Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 33 (24.4.1893)
- Date
- 1893-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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hält sich aber die Sache H jenen Juden, die längs der sibirisch-tatarischen Grenze wohnen; denn sie müssen ihre lohnenden Verkehr aufgeben und sich nun einem unsicher« Zustande zuwendeu. Aber alle diese längs der ganzen sibirischen Grenze wohnenden Juden sind gute Patrioten, denn sie sprechen fast nur Russisch und tragen auch viel dazu bei, um die Völkerschaften im benachbarten chinesischen Reiche mit der russischen Industrie bekannt zu machen. Wer wird sie nun in dieser Vaterländischen Mission ersetzen? Niemand. Der sibirische Bauer ist einmal zum Handel nicht geeignet, und russische Kaufleute, die auch den Detailhandel pflegen, gibt es nur wenige in den sibirischen Grenzstädten. Die Juden längs der sibirischen Grenze werden nun baldigst von dort auswandern, aber der harte Schlag, der sie trifft, wird auf die russische Industrie zurückwirken, die jetzt einen großen Theil ihrer chinesischen Kundschaft verlieren wird. > Vermischtes < Düsseldorf Am riDE> my Nachmittag wurde unser neuerwählter Rabbiner, Herr Dr. David vom Gemeindevorstaud offiziell in sein Amt eiugeführt; am 1. Peßach-Tage hielt er seine Antrittspredigt. Anknüpfend an die Worte cipDn ’D 'pjn "py: Nin t£Hp miy nnx "ili'N legte der Redner in einer klaren, meisterhaft durchführten Rede die Aufgabe eines Rabbiners dar. Hatte uns Herr Dr. David in dieser Erstlingspredigt gezeigt, wie er die Aufgaben eines jüd. Geistlichen erfaßt, so hatten wir am nD? ’jrniy Gelegenheit, uns davon zu überzeugen, wie er 'es versteht in schwungvoller Sprache Betrachtungen und Ermahnungen aus unserem Lchriftthum zu ziehen. kZDiese Predigt — eine Abhandlung über iQiyn n*v?D — war geradezu eine oratorische Leistung und würde es uns zu weit führen, dieselbe auch nur im Auszuge wieder zu geben. Es sei hier die Bemerkung nicht unterlassen, dc ß die Predigten, die sich eines allgemeinen Beifalls erfreuten, von Liebe zu unserer heil. Religion und für deren warmes Eintreten durchweht sind. Möge die Thätigkeit des Herrn Dr. David '"1 unserer Gemeinde zum Segen gereichen und den Erfolg zeitigen, welchem wir ihm hiermit wünschen. F. Bonn. Im Juli 1892 waren es 10 Jahre, daß der hiesige Rabbiner Dr. Cohn beim Antritte seiner Stelle die Leitung der hiesigen Religionsschule übernahm. Dieselbe war damals von 8 Knaben und 6 Mädchen besucht Im Laufe des beendigten Schuljahres betrug die Zahl der der Anstalt angehorenden Zöglinge 118 (60 Knaben, 58 Mädchen). Im Ganzen, d. h. mit Einschluß des im Königlichen Gymnasium und in der städtischen Oberrealschule sowie in der Polak'schen Höheren Töchterschule ertheilten Religionsunterrichtes nehmen zur Zeit 160 (81 Schüler, 79 Schülerinnen) an den Religionsstunden theil. Der von unserem Rabbiner vor etwa 8 Jahren gegründete Fünfpfennig-Frauenverein versorgt die in den hiesigen Kliniken aufgenommenen jüdischen Kranken mit Koscherkost und hat damit schon recht viel Gutes gewirkt. Wien. Wie uns der Telegraph meldet, hat der neue Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Cleveland, den Confectionär in St. Louis am Miffissippi, Herrn Max Judd, zum General Consul in hiesiger Stadt ernannt. Herr Max Judd ist Israelit und in Krakau geboren. Die Familie hi' ß ursprünglich Judikiewic;, änderte aber in Amerika ihien Namen in Judd um. Feuilleton. > Die drei Kronen. Bon H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Weg, den die beiden zu machen hatten, wandt sich an dem steilen Abhange des Gebirges hinauf. Die Sonne brannte und der Durst stellte sich alsbald ein. Klaus fing an zu überlegen, ob er nicht im nächsten Dorfe Gelegenheit suchen wollte, mit etwas Brannkwein seinen Durst zu stillen. Der alte Benjamin durfte es freilich nicht erfahren, sonst war sein Tagelohn dahin. Aber wie sollte er es anfangen? Mit Johann war nicht zu spaßen; der hätte es sicher seinem Herrn hinterbracht. Klaus sann und sann; der Durst quälte ihn gewaltig und dabei stand ihm der Schweiß in großen Tropfen auf der Stirne. Immer höher führte der Weg und kein Baum spendete labenden Schalten. Erst auf dem Ramen des Gebirges, das sie überschreiten mußten, befand sich ein Buchenwald. Sie beschleunigten ihre Schlitte und hatten in einer halben Stunde den Wald erreicht. Tiefe Stille umfing sie und ein balsamischer Duft drang ihnen entgegen. Aber wie sah es hier aus. Wie furchtbar hatte das Wetter hier gewülhet! Vom Sturm geknickte Bäume versperrten den Weg; abgerissene Aefte lagen fußhoch übereinander und die jungen Buchen, deren Holz elastisch genug gewesen war, sich vor der Macht des Sturmes zu beugen, lagen ermattet zur Erde geneigt übereinander. Hier hatte der Wind einen Baum sammt seinen Wurzeln aus der Erde gerissen und eine Strecke weit fortgeschleudert; dort hatte er einen Haufen Reiserwellen umgeworfen und in alle Richtungen zerstreut; hier lag ein Vogelnest, das ihm nicht Stand gehalten und das er mit seinen Jnsaßen aus der lufligen Höhe auf die Erde hcrabgcworfen hatte; bange schrieen die nackten Jungen nach ihrer Mutier, die eine kurze Strecke vom Neste entfernt todt im Grase lag. Ein grausiges Bild der Zerstörung bot der Wald den erstaunten Blicken der Männer, die sich ihren Weg durch die Trümmer erst bahnen mußten. „Eine schöne Beschcerung wird der Förster hier finden," sagte der Knecht; „schade um den schönen Wald." „Was ist schade?" fuhr Klaus auf; „gut ist's für die armen Leute; die können sich jetzt wenigstens