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Der Israelit · 1893-04-27 · Heft 34 (27.4.1893) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 34 (27.4.1893)
Date
1893-04-27
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
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650 gegen einen Juden eine Ungerechtigkeit übt, wird mein Feind sein am Tage des letzten Gerichts." Begehe also diesen Fehler nicht mehr und beobachte den Juden gegenüber ein gutes Betragen. Behandle sie wie Deine muselmännischen Untergebenen; in Civilsachen laß ihnen Gerechtigkeit widerfahren, und in religiösen Dingen überlasse ausschließlich ihrem Rabbiner die Entscheidung. Was die unter dem Schutze fremder Mächte stehenden Israeliten betrifft, so benimm Dich ihnen gegenüber im Einklang mit den bestehenden Conventionen und Abmachungen; sollte jedoch einer von ihnen sich weigern, gerechten Forderungen zu genügen, so wirst Du sein Verhallen feststellen taffen und Unserer Majestät eine Zuschrift darüber zukommen laffen, damit wir uns deshalb mit der Regierung verständigen, unter deren Schutz er steht. Den 7. des Monats Djoumada, 27. Dezember 1892. Der marokkanische Minister schrieb an die Israeliten in Marocco folgendes: Von Seiten des Dieners des allmächtigen Gottes, dem Minister des Auswärtigen seiner glorreichen Majestät von Marokko, den Gott schützen möge, an die israel. Gemeinde zu Marakesch, an die Notablen, Rabbiner, Kaufleute und alle Mitglieder insgesamt. Es ist unserem Herrn, dem Sultan zu Ohren gekommen daß Euer Gouverneur, Mohamed Quida, Euch gegenüber ein schlechtes Betragen geübt und Euch mißhandelt. Dies hat S. M. mißfallen, da Ihr seine Unterthanen seid, und er nicht will, daß Ungerechtigkeit gegen Euch geübt werde; S. Mwill, daß Ihr niemals mißhandelt werdet, und daß Ihr stets in Frieden und Sicherheit lebt. Auch hat diese Nachricht dadurch am meisten mißfallen, weil sie auf anderem Wege als durch Euch selbst Sr. Majestät zu Ohren gekommen. Es war Eure Pflicht Euch direct an S. M. zu wenden, um ihn von diesen Thatsachen zu unterrichten. S. M hat mir daher befohlen, Euch zu schreiben, daß Ihr in Zukunft mir alles zu melden hättet, was Euch zustößt, damit ich S. M. davon in Kenntniß setze. S. Al. hat mir auch befohlen, Euch mitzutheilen, daß er dem Gouverneur seine Befehle gegeben, damit er Euch gegenüber ein gutes Betragen beobachte, das er Euch ebenso behandle wie die anderen muselmännischen Bürger, daß er Gerechtigkeit übe in Civilsachen und es Eurem Rabbiner überlaffe, in religiösen Dingen zu entscheiden, und daß er sich an die Abmachungen halte denjenigen gegenüber, die unter fremden Schutz stehen, und daß er, wenn er Klage zu führen hat gegen diese Letzteren, sich an den Sultan wende. Den 7. Djoumada 13 10/27/12/92. FerriHetorr. Ein interessanter Ausflug. In der Nähe von Köln, so geht die Sage, befindet sich am Abhange einer alten Burgruine eine Höhle, die mit allerhand Dämpfen derart angefüllt sei, daß Jeder, der dieselbe betrete, sofort in einen todesähnlichen Schlaf verfalle. Lange schon hegte ich den Wunsch, den Spuren dieser Höhle einmal nachzuspüren und als mich in diesem Jahre meine Osterferienreise nach der alten Rheinftadt führte, veranlaßte ich meine beiden erwachsenen Neffen mit mir einen Ausflug nach der Richtung, in der die Höhle sich befinden soll, zu machen. Wir hatten nicht lange zu suchen. Die Bewohner des Dorfes A. zeigten uns alsbald einen kegelförmigen Berg, dessen Spitze die Mauern und halbverfallenen Thürme einer jener am Rhein so häufigen Ritterburgen aufwies und behaupteten, daß in diesem Berg die Höhle sei. Näheres wußten sie allerdings nicht anzugeben. Lange umschwärmten wir den Berg, ohne irgend etwas, was auf eine Höhle deuten konnte, zu entdecken und schon wollten wir unverrichteter Sache den Heimweg antreten, als mich einer meiner Neffen auf eine Parthie Felsgerölle aufmerksam machte, der nach seiner Ansicht Dämpfe entstiegen. Er wurde von uns tüchtig ausgelacht. Es war unserer Ansicht nach die Sonne, die den über Nacht gefallenen Tau in Nebel aufsteigen ließ. Da erschollen Stimmen hinter uns: „Der junge Herr hat nicht so Unrecht nicht, wie Sie zu glauben scheinen, auch wir, die wir täglich hier viermal vorübergehen, bemerken öfters Dämpfe aus dem Geröll emporsteigen." Nun wurde mir die Sache plötzlich Ernst. Ich bat die Fabrikarbeiter, denn solche waren es, die uns ansprachen, zu erzählen, was sie noch weiter von der Sache wüßten und sie berichteten, daß vor Jahren an dieser Stelle sich ungeheuere Felsmassen befunden hätten, daß sie aber im Laufe der Zeit alle in das Thal hinabgerollt seien. In kurzer Zeit müßte die Dampfhöhle, die sich ohne Zweifel darunter befinde, blosgelegt sein. Ich betrachtete mir die Arbeiter. Es waren acht kräftige Männer, die in der naheliegenden Kesselschmiederei beschäftigt waren und die"jetzt zum Mittagstisch gehen wollten. „Hört, Kinder," sagte ich zu ihnen, „wie wäre es, wenn Ihr mir die Höhle bloslegen wolltet, in mindestensUeiner Stunde ist die Sache gethan und Ihr habt noch eine halbe Stunde zum Mittagessen. Ich zahle Euch gut und wir drei helfen selbst mit." Die Arbeiter, die bet ihrem kärglichen Lohne gerne einen kleinen Nebenverdienst Mitnahmen, willigten kurz entschlossen ein und nach wenigen Minuten waren wir Alle mit dem Hinwegschaffen des Gerölls eifrig beschäftigt. Nun galt es für mich, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, daß, wenn die Dämpfe thatsächlich gefährlich sein sollten, keiner meiner Leute davon betroffen werde. Ich ließ daher, als die Höhle, denn eine solche war es thatsächlich, weit genug geöffnet war, eine Pause in der Arbeit eintreten. Alsbald entstieg in einer dicken Säule ein ungeheuerer Qualm der Oeffnung, wir hielten uns Alle in entsprechender Entfernung, damit keiner von uns den Dämpfen zu nahe komme. Nach kurzer Zeit indeß ließ der Qualm nach und die Ocffnung war vollständig frei. Zur Vorsicht warfen wir unser Dachshündchen, das wir bei uns hatten, in die Höhle. Nach wenigen Minuten aber

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