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Der Israelit · 1893-04-27 · Heft 34 (27.4.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 34 (27.4.1893)
Date
1893-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage ju M 34 des „Jsradtt“. Leitender Artikel. Per König in der steiligen Schrift. > O Honig, süße Himmelsspeise, Du gibst dem Menschen neue Kraft, Dem Kind, dem Manne und dem Greise Bist Balsam du und Lebenssaft. Die Bienenzucht ist uralt, so alt fast, als das menschliche Geschlecht selbst. Soweit nur historische Kunde reicht, finden wir die Biene in Begleitung des Menschen und ihren Fleiß von ihm ausgebeutet. Die Produkte der Bienenzucht, insbesondere der Honig, sind schon in den ältesten noch vorhandenen Urkunden hoch gepriesen. Zu den ältesten Urkunden rechne ich vor allem die Bibel — die Heilige Schrift — und es verdient gewiß im hohen Grade unsere Beachtung, daß Gott in Seiner Offenbarung an Moses, und auch in den nachfolgenden, das Kanaan — das heutige Palästina — stets und nur ein Land nennt, das von Milch und Honig fließt. „Ich habe das Glend Meines Volk-s in Egypten gesehen und gehört ihr Geschrei über die Härte derjenigen, die über ihre Arbeiten gesetzt sind, und weil Ich kenne ihre Leiden, bin ich herabgekommen, sie zu erretten aus der Hand der Egypter und sie wegzuführen aus diesem Lande in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt." (2. Buch Moses, [Exodus] 3, 7 —8) „Haltet Meine Satzungen und Rechte und thuet sie und Ich werde euch zum Erbe geben ein Land, fließend von Milch und Honig" (3. Buch Moses, [Eevitieus], 20, 22—24.) Erst die späteren Schilderungen zählen auch die übrigen Erzeugnisse des Landes auf. So heißt es im 5. Buch Moses, (Deuteronomium) 8. 8: „In ein Land des Weizens, der Gerste und der Weinstöcke, darin Feigen und Granatäpfel und Oliven wachsen, in ein Land des Oeles und des Honigs." Der Umstand, daß der Ausdruck — von Milch und Honig fließend — in der Bibel 21mal vorkommt und außerdem noch 42mal vom Honig die Rede ist, gibt wohl zu erkennen, daß der Milch und dem Honig eine besondere Wichtigkeit zuerkannt wurde. Es ist daher nicht zu verwundern, daß dieser Ausdruck zur sprichwörtlichen Redensart für die Bezeichnung besonderer Fruchtbarkeit des Landes geworden ist. Milch und Honig repräsentiren die edelsten Produkte, die vorzüglichsten Nahrungsmittel, und *) Aus: „Der Honig vor dem Richterstuhle der Geschichte,.VernunftZund^. Erfahrung."! der Honig ist zugleich der Repräsentant der vorl züglichsten Heilmittel, welche der gütige Schöpfer für die -leidenden Bewohner der Erde auf dieser erschaffen hat. Im 1. Buch Moses, (G-enesis) 43, 11, wird von dem Patriarchen Jakob der Honig unter den auserlesensten Produkten des Landes Kanaan genannt. Als er nämlich seine Söhne zum zweitenmale nach Egypten sandte, um Getreide einzukaufen, sprach er zu ihnen: „Nehmet von den besten Früchten des Landes in eure Säcke, und bringet dem Manne Geschenke, etwas Harz und Honig und Storax und Myrrensaft, Terebinthen und Mandeln." In der Heiligen Schrift, in den Sprüchen Salomon's (16, 24. Vers) heißt es: „Honigseim sind wohlgeordnete Worte, süß der Seele, Heilung den Gebeinen." Die Heilige Schrift liebt es, ihre Aussprüche durch Gleichnisse anschaulich darzustellen. So auch hier. Das ganze 16. Kapitel in den Sprüchen Salomons handelt von Gottes Vorsehung und weiser Herrschaft. Nach dem Kontexte will also der 24. Vers soviel sagen als: die Worte der ewigen Weisheit sind süß oder heilsam der Seele (dem Geiste), wie der Honig heilsam ist den Gebeinen (den Leibern.) Honig ist also heilsam, heilkräftig für den Leib; er bringt Heilung oder Gesundheit den Gebeinen, d. i. den Leibern überhaupt, also Menschen und Thieren. Auch der Talmud berichtet, daß der Honig vielfach als Heilmittel verwendet wurde, namentlich gegen Gicht. Herzleiden, Bräune und zum Heilen von Wunden bei Menschen und Thieren. Daß der Honig bei Wunden oder Geschwüren als Heilmittel angewendet wurde, erfahren wir aus Tractat Sabbat 8, 1, nach welchem es den Juden streng verboten ist, am Sabbat so viel Honig außer Haus zu tragen, als man auf eine Wunde oder Geschwür leget. Aus Tractat Joraa 83 b ersieht man, daß die Juden bei Herzleiden Honig mit Gerstenmehl verrührt als Heilmittel angewendet haben, und aus Tractat Sabbat 154 b: daß die wundgeriebenen Kameelhöcker mit in Gährung übergegangenen Honig bestrichen wurden. In 24, 13 der Sprüche Salomon's heißt es: „Iß Honig, mein Sohn, denn cs ist gut, und Honigseim, welcher gar süß ist für deinen Gaumen, so ist auch die Lehre der Weisheit für deine Seele: findest du sie, wirst du Hoffnung haben, wenn dein Ende da ist, und deine Hoffnung wird nicht zu

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