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Der Israelit · 1893-04-20 · Heft 32 (20.4.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 32 (20.4.1893)
Date
1893-04-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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607 Handlung folgende Räubergeschichte zum Besten: Er habe die Artikel nicht selbst verfaßt, sondern diese von einem Manne zugeschickt erhalten, besten Namen er nicht nennen könne, da er sein Ehrenwort gegeben habe, ihn zu verschweigen. Der Mann sei ihm von einem Freunde als ein höherer Beamter aus dem preußischen Justizministerium vorgestellt worden; er habe ihm auch volles Vertrauen geschenkt und ihn mit Geld nach Xanten geschickt. Der Mann habe ihm darauf die Berichte geschickt, die er (Dr. Bauer) im Vertrauen auf seinen Gewährsmann aufgenommen habe. Vor einigen Tagen habe er erst erfahren, daß dieser angebliche Beamte ein „Lockspitzel" ist, der „von der politischen Polizei dazu verwendet würde, um antisemitische Führer zu Unvorsichtigkeiten zu veranlaffen." Es werde diese Angelegenheit von einem antisemitischen Abgeordneten im Reichstag zum Gegenstand einer Anfrage gemacht werden- (Solche Räubergeschichten werden, weil sie allzu verbraucht sind, jetzt ja nicht einmal mehr von den Socialdemokraten vorgebracht.) Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß die in den genannten Artikeln den Behörden in Kleve gemachten schweren Vorwürfe völlig unbegründet sind. Dr. Erwin Bauer wurde, wie schon kurz gemeldet, wegen Beleidigung in vier Fällen zu 6 Wochen Gefängniß und 150 M. Geldstrafe, Schroot zu 320 M. Geldstrafe verurtheilt. Hambnrg. (EinOpferruss. Barbarei!) „Wenn jemals das traurige Schicksal eines Menschen geeignet ist, das Mitgefühl edler Herzen zu erregen, so ist es dasjenige unseres früheren Amtsgenossen und Vorsitzenden , des Herrn S a l o m o n Eckerling. Von dem Gipfel menschlicher Glückseligkeit — da er wohlhabender Besitzer einer umfangreichen , mehrere hundert Arbeiter beschäftigenden Fabrik, glücklicher Gatte, Vater von blühenden Kindern war — ist er hinabgestürzt worden in einen Abgrund unermeßlichen Jammers. Bei den Judenverfolgungen in unserer Stadt stürzten wilde, mord° und raubluftige Rotten auf seine Besitzung, plünderten und zerstörten alles, steckten die Gebäude in Brand, in deren Flammen sein greiser Vater und zwei Kinder den Tod fanden, hierauf wurde seine Gattin vor seinen Augen grauenhaft gemißhandelt, er selbst verstümmelt, so daß er nicht nur gänzlich erwerbsunfähig, sondern auch an Sprach- und Gesichtsorgan arg geschädigt worden ist. Um die Seinen trauernd, die eines entsetzlichen Todes starben, seines behaglichen Wohlstandes, zum Theil auch der Sprache und des Sehvermögens beraubt und daher unfähig zu erwerben und zu sprechen, mußte er die rauchende Trümmerstätte seines Glückes verlassen, begleitet von seiner entsetzlich verstümmelten Gattin und den weinenden Kindern und so ist diese unglückliche Familie, von der Wucht eines grauenvollen Schicksals niedergeschmcttert, zur Fristung ihres Daseins auf die Mildthätigkeit edler Glaubensgenossen angewiesen. „Wessen Auge könnte thränenlos, wessen Herz ungerührt bleiben bei dem Hinblick auf solchen Jammer, dem eine glückliche, hochachtbare Familie anheimgefallen ist? Daher bedarf es wohl kaum vieler Worte, unsere Glaubensgenossen zu theilnehmender Hilfe für den schwer heimgesuchten Mann zu bewegen, um wenigstens die bittere Roth von ihm und den beklagenswerthen Seinigen fern zu halten und den Schmerz, um das verlorene Glück einigermaßen zu lindern. Des Barmherzigen wird sich auch der Allbarmherzige erbarmen und tausendfach lohnen, was dem Unglücklichen gespendet wird. Balta am 23. Juni 1892. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Balta. Abraham Rabbinowicz." (Folgen die bestätigenden Unterschriften vieler Rabbiner aus allen Gegenden Deutschlands.) Trotz des auffällig eleganten Styles des Documentes und des deutschen Stempels der ruff. Gemeinde, beschloß ich durch Bildung eines Comitäs hier in Hamburg dem Bedauernswerthen den Rest seines Lebens sicher zu stellen. Nach Rücksprache mit führenden Herren der hiesigen Gemeinde übernahm ich es, vordem festzustellen, ob die Angaben des Herrn auch der Wahrheit entsprächen. Ein Kreuzverhör brachte heraus, daß sämmtliche von ihm mündlich genannten Referenzen und Wohlthäter todt, Abraham Rabbinowicz nach Palästina ausgewandert und die Gemeinde in Balta aufgelöst sei. Da seine Angaben außerordentlich mit theils frechen, theils eine fürchterliche Unkenntniß verrathenden Behauptungen gepfeffert waren, war für mich kein Zweifel mehr daran, daß ich es mit einem Schwindler zu thun hatte. Ich wies deßhalb eine Verwendung für ihn ab und beschloß, bevor ich weitere Schritte thäte, der Gemeinde in Balta zu schreiben. Inzwischen schnorrte Herr Eckerling in Hamburg lustig weiter. Nachdem von der angeblich aufgelösten Gemeinde in Balta die Depesche: „Weder Eckerlina noch Rabbinowicz bekannt, RabbinerBassyn" eingelroffen war, wurde der Patron bei einer bekannten Firma von drei anderen Herren und mir inguirirt. Trotz heiligster Eide, die Wahrheit zu sagen, versuchte er uns erst zu belügen, mußte aber schließlich mit der Wahrheit heraus. Danach und nach Ausweis seines regelrecht von den österr. Behörden ausgestellten Passes vom 16. April 91 auf 3 Jahre für Deutschland und England ist er Salomo n Eck erlin g ausHorodeska inösterr. Galizien. Alles, was er früher erzählte, war erlogen: Das Attest Rabbinowicz eine „Phantasiefälschung", weder Vater noch Kinder kamen je in Flammen um, der Patron war nie in Balta, Heidelberg noch Fabrikant oder für Sibirien bestimmt u. s. w. Es ist ein gemeingefährlicher Schwindler, welcher, das Unglück seiner Glaubensgenossen ausbeutend, Deutschland brandschatzte und nach Ausweis seines Paffes

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