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Der Israelit · 1893-04-27 · Heft 34 (27.4.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 34 (27.4.1893)
Date
1893-04-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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654 tritt sogar wissen, daß die Sadducäer nur eine leibliche Auferstehung des Menschen nach dem Tode, v'Nv n'*nn, aber nicht eine Fortdauer der Seele geleugnet hätten. Das beruht allerdings nicht auf Wahrheit; denn die Sadducäer sagten ausdrücklich, daß die Seele mit dem Körper zugleich ftcrbc3). Wie dem auch sein möge, Gottes Regierung konnten die Sadducäer schon deshalb nicht leugnen, weil ste den Pentateuch als göttlich anerkannt hatten^). Herr Rabbiner Reich citirt hier keine historische Quelle und setzt das, was er behauptet, als allgemeine ewige Wahrheit voraus. Ich will jedoch gegen Herrn W. Reich nicht ungerecht sein und ihm die historische Quelle, von der er, ohne dieselbe zu citiren, so allgemein spricht, als wäre das Thatsache, näher beleuchten, damit er, wenn er dieselbe bet seiner Aufstellung genannter Hypothese im Auge gehabt hat, doch einftehe, daß man mit historischen Annahmen nicht so leichtfertig umgehen darf. In Jos. De Bell. Juck. L. II., Cap. XII. werden die Parteistreitigkeilen zwischen Essäern, Pharisäern und Sadducäern ausführlich besprochen. Und da wird allerdings erzählt, daß die Sadducäer die göttliche Wallung, nmpn, leugneten. Warum erwähnt es uns aber Josephus nicht in seinen Alterthümern, wo er auch die S>ctenfrage im jüdischen Reiche berührt? Die Antwort liegt auf der Hand. Ursprünglich werden es nur einzelne Streitfragen gewesen sein, welche eine Kluft zwischen Sadducäern und Pharisäern bildeten. Man darf aber nicht annehmen, daß diese Kluft unübeibiückbar gewesen sei. Erst im Herodianischen Zeitalter, wo die ascetischen Doktrinen der Essäerschule soweit gediehen waren, daß man auf dem öffentlichen Forum künden durfte, das Himmelreich sei nahe, sind die Gegensätze zwischen Pharisäern und Sadducäern schärfer hervorgetreten, weil Letztere, die bekanntlich die National- und Adelsparrei im jüdischen Staate waren, zu befürchten hatten, wenn die effäischen Doktrinen vom Volke begünstigt würden, die Gefahr nahe sei, dem raubgierigen Feinde machtlos gegenüber zu stehen. Deshalb spricht auch Josephus erst da von den religiösen Streitigkeiten der Sadducäer und Pharisäer mit einer ziemlich breiten Ausführlichkeit, wo er das grauenhafte herodianische Zeitalter näher bespricht. Wie konnte also Jannaeus, möchte ich dem Verfasser des Prophet. Schriftthums auf historischer Grundlage fragen, ein Dekret gegen das Prinzip einer Partei erlassen haben, das erst lange nach seinem Tode lautbar geworden ist? Und selbst zugegeben, daß die Sadd. schon zu Zeiten Jannaeus die Ansicht ausgesprochen hätten, es gebe keine Wallung Gottes, so ist auch schon die Annahme Reichs, die vom 3) Dies ist nicht so ausgemacht. Red. *) Jos. daselbst. wissenschaftlichen Standpunkte aus beurtheilt, geradezu lächerlich ist, nicht im Mindesten berechtigt. War nicht Jannaeus selbst Saduccäer? Hat nicht Jannaeus die Sadducäer begünstigt? Ließ er nicht 800 Pharisäer an das Kreuz schlagen? Und wenn Jannaeus seiner Frau Salome gesagt hat, ste solle sich den Pharisäern anschließen, so sei dabei nicht zu vergeffen, daß das an seinem Sterbebette gkschehen ist, also zu einer Zeit, wo man mit ganz Anderen beschäftigt ist, als mit dem Abfassen religiös-lyrischer Gesänge. Daß ferner die Psalmen, welche in allen jüdischen Gotteshäusern von frommen andächtigen Seelen zur Verherrlichung des ruhmgekrönten Namens Gottes angeftimmt werden, Parteiprogramme und Beschlüsse, die etwa auf Concilien gefaßt werden, enthalten, hat noch außer dem Herrn W. Reich niemand behauptet. Es möge dies als P obe für die Wiffenschaftlichkeit des Werkes gelten; ob der Verf. in seinem Wahne der Wissenschaft neue Bahnen eröffnet zu haben, durch Beweise geheilt werden wird, bezweifeln wir selbst, denn die Meinung, die er von sich hat, ist nicht gering. „Wenn wir, sagt der Verfasser „der hohen Kritik in unserer Arbeit nicht zu Gefallen waren, sind wir dennoch ganz beruhigt; denn für den, der in dem Propheten ewige Wahrheit, Zusammenhang der ausgesprochenen Gedanken und Logik in der Beweisführung gesucht hat, haben wir, wenn auch nicht Vollendetes geboten (sie!), doch aber demselben neue Bahnen eröffnet." (?) Herr Rabb. W. Reich wußte, da er sein Buch schrieb, daß er der hohen Kritik nicht zu Gefallen war (sie!). Er schmeichelt sich jedoch in selbstgefälligem Selbstbewußtsetn neue Bahnen eröffnet zu haben. Auf diesen Bahnen wird ihn gewiß weder ein Orthodoxer noch ein Neologe, weder ein Jude noch ein Nichtjnde begleiten. Wenn er jedoch Lust hat diesen Weg einsam zu wandeln, so sollte er doch des Wortes eingedenk sein, daß der Weiseste der Weisen sprach: .io’pnt> ’jip i’Ni nnNn iSo .jBffm narwn (Eine Entgegnung auf den Artikel in der Wifsensch. Beilage Nr. 70 v. I.) Unter der Ueberschrift zvLni nanwi wird in der wissenschaftlichen Beilage Nr. 70 des „Israelit" für rorw Girafe, für pr Lama gesetzt und alle Uebersetzer, welche diese mit Hase und Kaninchen geben, des Jrrthumes geziehen. „Die ganze Welt weiß", ruft der Herr Einsender aus — „daß weder Hase noch Kaninchen Wiederkäuer sind." Wohl! und weiß es auch alle Welt, so gestatten wir uns doch, diese Gewißheit auf ihren Werth zu

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