Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1893)
- Date
- 1893-04-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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638 ausgegeben, um den Besuch höherer technischer Lehranstalten zu ermöglichen, 960 Mark forderte der Religions- und sonstiger Fachunterricht. Das in Pankow errichtete Lehrlingsheim, das von sechs der Pfleglinge bewohnt wird, kostete 6488 Mark an Unterhaltungskosten. An Vermögen besitzt der Verein und seine Stiftungen 126,525 Mark. Berlin, 23. April. Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit in Rom unserem Glaubensgenossen, dem Generalsekretär im Ministerium des Auswärtigen Malvano den Kronen-Orden erster Klaffe mit Brillanten verliehen. Elbing. Der hiesige Magistrat hatte im vergangenen Jahre die jüdischen Kultusbeamtnn zur Besteuerung herangezogen, die Stadtverordneten ließen sie indeß, wie die Kultusbeamten der anderen Bekenntniffe, frei. Der Magistrat ist diesem Beschlüsse nunmehr beigetreten. Die bereits erhobenen Steuern sollen zurückgezahlt werden. Pest. Die hochherzige Stiftung, welche Herr Sigmund Brody erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufen, e> freut sich unter den hauptstädtischen Israeliten großer Sympathien Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat heute neuerdings zum Bau dieses Kinderkrankenhauses von Frau Wittwe Emma Herzfelder geb. Steiner als Bettstiftung auf den Namen ihres jüngst verstorbenen Sohnes Harry Herzfelder den Betrag von 2000 Gulden erhalten. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Für S ch o ch t i m (ll'vriue^). Das Aufblasen der Lungen der geschlachteten Thiere durch den Mund der Fleischer oder deren Angestellte zur sorgfältigen Besichtigung derselben mrojm mj/i nianon veranlaßt überall, wo Schlachthäuser eingerichtet sind, die Jnfpection, die so aufgeblasenen Lungen Zu confisciren. Dem Klempner Herrn Moritz Behr in Lobsens ist es gelungen im Interesse der Hygiene und im Interesse der Fleischer eine Erfindung zu machen, die vom Kaiserlichen Patentamt durch „Musterschutz" vor Nachahmung geschützt, weitere Verbreitung und die Aufmerksamkeit von Schächtern und Fleischern im hohen Maße verdient. Der Erfinder hat eine Vorrichtung zum Aufblasen der Lungen, bestehend aus einem Luftkessel nebst daran befindlicher Luftpumpe construirt, die in einer kegelförmigen Tülle ausläuft, auf welcher die Gurgel, gleichviel ob kleine oder große mit Leichtigkeit aufgebracht werden kann. Vermittelst eines Luftkrahns, wird das Einströmen, der in dem Windkessel aufgespeicherten Luft, in die zu untersuchende Lunge regulirt, auch ist der Apparat so gestaltet, daß er neben jeden Tisch aufgestellt werden kann, auf dem die Lunge sich befindet. Die Bedienung des Apparats ist die denkbar einfachste; vor der Anwendung desselben, wird der Luftkessel durch die Pumpe gefüllt und der Apparat ist zum Gebrauch fertig. Die im Luftkessel aufgespeicherte Luft reicht auch für mehrere Lungen aus. Durch die Anwendung dieses Apparats wird mehrfachen Uebelständen abgeholfen, erstlich strömt mit vollständiger Gleichmäßigkeit die Luft bis in die kleinsten Theile der Lungen, zweitens fällt das lästige Aufblasen mit dem Munde gänzlich fort und den Fleischern wird die Lunge zum Verkauf überlassen, wodurch der Apparat sich sehr bald bezahlt macht. Ein Exemplar dieses Apparats ist bereits von der hiesigen Gemeinde angeschafft, functionirt ausgezeichnet und wird aus das Angelegentlichste empfohlen. Auf Wunsch ertheilt der Erfinder Herr Behr, auch der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde gerne nähere Auskunft. Feuilleton. & Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Während der Erzählung war Klaus immer rascher gegangen, so daß der Knecht Mühe hatte, an seiner Seite zu bleiben. Jetzt blieb er stehen; schwer athmend blickte er ihm in's Gesicht und fragte: „Verachtest, verurtheilst Du mich?" „Nein," entgegnete Johann, „aber ich bedauere Dich. Man kann den Teufel nicht durch Belzebub austreiben, einen Fleck nicht mit Schmutz auswaschen. Uebrigens hätte ich an Eurer Stelle mein Recht an dem Verführer geltend gemacht" „Ha, ha, ha," lachte Klaus, „das ist ja das Schändlichste. Der Elende war Student, hatte meiner Dina, um sie gefügig zu machen, die Ehe versprochen und war auch jetzt noch dazu bereit, das Mädel zu heirathen, nur müsse sie warten, bis er im Stande sei, sie zu ernähren." „Nun, und?" — „Das Mädel glaubte seinen Versprechungen; es ließ sich von ihm bethören, siedelte mit ihm nach M. über, um ihm den Haushalt zu führen, und als der Herr Doctor fertig studtren war, schickte er seine Braut mit ihrem Kinde wieder nach H. und verlobte sich mit einer andern." „Schändlich, schändlich," rief der Knecht aus „und Ihr ließet Euch das gefallen?" „Ich kümmerte mich um die Sache nicht; für mich war mein Kind gestorben, seit es den Weg der Tugend verlassen und den des Lasters betreten hatte. Aber sie selbst lag im Prozeß mit ihm und hat nichts erreicht, wie ich glaube." „Und wie heißt dieser Ehrenmann?" „Dr. Z. heißt er."