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Der Israelit · 1893-04-27 · Heft 34 (27.4.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 34 (27.4.1893)
Date
1893-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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636 Z>ie Worgänge in Kolin- Prag, 19. April. Zu den antisemitischen Ausschreitungen wird aus Kolin, 18. d. M., gemeldet: „Heute früh um 6 Uhr wurden 18 verhaftete Männer von Gendarmen eskortirt und dem k. k. Kreisgerichte in Kuttenberg eingeliefert. Die Ruhestörungen in der Umgebung dauern, wie berichtet wird, fort. Jn Zabonos zechten bet einem jüdischen Gastwirthe mehrere Männer, weigerten sich die Zeche zu bezahlen, griffen den Gaffwirth selbst an. zerschlugen ihm die Fenster, zertrümmerten seinen Wagen und strichen das Haus roth an. In der hiesigen Vorstadt „na Z&labi“ wurden heute Nacht dem Branntweinschänker Eisner die Fenster wieder eingeichlagen." Die Koliner Vorgän e haben, wie bekannt, ihre Rückwirkung auf die Umgebung von Kolin nicht verfehlt, denn auch in mehreren Ortschaften um Kolin machte sich eine gewisse Aufregung bemerkbar, welche von den Hetzern gefördert stellenweise auch zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner führte. Sie wurden jedoch zumeist im Keime erstickt, so in Kuttenberg, in Owcar, in Cirkwitz u. s. w. In dem letztgenannten Orte waren es einige besonnene Bürger mit dem Pfarrer Herrn P. Preclik an der Spitze, welche der angesammelten Menge entgegentraten und sie durch Ermahnungen veranlaßten, ruhig auseinander zu gehen. Kolin, 21. April. Die Stadtvertretung beschloß in geheimer Sitzung ihr tiefstes Bedauern über die Ausschreitungen gegen die Juden auszusprechen und um eine ständige Garnison für Kolin anzusuchen. Kolin. Zu den antisemitischen Ausschreitungen berichtet der «Sias Nar.tt, daß in Folge eines Winkes des Justizministeriums in Wien vom Oberlandesgerichtspräsidium und der Oberstaatsanwaltschaft in Prag der strenge Auftrag in Kolin eingelangt sei, alle mit den Koliner Unruhen zusammenhängenden Umstände strengstens zu erheben. — Wie uns aus Kolin gemeldet wird, wurde gestern hier eine Deputation des Koliner Stadtrathes mit dem Bürgermeister Dr. Cyvtn vom Statthalter Grafen Tbun empfangen. ZeitnrrgSnachrtchterr und Korrespondenzen. Deutschland. Worms. Große Befriedigung gewährt der Einblick in den Jahresbericht des „Israelitischen Unterftützungsvereins" vom Jahre 1892. Wenn sich auch die Zahl der Mitglieder nicht vermehrt hat, so ist doch die Summe der ständigen Beiträge um ca. 100 Mark erhöht worden; außerdem gingen an Geschenken M. 948 ein, ungefähr M. 500 als im vorigen Jahre. Der unangreifbare Kapitalstock wurde mit 4 Gaben im Betrage von M. 1250 bedacht, so daß derselbe jetzt eine Höhe von Mark 17576 erreicht hat. Soweit es thunlich war, wurden an bedürftige Arme Gaben von Mark 10, 20, 25, 36, sowie einige Male von Mark 50 verabreicht. Im Ganzen wurden Unterstützungen gewährt 1651 (gegen 1340 im vorigen Jahre) im Betrage von Mark 3188.80 (gegen 2858.10 im vorigen Jahre); an hiesige Arme wurden Mark 260 gegeben. Es wurden unterstützt: 229 Handwerker, 232 Gewohnheitsbettler aus dem Jnlande, 799 Gewohnheitsbettler aus dem Auslande, 279 verschämte Arme, 51 Lehrer und Gelehrte, 28 Commis, 13 Schüler, 20 Personen für Beköstigung. Beständige Unterstützung erhielten: 5 Familien mit monatlichen Gaben von 2—3 M., 20 Familien mit monatlichen Gaben von 2—6 M., 90 Familien mit monatlichen Gaben von 3—5 M. Durch Postanweisungen wurden 318 Gaben befördert. Der Bericht schließt mit dem Danke an das Ehrenmitglied des Vereins, Herrn Leopold Scheftel, der trotz seiner 86 Jahre sich täglich der mühevollen Aufgabe der Gabenverthetlung unterzieht. R. Aus Baden. Trotzdem es allgemein bekannt ist, wie sehr unserem edlen Großherzoge das Treiben der Antisemiten zuwider ist, wie er solches erst wieder bei der Abschiedsaudienz des Stadlrabbtners Dr. Schwarz zum Ausdrucke gebracht hat, suchen dieselben doch mit der ihnen eigenen Frechheit ihre Fahne der Intoleranz überall aufzuhiffen. So ist neuerdings die Redaction des badischen Antisemttenblattes nach Heidelberg verlegt worden, um vielleicht die studirende Jugend sofort für die „edle" Sache zu gewinnen. Auch in den „Lehrerzeitun gen" und damit in Lehrerkreisen sucht der Antisemitismus sich einzunisten. Bezeichnend und jedem Antisemiten und Nichtantisemiten zur Lektüre empfohlen, sind die Worte, welche der Redaeteur eines badischen Schulblattes für derartige Wühlereien in dem Briefkasten seines Blattes hat: „Es ist eine längst bekannte Thatsache: Dem Bauer verursacht es durchaus keine Gewissensbisse, den Juden zu ü bervorthetlen, er schmunzelt vielmehr befriedigt, wenn ihm dies gelingt; dadagegen zetert er gewaltig über den „sch! echt e n" Ju den, wenn ihn diese rüberlistet. Ich habe d eßwegen durchaus keine Lust, auf Ihre Auseinandersetzungen weiter ein zu gehen!" Brvmberg, 18. April. Man hört, daß sich hier in aller Stille ein Antisemitenklub gebildet haben soll und wenn diese Meldung auch noch nicht

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