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Der Israelit · 1893-04-20 · Heft 32 (20.4.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 32 (20.4.1893)
Date
1893-04-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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606 zugsssuellen vor. Kosten, die außer den Bereich des Hoteliers fallen, trägt die Freie Vereinigung. Es sollen zu diesem EomitL womöglichst Rabbinen genommen werden, die in der Nähe von Badeorten wohnen und die bereit sind hie und da das betr. Hotel zu inspiciren. Diesen Vorschlag unterbreite ich hiermit den jüdischen Glaubensbrüdern, denen es Ernst um die heilige Sache ist, in erster Linie aber dem Vorstande der „Freien Vereinigung" zu Frankfurt a. M. Es ist unsere Aufgabe Klarheit zu schaffen, wir dürfen weder uns selbst noch Andere täuschen, wir müssen es den am heiligen Glauben unserer Väter Hangenden bequem machen uno den Gleichgilttgen Gelegenheit zur Beobachtung unserer heiligen Speisegesetze bieten. Nicht die Interessen der einzelnen Gemeinden allein sind es, denen wir uns weihen sollen, sondern das Wohl der Gesammtheit muß uns ebenso warm am Herzen liegen. Sollte mein Vorschlag auf fruchtbaren Boden fallen, dann werden die segensreichen Früchte nicht ausbleiben. Die Vorgänge in Kolin. Kolin, 15. April. In den Ortschaften Velin und Ovacar bet Kolin wurden gestern den Juden die Fenster cingeschlagen, in Kolin selbst ist Alles ruhig. Wie nachträglich berichtet wird, wohnten der Obduction der Leiche der Selbstmörderin Marte Kavlina auch deren Vater und die in Ooacar wohnhafte Tante des Mädchens bei, auf deren Weisung dieses einen Dienstposten antreten mußte. Angesichts der Leiche rief der Vater der Tante zu: „An dem ganzen Unglücke bist du schuld!" Auf diese Worte fiel die Frau in Ohnmacht. Die Boycottirung der jüdischen Geschäftsleute wird noch immer offen betrieben. Prag, 15. April. Hlas Naroda meldet, daß seitens des Corpscommandos von Josephstadt die Verfügung getroffen worden sei, daß das nach Kolin dirigirte Militär über den ersten Mai dort zu verbleiben habe. Prag. 17. April. In Kolin wird die Hetze gegen die Juden auf die Deutschen ausgedehnt. Vier Personen, welche die deutschen Kommandoworte eines Offiziers verhöhnten, wurden verhaftet. Die Dörfer in der Umgebung sind derartig aufgehetzt, daß die Juden mit Zurücklassung ihrer Habe flüchteten. Die Juden in Pardubitz und Czaslau baten um militärische Hilfe. Zeiturrgsuachrichte« und Correfpoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 15. April. Bekanntlich erhoben in der letzten Reichslagssitzung vor Ostern Liebermann v. Sonnenberg und Stöcker gegen den verstorbenen Stadlrath Magnus den Vorwurf, er habe 1880 fälschlich als Aeußerung des damaligen Kronprinzen verbreitet, daß die Judenhetze eine Schmach für Deutschland sei. Stöcker wies alle Zeugnisse darüber zurück, weil sie alle auf den Juden Magnus zurückzuführen seien. Allerdings hob schon damals der freisinnige Schmid (Elberfeld) hervor, daß ihm gegenüber Forckenbeck jene Aeußerung bestätigt habe, und zwar nicht nur auf das Zeugnitz Magnus', sondern auch des verstorbenen damaligen Kammerherrn des Kronprinzen, Freiherrn v. Normann. Nunmehr haben, wie die Freisinnige Zeitung meldet, die drei Söhne Magnus, Rudolph Magnus, Professor Paul Magnus, der bekannte Botaniker, und Dr. zur. Ernst Magnus, dem Reichstags-Präsidenten v. Levetzow Erklärungen zum Beweise für die Wahrheit der Aeuherungen ihres Vaters mitgetheilt. Der frühere Minister v. Stosch bezeugt unter dem 27. März 1893, daß Herr Magnus unmittelbar nach der Sitzung der Victoria-National-Jnvalidenstiftung im Jahre 1880 ihm jenen Ausspruch mitgetheilt habe. Minister v. Stosch schreibt: „Ich weiß, daß das geäußerte Urtheil durchaus den Ansichten weiland Sr. Majestät Kaiser Friedrich III. entsprach, und ich kann hinzufügen, daß in mannigfachen Unterredungen, welche ich mit meinem langjährigen Freunde, dem damaligen Kammerherrn v. Normann, gerade über diese Sache gepflogen, die questionirte Aeußerung, als von Sr. kaiserlichen Hoheit gemacht, nie in Zweifel stand." Ferner bezeugt Dr. Moriz Gumbinner notariell, daß er als Zeuge jener Unterredung beigewohnt, habe, und daß der Kronprinz hiebei die Worte gebrauchte er habe, während seiner Anwesenheit im Auslande dort von den hi'sigen Vorgängen Kenntniß genommen und sich der Scham nicht erwehren können. Nach Schluß der Versammlung hätten ihm Stadtrath Magnus und Geheimer Ober- Regierungsrath Wulfsheim den vollständigen Inhalt des betreffenden Gesprächs mitgetheilt mit der Verpflichtung, über die Vorgänge nichts an die Oeffentlichkeit zu bringen. Die ohne sein Zuthun in der National-Zeitung damals stattgehabte Veröffentlichung habe den ihm gemachten Miltheilungen und seinen persönlichen Wahrnehmungen entsprochen. Ferner bestätigt G. v. Bunsen aus Rom unterm 3. April 1893 den Inhalt eines von ihm am 20. Juni 1880 an den Stadtrath Magnus gerichteten Briefes folgenden Inhaltes: „Die Kronprinzessin nahm die Gelegenheit wahr, von der „Judenhetze" und der „schönen Geduld" zu reden, welche die Juden an den Tag gelegt haben. Im Laufe dieses Gespräches habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht, ein Lesstng- Denkmal zu errichten, erzählt. Auf meine Aeußerung, daß gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein scheine, wo gar Mancher sich freuen würde, seine Gesinnung zu bekunden und damit einer ebenso frechen als unerwarteten Agitation entgegenzmreten, ging sie lebhaft bejahend ein. Ich hoffe, daß man weiß, wie scharf und entschieden der Kronprinz und ich sie mißbilligen." Leipzig, 13. April. In den Monaten Januar und Februar vorigen Jahres war in der hiesigen „Neuen deutschen Zeitung", dem Organ der antisemitischen Partei, eine Reihe von Artikeln über den „Fall Buschhoff" erschienen, die sehr schwere Beleidigungen des Ersten Staatsanwalts Baumgart in Kleve enthielten. Auf gestellten Strafantrag wurde gegen den verantwortlichen Redacteur der genannten Zeitung, Schroot, und den Besitzer Dr. Erwin Bauer, der die Aufnahme der Artikel veranlaßt hatte, Anklage wegen Beleidigung erhoben. Dr. Erwin Bauer gab in der Hauptver-

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