Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 32 (20.4.1893)
- Date
- 1893-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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602 --m- 1 -wnu w-.igaaBWByw Ländische Jude bei seinem Eintreffen in Rom aufsucht, ist der Triumphbogen des Titus. Am östlichen Eingang finden wir zwei große Kreuze. Das ist das charakteristische Kennzeichen Roms, daß wir hier überall neben dem Heidnischen auch dem Christlichen begegnen. Des Weiteren wird die Engelsburg und die Peterskirche geschildert. Am westlichen Eingang der Engelsburg mußten sich in alter Zeit die Juden mit ihren Gesetzesrollen aufstellen, um dem neuerwählten Papste ihre Huldigungen darzubringen und von ihm die Erlaubniß zur Ausübung ihrer Religion zu erlangen. Es war am 20. September des Jahres 1870, als endlich nach Jahrhunderte langer Knechtschaft den Juden mit der Einigung Italiens die Stunde der Befreiung schlug. Am Schluffe seines Vortrages forderte Redner die Anwesenden auf, sich von der Wahrheit des Vorgetragenen durch eigene Anschauung zu überzeugen. — Lebhafter Beifall lohnte dem Redner für seine interessanten, belehrenden Ausführungen. A. M. > Vermischtes. «4- Berlin Die Religionsschule der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adaß Israel) wurde im verflossenen Schuljahre, von 476 Kindern (336 Knaben und 140 Mädchen) besucht. An derselben wirken gegenwärtig 15 Lehrer und 2 Lehrerinnen. New Bork. (Amerikanische Zustände.) Wir lesen in der „SlaatS-Zeitg.": Rabbiner Rosenberg läßt mit sich handeln. Der wegen Genuffes von Schweinefleisch entlassene Rabbiner der Gemeinde „Beth Jakob" Heymann D. Rosenberg, welcher die Synagoge auf Zahlung von d. 400 verklagte, die er als Gehalt angeblich zu fordern hatte, ließ sich gestern bereit finden, seine Klage zurückzuziehen, nachdem ihm d. 100 von dem Präsidenten der Gemeinde gezahlt worden waren. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Ein neuer Windstoß erschütterte das Haus bis auf die Grundmauern; Benjamin erschauerte und hüllte sich fester in die weichen Falten seines Schlafrockes. „Du sollst meine Sorge erfahren", sprach er, sich auf das Bett setzend; „schlafen kann man bei diesem 'Wetter doch nicht und Du hast ein Recht darauf, meine Sorge zu erfahren. Vielleicht ist es ein Gespenst, vor dem ich mich fürchte —" „Aber, Väterchen, Du bist ja doch sonst frei von Gespensterfurcht —" „Ja,;a, so lange die Gespenster Gespenster bleiben, fürchte ich dieselben nicht. Wenn sie aber wirkliche Gestalt annehmen, zu Körpern von Fleisch und Blut werden, dann heißt es vorsichtig sein, an Vertheidigung zu denken. Gespenster erschrecken nur und halten vor ruhigem Blick und einem guten Gewissen nicht Stand; verkörperte Gespenster jedoch begnügen sich nicht mit dem Erschrecken, sie verfolgen, zerstören, vernichten." „Und ein solches Gespenst fürchtest Du? Ich verstehe Dich nicht." „Komm' näher, meine Rahel," flüsterte Benjamin, „daß ich Dir das Gespenst, das mich schreckt, namhaft mache. Du weißt, daß ich im Allgemeinen den Dingen, die an mich herankommen, mit großer Ruhe entgegentrete. Diese Ruhe entspringt einem guten Gewissen und der festen Ueberzeugung, daß Gott unser Schicksal lenkt und daß alles, was sein heiliger Wille uns zuschickt, nur zu unserem eigenen Heile dient und wenn es uns auch noch so schwer dünkt, von uns ertragen werden muß. Mit dieser Ueberzeugung läßt sich alles ertragen, was das Schicksal uns auferlegt; mit dieser Ueberzeugung verließen unsere Väter ihr Vaterland und gingen in fernen fremden Ländern einer ungewissen, traurigen Zukunft entgegen; mit dieser Ueberzeugung betraten die Märtyrer unserer heiligen Religion den Scheiterhaufen und erduldeten den Martertod, um die Reinheit ihrer Seele zu erhalten, die Stärke ihres Glaubens zu beweisen. Verfolgung und Bedrückung, Roth und Elend, Jammer und Kummer kam über ihre Brüder und Schwestern — sie blieben sich selbst getreu, getreu dem Glauben ihrer Väter. Wie ist es heute mit unseren Glaubensgenossen in dieser Hinsicht bestellt? Wo ist die Glaubenstreue, die jene ausgezeichnet? Wo ist die Liebe, mit der Jene selbst die minutiösesten Vorschriften unserer Weisen erfüllt haben? — Sie ist entschwunden. Fremd stehen die Meisten ihrem Gotte, ihrer Religion gegenüber; Viele verstehen nicht mehr in unserer heiligen Sprache zu beten, können daher dem Gottesdienst im Gotteshaufe nicht folgen, sie begnügen sich damit, ihrem Herrgott alljährlich einmal am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage eine Staatsvisite zu machen und meinen damit zur Genüge bewiesen zu haben, daß sie dem Judenthume angehören. Eitle Thoren sind sie, die ihr besseres Selbst gegen Tand und Flitterschetn vertauscht haben." Von Neuem erschütterte ein Windstoß das Haus bis in seine Grundmauern; grelle, blendende Blitze erhellten die Nacht und furchtbar rollte der Donner. Klatschend schlug der Regen gegen die Fensterscheiben und fröstelnd lehnte Rahel sich an ihren Vater. „Siehst Du den Aufruhr der Elemente?" fragte dieser. „Wer vermöchte ihnen Widerstand