zeigen und sie dadurch aus die Stufe der unsittlichen Frauen herabziehen; man sucht sie den Beschimpfungen einer cynisch frechen Menge auszusetzen. Ihr Schicksal ist, wie man sieht, unerträglich. Am Sonntag den 9. Januar, wurde der auf der Straße gehende Rabbiner Abraham Jacob festgenommen und in brutaler Weise vor Seyid Abdel-Mejid geführt, der den Befehl ertheilte, ihn mit der Bastonade zu strafen. Die Henker verrichteten so gründlich ihr Geschäft, daß der unglückliche Rabbiner sterbend nach Hause gebracht werden mußte. Man glaubt nicht, ihn mehr dem Leben zu erhalten. Der arme 60jährige Mann war angeklagt worden, es verabsäumt zu haben, das rothe Abzeichen anzulegen. Nun ist sogar die Anklage eine falsche. Der Rabbiner hat ausdrücklich erklärt, und mehrere Augenzeugen haben es bestätigt, daß er das betreffende Zeichen deutlich zur Schau trug, daß eS ihm aber durch die vom Seyid aufgestellten Männer abgerissen wurde. Noch andere Unglückliche sind der barbarischen Mißhandlung unterworfen worden, und andere noch konnten derselben nur dadurch entgehen, daß sie das wenige Geld und die Schmucksachen, die sie besaßen, als Lösegeld zahlten. Ich werde mich nicht damit aufhalten, Ihnen hier Namen und Zahl der vielen Opfer dieses neuen Inquisitors aufzuzählen, denn dieser wilde Priester hat sich auch in den Kopf gesetzt, daß er durch Gewalt die Juden dazu bringen würde, den muselmännischen Glauben anzunehmen. Es scheint, als kenne heute die ganze Stadt keinen andern Herrn als den berühmten Seyid. Sei es durch Schwäche, sei es durch Uebereinstimmung, kurz die Behörden thun nichts zum Schutz der Juden. Die Truppe, deren Gegenwart den Aufrühern einen Augenblick imponirt hatte, haben die Stadt verlassen und die armen Juden ihren Bedrückern überlassen. Weitere Unruhen werden aus dem Süden Persiens gemeldet. In Aezd und Chiraz vornehmlich sollen mehrere Juden infolge eines Volksaufstandes, über den man sich noch nicht ganz klar ist, umgebracht worden sein. Wiederum hat sich das Central-Comite an den französischen Minister in Teheran gewendet, um seine Verwendung zu Gunsten der Juden in Hamadan nachzusuchen. Er hat auch eine Abschrift der obenstehenden Mitrheilungen an den Minister des Aeußeren in Paris abgehen lassen mit der Bitte, dem Vertreter Frankreichs in Persien das Gesuch der Alliance zu Gunsten der unglücklichen Israeliten zu Hamadan ans Herz zu legen. M a r o c c o. Marocco Wir haben bereits die Handlungsweise des Caid der Kasba zu Marocco. Hady Mohamed Quida, gemeldet, der trotz der Befehle des Sultans vielen Israeliten die Prügelstrafe auferlegt hatte. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens legten sich bei der Regierung des Sultans ins Mittel, um den Grausamkeiten des Caid ein Ende gemacht zu sehen. Infolge dieser Intervention ließ der Sultan dem Quida eine Mahnung zugehen und befahl dem Minister, ein directcs Schreiben an die israelitische Gemeinde zu Marocco zu richten, um dieselbe des höchsten Wohlwollens Seiner Majestät für seine jüdischen Unterthanen zu versichern. Der Brief des Sultans an den Caid Quida lautet: Es ist zur Kenntniß Unserer Majestät gelangt, daß Du Dich nicht einer guten Haltung befleißigst gegenüber den Israeliten, die unter Deiner Gerechtsamkeit stehen, daß Du sie mißhandelst, daß Du sie prügeln und in Eisen legen läßt, ohne Rücksicht auf Greise oder Kinder. Diese Thatsachen, welche festgest. llt sind, haben uns in Erstaunen gesetzt, denn Du kennst doch die Strafe, die am Tage des letzten Gerichts diejenigen erwartet, die einen Diener Gottes mißhandeln. Der Prophet hat gesagt: .Wer