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Der Israelit · 1893-04-24 · Heft 33 (24.4.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 33 (24.4.1893)
Date
1893-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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020 „lieber Antipathien läßt sich nicht streiten, „darüber kann nur das gesagt werden: damit „treffen die Gegner der Juden gerade nur diejenigen unter ihnen, welche die acht- „barsten sind, nämlich die religiösen, „an ihrem Glauben festhaltenden Ju- „den, die durchschnittlich bei weitem „die besten und redlichsten sind. Der „völlig religionslose Jude allein ist „oft schädlich und gefährlich, weil er „dann leicht zum rein materialistischen „und dabei talentvollen und rück- „sichtslosen Streber wird. Die anderen „Kulturnationen hätten allen Grund, die Reli- „giösität im Judenthum nicht zu untergraben, „sondern erhalten zu helfen." Das ist aus nichtjüdischem Munde, in moderner Form, die alte Wahrheit, die Rabbi Elieser ben Jakob in die Worte niedergelegt hat: may -oiyro "hin ö^p-© t> nrw mso ntsoyn .nnd« 'b rwp nn« (Fortsetzung folgt.) Zeitnngsuachrichte« und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin, 14. April. Berlin wird nicht nur Weltstadt, sondern in mancher Beziehung auch eine Centrale des jüdischen Geisteslebens. Die neueste Gründung, die von der jüdischen Publizistik verzeichnet zu werden verdient, ist eine Anstalt zur Ausbildung von jüdischen Cantoren. Der in mufikpädagogischen Kreisen wohl bekannte Direktor M. Wigodski, der der Leiter eines in hohem Ansehen stehenden Conservatoriums für Musik ist, hat, wie Sie bereits berichteten, innerhalb dieses Instituts eine Cantorena b t h e i l u n g eingestellt, eine Einrichtung, die wegen der weitreichenden Zrele, die sie verfolgt, vielseitiger Beachtung sicher ist. Der Moment, in dem die Großmeister des Synagogengesanges den Schauplatz ihres unterrichtlichen Wirkens verlassen, scheint in der That zur Etablirung eines solchen Instituts der richtige Zeitpunkt zu sein. Deutsch und Sulzer ruhen in der Erde und Lewandowski, der so viele Schüler in die Welt geschickt, genießt die Ernte seiner ruhmreichen Erfolge und es war schon zu befürchten, daß der Mangel an Talenten das Werk der Veredelung des Gottesdienstes zum Stillstand bringen werde. Da, im richtigen Augenblick, tritt eine Anstalt auf den Plan, die dieser Aufgabe in umfassender, ja viel gründlicheren Weise sich zu unterziehen verspricht, als es bisher geschah. Was bisher gefehlt hat, ist der stufenweise Fortschritt, der methodische Gang der Heranbildung des Cantorengeschlechts, eine systematisch aufgebaute Lehrweise bei der Verfolgung dieses Zieles. Diesem Mangel soll nunmehr abgeholfen werden. Direktor M. Wtgodzki, der aus den hervorragendsten Musiktnstttuten Berlins hervorgegangen, — er ist ein Schüler Kullaks und des Stern'schen Conservatoriums — hat bereits einen Stab von Fachmännern gewonnen, die ihn in seinem Bemühen, den Cantorenzöglingen einen allen Ansprüchen genügenden musikalischen Unterricht zu geben, unterstützen. Der mir vorliegende Prospekt betont, daß „namentlich dem recitativischen Vortrage besondere Aufmerksamkeit und liebevolle Pflege zugewandt werden soll." „Mein Bestreben" heißt es weiter, „geht in dieser Hinsicht darauf, das Recitativ durch lebendigeren Rhytmus, melodischere Gestaltung, größere Beweglichkeit und reichere Mannigfaltigkeit dem Ohre gefälliger und angenehmer zu machen." Die Anstalt stellt sich aber, was hervorgehoben zu werden verdient, das Ziel, die Cantoren nicht nur zu ihren gesanglichen Leistungen zu befähigen, sondern dieselben auch mit weitgehenden instrumentalen Fertigkeiten und theoretischem Wissen ausznstatten, die den Leitern unseres Gottesdienstes zur sozialen und materiellen Hebung ihres Standes immer unentbehrlicher wird. Möge es der Anstalt, die den Namen -ne!? rva D’}jr6 führt, gelingen, die Ziele, die sie sich gesteckt hat, zum Heile des Judemhums zu erreichen. Bernhard Traubenberg, Berlin, Grenadierstraße Nr. 14. Berlin, 14. April. Bezüglich des Einbruchs in das jüdische Bethaus am Glünen Weg sind die polizeilichen Nachforschungen von Erfolg gewesen. Sowohl die drei Einbrecher, wie die „Ausbaldowerer" sind ermittelt, dagegen haben die gestohlenen Silbersachen nicht herbeigeschafft werden können. Die Diebe haben dieselben in einem Schanklokale nahe am Thatort zerschlagen und dann versucht, die Bruchstücke bei zwei Juwelieren zu verkaufen, sind aber abgewtesen worden, weil dieSachen angeblich von Neusilber seien. Einer der Einbrecher, Weißgerber Schlösser hat die zerschlagenen Sachen mitgenommen, um sie anderweit zu verkaufen, will sie aber dann in das Wasser geworfen haben. Ob dies wahr ist, steht dahin; möglich ist, daß er seine Mithelfer um den Erlös betrogen hat. Die Kriminal-Polizei hat mit der Verhaftung einen guten Fang gemacht; denn die Personen haben zahlreiche Diebstähle, so auch den bei einem Wirth in der Universitätsstraße verübt.

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