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Der Israelit · 1893-04-24 · Heft 33 (24.4.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 33 (24.4.1893)
Date
1893-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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erforderliche Beachtung fittbct, zum Beispiel den Sabbat. Als welch mächtiger Fürsprech müßte der Sabbat und seine Heiligung unseren Verleumdern gegenüber sich bewähren, wenn mit den Hindernissen, die sich seiner Verwirklichung entgegenstellen, der gewissenhafte Pflichternst erst recht sich geltend machte, um sich dieses theuern, von Gott uns gereichte Kleinod nicht rauben zn lassen. Wenn es eine Wahrheit wäre raten m i?jotcr ’jd noan, daß Israel den Sabbat hütet, daß der jüdische Mensch alle übrigen Tage der Woche ringt und kämpft, um sich und den Seinen das Dasein zu fristen, am Sabbat aber freiwillig sein Geschäft schlösse, der einzige wäre, der ohne staatlichen Zwang, odne polizeiliche Kontrolle auf jeden Erwerb und Gewinn verzichtete, den die Entweihung seines Sabbat brächte, wenn aus dem öffentlichen Leben und aus dem Verkehre, den Handelsplätzen, den Industriestädten, Börsen und Märkten sich die Bekenner des Indenthums für diesen Tag zurückzögen, und mit Einbuße ihres geschäftlichen Vortheils Z ugniß ablegten für Gott, der diesen Tag der Ruhe als Zeichen seines Bundes eingesetzt hat. wie wäre das eine in alle Kreise der Menschheit tief hineinleuchtende Heiligung des Gottesnamens, vor der unsere Feinde beschämt die Waffen strecken müßten! Wenn unsere Feinde uns als eine Horde geldgieriger Shyloks in den Augen der öffentlichen Meinung zu brandmarken versuchten und uns den Sinn für Materielles und Sinnliches anzulügen wagten, unser Sabbat wäre unser Fürsprecher, von! einer Heiligkeit fiele ein verklärender Schein auf seine Verehrer, wir könnten ihm getrost unsere Ehrenrettung überlassen. Eine Gesammtheit, in der Groß und Klein, Hoch und Nieder, Gebildete und Ungebildete ein solches alle Woche sich wiederholendes, beständiges Opfer brächten, deren einzelne Glieder lieber entbehren und darben, als daß sie das Bundes-Zeichen ihres Gottes entweihen, als daß sie ihren Idealen die Treue brechen, eine solche G'sammtheit ist der Niederträchtigkeit nicht fähig, deren sie ihre Verleumder bezichtigen; der Sabbat wäre ihr Für. sprechet. Dasselbe ist bei jeder einzelnen Mizwah der Fall, die wir üben, und bet jeder Awera, die wir meiden. Das Bundeszetchen an unterem Körper und die Beherzigung seiner unablässigen Mahnung an den stttenreinen Lebenswandel seiner Träger, zeugte für unsere Sittlichkeit, Tefilltn am Arme und Tefilltn auf dem Haupte, constalirte die Unterordnung unserer Thaten und unseres Geistes unter den Willen Gottes, die stillen Mahner an den Ecken unserer Gewänder. welche uns fortwährend warnen, nicht demjenigen nachzuhängen, was das Herz gelüstet und was den Blick bestrickt, schützten uns gegen den Vorwurf der Hinneigung zum Sinnlichen und Materiellen, und der Gottesname an unseren Thüren, zeigte unser Haus nicht unter dem Schutz, den Geld und Gut gewährt, sondern unter den Schirm desjenigen gestellt n *idxp, der seiner Welt, sein „Genug" zuruft. Und der treuen, hingebenden Erfüllung aller dieser und ähnlicher Pflichten, sollten wir uns zu schämen haben und ihre Vernachlässigung wirklich mit Rücksichten auf unsere Umgebung beschönigen zu können? Ist nicht das Gegentheil der Fall? Gibt es einen lauteren, einen gefährlicheren Ankläger für uns, als die geringschätzige Gleichgiltigkeit, welche wir der practischen Verwirklichung unseres Religionsgesetzes entgegenbringen? Werden unsere Feinde, wenn sie sehen, wie uns unsere heiligsten Heiligthümer nicht mehr heilig sind, nicht daraus Waffen zum Angriff gegen uns schmieden können? Haben sie es nicht schon gethan und thun sie es nicht täglich? Wir schlagen es nicht hoch an, wenn unsere Verlästerer behaupten, ihr Kampf gelte nicht dem orthodoxen, seinem Religionsgesctze treu anhangenden Inden, sondern nur denjenigen, die mit Verleugnung ihrer Religion, auch jede Scham und jede Rücksicht im gesellschaftlichen Verkehr abgelegt haben, weil diese Behauptung eben von einer Seite ausgeht, die von Lug und Trug ihr ganzes Dasein fristet und die auch thatsächlich in der Praxis keinen Unterschied zwischen dem gesetzestrenen und gesetzeshöhnendcn Juden kennt. Bedenklicher kann uns aber dieselbe Behauptung im Munde wahrhaft gebildeter, humaner Freunde unseres Volkes machen, auf welche au dieser Stelle schon wiederholt hingewiesen wurde. Da liegt uns neuerdings das „Politische Jahrbuch der Schweizerischen Eidesgenossenschaft" von Prof. Dr. Hilty in Bern, Jahrgang 1892 vor, das eine ausgezeichnete von Gerechtigkeitssinn und sympathischem Interesse für Juden und Judenthum getragene Abhandlung über die Schweizerische Schächtfrage enthält. Daselbst werden die verschiedenen Klaffen von Leuten aufgezählt, aus welchen sich die Gegner des Schächtens rekruttren und es heißt dabei wörtlich: „Die andere Klasse sind die Feinde der „Juden überhaupt, entweder aus Nachahmung „des Antisemitismus, der auch bei uns Anhänger „findet, meistentheils aber deßhalb, weil ihnen „die Juden wegen ihres sonstigen Gebahrens, „gewiß nicht wegen ihres Schächten«, antipathisch „sind.

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