Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 32 (20.4.1893)
- Date
- 1893-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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600 3 finden, ist gerade in solchen trüben Tagen ein neuer Beweis für die alte Wahrheit, daß die Thora ihre Jahrtausende bewährte Lebenskraft auch heute nicht eingebüßt hat, daß in der Ueberwindung aller Hinderniffe und Schwierigkeiten, die sich ihrer treuen Pflege entgegenstellen, schon an und für sich der schönste, reichste Himmelslohn liegt. •i? nmn -ov \b w miro nboy oki (Fortsetzung folgt.) ZeitrrrrgSrrachrichte« und Correfpoudeuzen. Deutschland. Mai«z. Unter den Glaubenssätzen des antisemitischen Bekenntnisses steht die Behauptung von der Existenz einer Judenpresse obenan. Zur Judenpresse zählt nicht nur jede Zeitung, die in ihrer Redaktion einen jüdischen Mitarbeiter beschäftigt, sondern auch jede, welche den Kreuzzug gegen die Juden als eine öffentliche Schmach bekämpft, oder auch sich nur darauf beschränkt, ihn nicht mitzumachen. Wenn nun irgend ein Organ dieser angeblichen Judenpresse irgend etwas Gereimtes oder Ungereimtes über das Christenthum und seine Institutionen enthält, so stellen diese antisemitischen Preßtrabanten ganz unverfroren das Verlangen, die Juden sollten dieser Expectoration öffentlich entgegentreten. Wenn sie das nicht thun, so ist der Beweis erbracht, daß alle mit jener Aeußerung einverstanden sind, und sie werden dafür verantwortlich gemacht. Ist aber ein Organ naiv genug, einmal auf diesen Leim zu gehen, und öffentlich zu erklären, daß es irgend eine Extravaganz nicht theilt -dann ist es bei den Antisemiten erst recht vom Regen in die Traufe gekommen. Das „Kleine Journal" in Berlin brachte zu Ostern einen Leitartikel, welcher die dem christlichen Osterfeste zu Grunde liegende Veranlassung, in einer Weise zurecht legte, an welcher die Kreuzzeitung, die Germania, der Weftphälische Merkur und wie die Blätter dieses Schlags sonst noch heißen, Anstoß nahmen. Darob großer Zeter und Mordio auf der ganzen Linie, über die jüdische Preßfrechheit und andere Liebenswürdigkeiten dieser Art. Umsonst ließ sich das „Kl. I." zu der weiteren Gemeinheit — in der Sprache der Germania — herbei, diese in einen späteren Artikel beruhigen zu wollen. Umsonst, denn die Germania und die Kreuzzeitung wollen ja gar nicht beruhigt sein, im Gegentheil sie sind froh eine so gute Gelegenheit erwischt zu haben, den Juden etwas oder vielmehr noch und abermals etwas anzuhängen. Wir aber hätten uns mit dieser Angelegenheit überhaupt nicht beschäftigt, wenn nicht von anderer befreundeter Seite der Versuch gemacht worden wäre, die wahre jüdische Anschauung gegen die des Kl. Journals zur Geltung zu bringen. Wie wenn die Germania aufgeklärt sein wollte! In ihrer Redaktion weiß man wohl, daß Toleranz gegenüber anderer Religionen ein jüdischer Grundsatz ist. Ihre Absicht ging nicht darauf, die Wahrheit zu erfahren, — wie vertrüge sich das mit ihrem waschechten Antisemitismus? — vielmehr darauf, die alte, ewig neue und zugkräftige Mähr von der Judenpresse wieder einmal ein bischen auszuschlachten. Wir hätten es daher von vornherein für das räthlichfte gehalten, das Kl. I. und die Germania ruhig einander Liebenswürdigkeiten sagen zu lassen, denn so wenig die Behauptungen des Kl. Journals als solche irgend eine Bedeutung für das Judenthum haben können, so sehr wäre es als ein wirkliches Wunder anzusehen, wie die Germania und dergl. Blätter von ihrem gewohnten Weg des mittelalterlichen Vorurtheils und Haffes gegen Andersgläubige je einmal abweichen. Das Merkmal eines allgemeinen Interesses für das Judenthum ist daher diesen und ähnlichen Vorgängen gänzlich abzusprechen. — Darmstadt. Wenn das langjährige erfolgreiche Wirken eines jüdischen Lehrers das ehrenvollste Zeugniß für das religiöse Leben und zielbewußte Handeln seiner Gemeinde ablegt, so trifft dies ganz besonders bei der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft zu, welche trotz der hier herrschenden, scharf ausgeprägten religiösen Gegensätze, trotz vielfacher Anfeindungen von anderer Seite, durch die Opfer freudigkeit und den tiefen religiösen Sinn ihrer Mitglieder, sowie durch den vortrefflichen Zustand ihrer Institutionen zu einer imposanten Gemeinde heranqewachsen und erstarkt ist. Verdient ja schon vom Standpunkte der Humanität und Pietät die im langjährigen Dienste erprobte Pflichttreue und Ausdauer eines Lehrers hohe Anerkennung. Aber um so verdienter »nd ehrenvoller gestaltet sich dieselbe, wenn des Lehrers Bemühungen keine vergeblichen waren, wenn in Schule und Gemeinde jüdisches Wissen gepflegt und gefördert wird, wenn das vor Jahrzehnten hier schwer gefährdete religiöse Leben Dank unserer Gemeinde sich immer mehr entwickelt hat und in erfreulicher Weise erstarkt ist. Diese Erwägung leitete die Mitglieder der israelitischen Religionsgesellschaft, als sie verflossenen nar rrötr 'd das 25jährige Dienstjubtläum des Lehrers H. A. Bender festlich begingen. Durch einmüthiges Zusammenwirken und gemeinsamen Wetteifer von Gemeinde und Rabbiner, Schüler und Kollegen gestaltete sich dasselbe äußerst glanzvoll. Nachdem S. Ehrwürden H. Rabbiner Dr. Marx schon beim Morgengottesdienst in wirkungsvoller Rede der Zeit des Amtsantrittes