Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 32 (20.4.1893)
- Date
- 1893-04-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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608 vorhatte, das Geschäft in England fortzusetzen. Da wir unter seinen uns überlassenen Schwtndelpapieren auch von ihm herrührende flotte handschriftliche Aufzeichnungen fanden, so bin ich der Ueberzeugung, daß auch sein „nervöses Zittern der Hände und die abgeschnittene Zunge" — er zeigte trotz allen Drängen nie mehr wie die Mundöffnung — trotz der ärztlichen „Atteste" simultrt waren; führte sein Paß unter besonderen Kennzeichen doch nur das blinde Auge an. Angestellte Nachforschungen ergaben, daß man beim Baltaer Krawall von 1882 weder Menschen ins Feuer geworfen, noch Zungen abgeschnitten habe, kein deutsches Gemeindejiegel existire u. s. w. Wenn diese Zeilen in erster Linie den Zweck verfolgen, meine Glaubensgenossen vor dem Eckerltng zu warnen und sie zu ersuchen, den Patron, falls er sich erfrechen sollte, sein Handwerk weiter zu betreiben, polizeilich zu belangen — die zuständige Staatanwaltschaft ist von uns benachrichtigt, — so möchte ich in zweiter Linie doch darauf Hinweisen, in welcher Weise solchen Schwindlern durch das immer mehr um sich greifende Empfehlnngssystem beamteter Herren das „Geschäfl" erleichtert wird. Die in meinen Händen befindlichen Empfehlungsschreiben wissen — in allen möglichen Variation natürlich — ganz genau, daß der Patron ein frommer 2c. Fabrikant aus Balta sei, dem Vater und Kinder in den Flammen umkamen, und so nach Phantasie weiter. Da die Form derselben den Gedanken an eine Fälschung schwer aufkommen läßt — eintretenden Falles wolle der betreffende Herr mich davon benachrichtigen — so ist es zum Erstaunen, daß die Betreffenden häufig alles so genau, als wären sie dabet gewesen, wußten und daß sie so schnell auf die Lügen eines so leicht zu durchschauenden Schwindlers hineinfielen. Es wäre im Interesse derjenigen gehandelt, welche wirklich bedürftig sind, wenn beamtete und private Juden sich in der Ertheilung von Empfehlungen etwas zurückhaltender zeigen würden. D. Münden. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Urrg.-Brod. Unser Rabb., Herr Dr. Jung wird demnächst dahier eine höhere jüd. Anstalt errichten, in der man Thorakenntnisse im Verein mit profanem Wissen unterrichten wird und in der die Jugend in streng orthodoxem Sinne erzogen werden soll. Bereits ist hierzu die Genehmigung der Behörden eingetroffen. Auch soll eine ro’ff’ gegründet werden. Wir wünschen Herrn Dr. Jung die besten Erfolge zu diesen wichtigen nothwendigen Unternehmungen. Italien. Rom, 10. April. Unser erlauchtes Königspaar feiert binnen wenigen Tagen das Fest seiner silbernen Hochzeit und bereiten sich auch die Juden Italiens schon vor, an diesem Familienfeste ihres Herrscherpaares würdig theilzunehmen. König Humbert und seine erlauchte Gemahlin, die eben so edle wie schöne Margaretha, verdienen es auch, daß an ihrem Freudentage auch die Söhne Jacob's mit ihren Herzenswünschen und patriotischen Gaben sich einstellen, da Beide in ihren jüdischen Untertanen ebenso gute Italiener sehen, wie in ihren anderen Landeskindern; sie zeichnen auch dieselben durch ihre Gnade und Huld aus. Italien ist heute beinahe das einzige europäische Land, wo man das Wort Antisemitismus nicht einmal dem Namen nach kennt und der Jude kann hier, unbekümmert um seinen Glauben, die höchsten Ehrenstufen in der Staatsverwaltung und in der Armee erklimmen. Ein Drumont ist in Italien gar nicht denkbar und ein Ahlwardt, ein Böckel und ein Schönerer würden diesseits der Alpen sogleich in ein Irrenhaus gesteckt werden, falls sie sich mit ihren wahnwitzigen Theorien und Lehren ans Tageslicht wagen sollten. In Italien gibt es jüdische Senatoren und jüdische Deputirte, jüdische Statthalter (Präfecten) und jüdische Generäle und Keiner wagt es, denselben ihren Glauben zum Vorwurfe zu machen oder deren Race zu verunglimpfen. Ja, die Königin dieses Landes verschmäht es nicht, die hebräische Sprache zu erlernen, damit auch sie das Buch der Bücher'in ihrer Ursprache lesen könne. In allen Städten unseres Landes rüsten sich daher die jüdischen Gemeinden, um diesen Tag durch irgend eine patriotische That, durch irgend ein humanes Werk zu verherrlichen. Hier in Rom haben die Juden eine Subscription eröffnet, um an diesem Tage allen Armen der Stadt ohne Unterschied der Confession ein gutes Mittagessen anbieten zu können, und soll denselben auch gestattet werden, Teller und Eßzeug mit sich hetmzunehmen. Man rechnet darauf, daß zwanzigtausend Arme an diesem öffentlichen Mittagstische theilnehmen werden. Mögen nun König Humbert und König Margaretha einst noch ihre goldene Hochzeit feiern und möge ihre Dynastie für ewig auf Italiens Thron sitzen, rvote oen ndu ^>yo »’n Dr6 my *6 .n'N' D'D'ivi rvnis bu ny ny kh*3«d Türkei. Bagdad, im März. In Europa wird man es gewiß mit Freuden vernehmen, daß sich nun auch unter den Juden Bagdads ein schöpferischer Geist zu regen beginnt, und daß auch sie nun bestrebt sind, die modernen Verkehrsmittel am Tigris einzubürgern, um so sich und ihren Mitbürgern in gleicher Weise zu nützen. Wie unser arabisches Amtsblatt „Zaurah" meldet, haben die beiden hiesigen jüdischen Banquiers, Menachem Effendi und