Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1893)
- Date
- 1893-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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639 ~r^r „Dr. Z.? So heißt ja auch der Antisemitenhäuptling, der die teutschen Bauernvereine gründet." „Es ist derselbe, der mein Kind verführt, seine Ehre geraubt und Schmach und Schande über mein Haus gebracht hat. Er soll sich in Acht nehmen, daß er mir nicht in die Finger läuft; es könnte ihm schlecht ergehen." Die Wuth, die in ihm kochte, ließ Klaus an den unschuldigen Pflanzen aus, die am Wege standen. Mit Wucht sauste sein dicker Stock auf die Stengel nieder und wie abgeschnttten lagen die Aehren am Boden. Johann blickte den Gefährten von der Sette an und schüttelte mißbilligend den Kopf. Er hatte einst Interesse für die Tochter des Taglöhners gehabt und bemitleidete nun die Aermste, die ein Opfer ihres Vertrauens geworden. Und der elende Verführer? Er gerirte sich jetzt als Apostel der Deutschen; seine Lippen fließen über von teutscher Treue, teutscher Zucht und teutscher Sitte, ihm sei die Rettung Deutschlands Vorbehalten — armes Deutschland, das eines solchen Retters bedarf! Es war gegen Mittag, als die Boten Benjamins das Dorf und den Bauernhof erreichten, auf welchem das Vieh, das sie abholen sollten, stand. Man aß gerade zu Mittag und auf die Einladung der Bäuerin setzten sich die beiden an den Tisch und ließen sich's wohl schmecken. Gegen zwei Uhr traten sie ihren Rückweg an und erreichten, ohne daß Klaus seinem Worte untreu geworden, vor Nacht das Haus des Juden. VI. Rahel war heute nicht allein zu Hause. Die Aufregung der furchtbaren Nacht war nicht spurlos au ihrem Vater vorübergegangen. Er fühlte sich am Morgen nicht ganz wohl und zog deßhalb vor, heute den gewohnten Weg über Land aufzugeben und sich zu schönen. Es gab auch im Dorfe zu thun und Benjamin blieb zu Hause. Rahel war ernstlich besorgt um ihren Vater, denn so leicht ließ dieser sich nicht von seiner gewohnten Tour abhalten, und sie bat ihn, doch den Azt, der bald vorüberfahren müßte, zu consultiren. Benjamin Lachte über ihre Angst und sagte: „Ich brauche keinen Arzt, mein Kind. Ein Tag Ruhe und etwas Schonung und der Schaden ist reparirt. Wir Alten sind nicht von so weichem Stoff, wie die heutige Jugend; diese ist glatt und weich, wir aber sind knorrig und fest." „Ich will aber diese Festigkeit nicht auf die Probe stellen, mein Väterchen. Der Weise, so hast Du mich gelehrt, wartet nicht, bis ihn die Gefahr bedroht, sondern er sucht derselben vorzubeugen und es ist leichter, eine Krankheit zu verhüten, als eine solche zu heilen." „So ist es, mein weises Töchterchen, aber ich habe die Probe schon gar zu oft bestanden und bestehe dieselbe noch täglich. Sorge nicht um meinethalben; ich kenne mich selbst am besten." Rahel schwieg. Sie wußte, daß es vergebliche Mühe war, weiter in den Vater zu dringen und sie ließ deßhalb davon ab und ging ihren häuslichen Pflichten nach. Benjamin inspizirte den Hof, die Ställe, Scheunen und Speicher sowie auch den Garten und fand hier etwas auszusetzen, dort an etwas zu erinnern, kurz, als sein Rundgang beendet war, hatte er sich so viel gemerkt, daß er Bleistift und Papier nahm und sich in seiner Manier Notizen machte. Kaum war Benjamin damit fertig, da wurde das Hofthor geöffnet und eine rauhe Stimme fragte die im Hofe befindliche Magd: „Ist Herr Caro zu Hause?" „Ja, Herr Ebner, kommen Sie nur näher." Der also Angeredete trat in den Hof und ging, von der Magd geführt, ins Haus. Als er in das Wohnzimmer kam. sprang Benjamin von seinem Stuhle auf und rief: „Et, guten Morgen, Ebner! Das ist ein fremder Besuch." „Ja, Benjamin, ich komme selten fort. Aber heut könnt ich's nicht mehr aufschieben, ich mußt zu Euch." „Sehr schmeichelhaft, Eure Sehnsucht nach mir", neckte Benjamin, „sie wird wohl ihren guten Grund haben; doch setzt Euch" und er deutete auf einen nahen Stuhl. „Ihr könnt gut rathen, Benjamin", sagte Ebner, indem er sich niedersetzte; „aber ich bin wirklich froh, Euch getroffen zu haben." „Ist auch eine Ausnahme, daß ich daheim bin, Ebner; doch womit kann ich dienen?" „Ich bin in der Klemme, Benjamin," versetzte Ebner, sich am Kopf fassend, „ich brauch' Geld." „Da werdet Ihr nicht der Einzige sein," entgegnete Benjamin lächelnd, „auch mir könnte das große Loos nicht schaden?' „Kann schon sein, Benjamin, denn Ihr bekommt ja nie genug! Doch drängts Euch nicht. Ich muß jedoch zwischen heut' und übermorgen fünftausend Mark haben und Ihr, Benjamin, sollt mir sie gegen Sicherheit und gute Zinsen leihen. Wollt Ihr?" Benjamin schloß für eine Sekunde die Augen; dann blinzelte er nach Ebner hin und schüttelte den Kopf. Er kannte den wohlhabenden Bauer und konnte sich nicht erklären, was diesen zur Entnahme eines Darlehens veranlassen konnte. „Von meinem Willen kann keine Rede sein", entgegnete Benjamin. „Ich weiß, Ihr seid für