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Der Israelit · 1893-04-20 · Heft 32 (20.4.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 32 (20.4.1893)
Date
1893-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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601 des Jubilars gedachte, auf den kleinen Anfang und die schöne Entwicklung unseres Gemeindewesens liinwies und dabei die Eigenschaften des Jubilars trefflich beleuchtete, begab sich im Laufe des Tages die Vorstandschaft unserer Gemeinde in die Wohnung des H. Bender und überreichte demselben unter herzlichen Glückwünschen einen herrlichen Pokal. Eine Deputation früherer Schüler des Jubilars, welche — in Bethätigung ihrer Dankbarkeit und Verehrung — ihrem Lehrer ein sinniges Ehrengeschenk widmeten, übergab dasselbe nebst einer kunstvoll ausgestatteten Adresse. Aber auch die jetzigen Schüler ließen es sich nicht nehmen, den Ehrentag ihres Lehrers in würdiger Weise zu begehen, und so vereinigte Nachmittags den Jubilar, die Kollegen und die ganze Schule in der Aula unseres Schulhauses eine trefflich arrangirte Feier, welche unter Theilnahme der gesummten Gemeindeverwaltung glänzend verlief. Nach Gesängen, einer Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Marx und mehreren Ansprachen wurde dem Jubilar von den Kollegen ein prächtiger Lehnsessel, sowie sämmtliche Lehrbücher unserer Schule in Prachtband übergeben, als Zeichen bleibender Erinnerung an seine verdienstliche Wirksamkeit, sowie als Ausdruck des innigen Wunsches, dieselben noch lange im Dienste unserer heiligen Sache zu gebrauchen. Tief ergriffen dankte H. Bender allen, welche die Feier so verschönerten und seiner in so aufmerksamer Weise gedachten und versprach, unter des Allmächtigen Beistand auch fernerhin sein Bestes für Gemeinde und Schule einsetzen zu wollen. Dieser wackere Vorsatz entsprach dem Wunsche aller Fefttheilnchmer und der ganzen Gemeinde, welche durch diese erhebende Feier sich selbst wahrhaft ehrte und wieder aufs neue bewies, daß wahre Religiosität und Humanität, daß ynx *pn oy min in ihr getreulich gepflegt und würdig bethätigt werden. Hamburg. (Vom Arno bis zum Tiber.) lieber dieses Thema sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" Herr Rabbiner Dr. Stern Kiel. Einleitend bemerkte Redner, daß es sich hier um Bilder und subjective Eindrücke handle, wie er sie auf einer zweimaligen Reise nach Italien empfangen habe. In der Schule erfahren wir eher etwas von Romulus und Remus, als von Karl dem Großen und Friedrich dem Großen. Italien bildet das Ziel der Sehnsucht für den Katholiken, denn in der Hauptstadt des sonnigen Reiches thront das Oberhaupt der seiner mächtigen Kirche. Italien, ruft der Jude aus, und erinnert sich der Thatsache, daß dies Land das einzige ist, welches keine Judenverfolgung kennt und neben Frankreich und Nordamerika der einzige Staat ist, in welchen die Judenmancipation vollständig durchgeführt ist. Und welche Erfolge hat die vollständige Durchführung der Emancipation unter den italienischen Juden gezeitigt l Obgleich die Zahl der Juden nur 38,000 beträgt, also kaum so viel wie die Juden Berlins, finden wir doch dort die angesehensten Staatsbürger. Dort begegnet uns zuerst Luica Luzzatti, der jüdische Ftnanzminister und Professor des Staatsrechtes zu Padua, alsdann der Jude Giacomo Malvana, der Staatssecretär im Ministerium des Aeußern, welcher den Ausspruch gethan hat: „Unsere Religion verlangt und fordert, daß die Pflichten gegen das Vaterland nicht vor denen gegen die Religion zurückstehen." Ein weiterer hervorragender Jude ist das Mitglied des Senats, der bekanntlich ebenso, wie die Mitglieder des preußischen Herrenhauses, vom König ernannt wird, Isaak Arton, der einst die rechte Hand Cavour's gewesen. Alsdann finden wir dort den jüdischen Dichter Massarani, welcher im Jahre 1887 Italien am Grabe Viktor Hugo's vertrat, auch einen activen jüdischen General gibt es in diesem classischen Lande. Alle diese Persönlichkeiten lernte Redner theils persönlich kennen, theils hörte er von ihnen erzählen; der erste Eindruck, den er bei seiner Ankunft in Florenz empfing, war der einer Enttäuschung. Wie alle Deutschen, so hatte auch er sich Italien als das schönste Land des Südens vorgestellt, in welches man sich vor der rauhen Winterkkälte daheim geflüchtet hatte. Doch statt des südlich-warmen Klimas empfing ihn ein Schneegestöber und ein Winter, der um nur weniges unserm nordischen nachstand. Der Vortragende gibt alsdann eine Schilderung der Stadt Florenz und ihrer Sehenswürdigkeiten. Hier sei nur noch Einiges ans dem Leben der jüdischen Gemeinde hervorgehoben. Mitten in die Ghettostadt, welche jetzt der Vergangenheit angehört, ragt eine größere Reiterstatue Victor Emanuels hinein, als Zeichen gleichsam, daß auch die Juden in diesem großen König den Befreier aus ihrer mittelalterlichen Abgeschlossenheit und Verachtung verehren. Die im Jahre 1882 vollendete Synagoge, für deren Bau und Ausstattung nicht weniger als 1 Million Franken verwendet wurde, gehört mit zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der schönen Arnostadt. Die heilige Lade ist vollständig aus Marmor hergestellt und der Deckel aus lauterem Gold. Die jüdische Gemeinde in Florenz besteht nur aus 2100 Seelen, und es befinden sich unter denselben mehr als 60 Rechtsanwälte und über 20 Aerzte. Hier lernte Redner auch den berühmten jüdischen Geiger Prof. Consolo kennen. Der Vortragende geht alsdann zur Schilderung der Eindrücke, welche er in Rom empfangen, über. Das Erste, was der fremd-

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