Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1893)
- Date
- 1893-04-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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640 den vierfachen Betrag gut; es ist die Flage, ob ich kann. Das Geld ist knapp, sehr knapp." „Macht keine Geschichten, Benjamin, und leiht mir das Geld und sagt, wie viel Prozent Ihr verlangt." „Aber, Ebner, warum wollt Ihr denn absolut Geld leihen? Ich mache solche Geschäfte nicht gern. Ihr habt gewiß noch Frucht liegen, Korn oder Weizen; verkauft doch davon." „Nein, Benjamin; die Frucht geht noch stark in die Höhe; an ihr kann ich noch verdienen, was ich mir von Euch leihen will. Aber ich verspreche Euch, wenn ich sie verkaufe, seid Ihr der erste dazu." „Hm, hm, nicht übel; mit meinem Geld wollt Ihr also spekuliren; ich habe nichts dagegen." „Wollt Ihr mir's also leihend" „Für wie lange braucht Jhr's?" „Nun, ich denke gegen Weihnachten kann ich's zurückgeben." Benjamin schwieg eine Weile; er sann nach und fragte weiter: „Und welche Sicherheit gebt Ihr mir?" Ebner sah überrascht auf. Der Jude wußte, daß sein Gut schuldenfrei war und den zehnfachen Werth mindestens repräsentirte und doch verlangte er Sicherheit! Er sagte nach kurzem Besinnen: „Ich geb' Euch jede Sicherheit, die Ihr wollt." „Nun gut; Ihr könnt das Geld haben. Morgen find zufällig ein paar Wechsel zahlbar und ich bin Euch gerne gefällig." „Schön, Benjamin, und welche Bedingungen stellt Ihr?" „Ihr stellt einen Wechsel aus für 5150 Mark zahlbar am 1. Januar und erhaltet 5OO0 Mark in baar." „Nein, Benjamin, das thue ich nicht. Das wären ja" — Ebner rechnete — „das wären ja über 8°/0 Zinsen. Nein, Benjamin, so verrückt bin ich nicht." „Ihr habt Recht, Ebner. Ich Lhäte es auch nicht. Es war nur ein Scherz. Verkauft Eure Frucht und Ihr braucht kerne Zinsen zu geben. Wenn Ihr aber mit fremdem Geld spekuliren wollt, müßt Ihr dafür bezahlen." „Gut; ich will Euch fünf Prozent geben; das wären für's halbe Jahr — es ist nicht einmal ein halbes Jahr, aber rechnen wir so — 125 Mark; ich stelle einen Schuldschein über 5125 Mark aus, fällig am 1. Januar. Seid Ihr damit zufrieden?" „Nein, Ebner, dafür kann ich Euch das Geld nicht geben; ich verdiene in meinem Geschäft mehr damit. Vielleicht könnt Ihr es anderwärts billiger bekommen; versucht es, ich bin nicht böse darüber." „Wenn ich das Geld von einem Andern hätte leihen wollen, wäre ich nicht zu Euch gekommen", entgegnete der Bauer gereizt; „jetzt stellt mir aber auch annehmbare Bedingungen." „Ihr wißt, Ebner, daß ich nur einmal fordere, nur einmal biete. Jedes Feilschen und Handeln ist mir verhaßt; wenn Euch deßhalb meine Forderung nicht paßt, so laßt uns von dem Geschäft schweigen." „Ich will Euch noch was sagen. Ich gebe —" „Laßt jedes weitere Gebot; es wäre unnütz; entweder Ihr seid mit meinen Bedingungen einverstanden oder nicht." „Aber, Benjamin, das ist ja der schändlichste Wucher!" „Meint Ihr? Nun, so lassen wir es beim Alten. Was gibt es sonst Neues?" Ebner versuchte noch Allerlei, um günstigere Bedingungen zu erhalten — vergebens. Nach einer Stunde verließ er brummend das Haus. „Der elende Wucherer," sagte er leise vor sich hin, „hat seinen Schnitt an mir gemacht; werd's ihm schon vergelttn!" (Fortsetzuna folgt.) Der .J-raelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag-und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Brei» de- Jahrgangfür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'- Ausland 16 Reichs-Mark. Man adonnin ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pn drztrgr« bei E. F. Kleinacker. Leipzig. Uoßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut Lours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. E1»e Rücksendung von an die Redaktion eiugesandten Manuskripte« findet nicht statt, «a« dittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie znrückznbehalte«. Inhalt LHanptblätt): Leuende Ariikel: Sprüche der Väter. — Tie Borgänge in Kolin. — Zeirungsnachrrchren und Eorrespondenzen: Deutschland: Worms. Aus Baden. Biomberg. — Rumänien: Bukarest. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Arüktt: Der Honig in der heiligen Schrift. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Berlin. — Vermischtes. — Telegramm. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Persien. — Marocco. — Feuilleton: Ein interessanter Ausflug. Inhalt der Wifienschaftl. Beilage: Moderne Exegeten. — ronsn — Reeenstonen. Inhalt der Extra-Beilage: Svenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des , Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«