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Der Israelit · 1893-04-24 · Heft 33 (24.4.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 33 (24.4.1893)
Date
1893-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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623 Holz zum Kochen auflesen. Heute Nacht komme ich hierher und versorge meine Küche und meinen Herd für eine lange Zeit." „Ist denn das erlaubt, Klaus?" „Wenn es auch nicht erlaubt ist, so thue ich es doch. Oder meinst Du, ich wäre so dumm, nur das zu thun, was die großen Herren nicht durch Gesetze verboten haben? Die Gesetze sind doch nur für die armen Leute da. Die reichen Leute — nun, die thun, was sie wollen. Du kennst ja das Sprüchwort von den kleinen Dieben, die man hängt und den großen, die man laufen läßt." „Nun, Du gehörst zu den kleinen; also nimm Dich in acht!" „Ah, bah, die Nürnberger hängen keinen, ehe sie ihn haben." Der Knecht schwieg. Der Weg bot jetzt große Schwierigkeiten, da der Berg ebenso steil absiel und durch den anhaltenden starken Regen während der Nacht ganze Wegstrecken unterwaschen und nur mit der größten Vorsicht zu passieren waren. Die beiden Männer legten den gefährlichsten Theil des Weges stumm nebeneinander hergehend zurück und athmeten wie erlöst auf, als sie die am Fuße des Gcbirgs sich dahinzichende Chaussee erreicht hatten. „Da wären wir." sagte Klaus, indem er sich den Schweiß von der Stirne trocknete und auf den gefährlichen Theil des Weges zurücksah; „das war ein schweres Stück Arbeit, für welches mir der Jude nichts bezahlt." Johann antwortete nicht; nach kurzer Zeit sagte er: „Mit dem Vieh können wir aber den Weg nicht zurück machen; da müssen wir der Chaussee nach über R . . . dorf." „Der Teufel auch! dann kommen wir vor Nacht nicht heim." „Das läßt sich nun nicht ändern; über's Gebirg gehts nicht. Ich denke, wir ruhen ein viertel Stündchen aus, frühstücken etwas und marschieren dann frisch drauf los." „Mir recht; frühstücke Du nur. Ich guck Dir zu; ich Hab nichts zum Frühstücken bei mir " Johann setzte sich in das schwellende Gras am Rain und Klaus warf sich neben ihn und sah mit verlangenden Blicken auf das umfangreiche Packet, welches jener zum Vorschein brachte.; „Brauchst nicht zu weinen," neckte Johann; „ich habe auch Frühstück für Dich. Unser Fräulein hat für jeden von uns eine schöne Portion eingepackt. Hier, greif zu." Er schob dem erstaunten Taglöhner eine in Papier gewickelte Wurst zu, gab ihm ein derbes Stück Brot und sprach: „Nun iß, und guten Appetit."! Klaus wußte nicht, wie ihm geschah, noch weniger, was er sagen sollte. „Davon weiß natürlich der Alte nichts?" fragte Klaus. „Kann Dir das nicht egal sein? Wenn Dirs nur schmeckt!" „Recht hast Du! Die Augen zugemacht und eingebissen. Aber weißt Du, ich könnte trocknes Brot essen und meiner Frau die Wurst mitbringen." „Wie Du willst. Was fehlt denn Deiner Frau?" „Der Doktor weiß es selber nicht. Seit die Dina uns die Schande gemacht hat, kränkelt sie und Niemand weiß, was ihr fehlt." „Wie kam eigentlich die Geschichte mit der Dina?" „Ich will es Dir erzählen, aber laß uns dabei marschieren, daß ich meinen Zorn in die Erde treten kann." Sie erhoben sich und setzten ihren Weg fort; beide schwiegen; jeder wartete, daß der andere zuerst reden sollte. Endlich sagte der Knecht: „Nun, Klaus, Du wolltest ja erzählen." „Was ist da viel zu erzählen? Du kanntest;a unsere Dina. Es war ein schmuckes, fleißiges Mädel, das uns Alten viele Freude bereitete. Und wie war sie in der Arbeit! Keine war so flink, keine so munter wie meine Dina. Hatten wir auch nicht viel, so waren wir trotzdem glücklich. Da bekam die Dina die unglückliche Idee, sich nach der Stadt zu verdingen. Sie wollte bei fremden Leuten den Haushalt erlernen. Die Idee war nicht unvernünftig; der Aufenthalt in der Fremde schadet keinem etwas. Trotzdem wollte ich es nicht haben; sie hätte zu Hause bei der Mutter genug lernen können; wozu erst zu Fremden gehen? Aber gerade die Mutter bestärkte sie in ihrem Vorsatz, ihre Tante verschaffte ihr eine Stelle in H. und che ich es hindern konnte, war sie in der Stadt in Dienst. Sie kam zu braven Leuten, die sie wie ihr eigenes Kind behandelten. Dina war glücklich und konnte, als sie zum ersten Male wieder zn uns kam, gar nicht aufhören, von der Stadt und von ihrer Herrschaft zu erzählen. Sie war so munter und vergnügt, sah so blühend aus, daß ich mit Stolz an ihrer Seite durch das D.rf ging. Als sie nun gar z vor ihrem Abschied meiner Alten ein Zehn-Mark- Stück in die Hand drückte und sagte, sie hätte sich diesen Betrag allein von Trinkgeldern gespart, da hatte unsere Freude keine Grenze. Wir küßten sie zum Abschied und ermahnten sie, ja recht brav und gut zu bleiben." Klaus stampfte mit festem Tritt die Erde; er schwieg einige Sekunden, dann fuhr er fort: „Es war das letzte Mal, daß ich mein Kind froh und

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