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Der Israelit · 1893-04-17 · Heft 31 (17.4.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 31 (17.4.1893)
Date
1893-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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LSS ste hütet einen vor allem Bösen in der Jugend und gewährt Zukunft und Hoffnung im Alter." (Ldiä.) Dies war die Anschauung unserer sämmtlichen großen Weisen, an deren Mund wir noch heute hangen, daS war der Geist, den sie mit volle. Händen, durch Lehren und Beispiel in alle Schichten streuten. — Es ist in zahllosen Zügen und Aussprüchen medergelegt, von welchen wir einige wenige herausgreifen wollen. Von Rabbi Chija, der mit beispielloser Hingebung sein ganzes Leben der Erhaltung und Verbreitung der Thora widmete, ist uns die B lte erhalten, die er täglich seinem Gebete anfügte. Dieselbe lautete nach Talmud Berachoth Fol. l6d.: brn unaoix imin xnnc? 'x 'n -ps^o pxn \ro .irry Tarn’ ua^> nn» „Möge es Dein Wille sein Gott unser Gott, daß Deine Thora unser Beruf, unser Herz nicht siech und unser Blick nicht getrübt werd e." Wenn schon ein R. Chija sich täglich durch sein Gebet von Gotr die Kraft erbat, dre die Thora als Lebcnsberuf erfordert, so darf man daraus schließen, daß es nicht erst seit heute und gestern schwer ist diese Anford rung zu beherzigen und ihr gerecht zu werden. Ja vielleicht waren in Rabbi Cdijas Tagen die Erscheinungen der Zeck noch mehr geeignet, Muthlosigkeit und Siechthum zu rechiferttgen und den klaren, auf das vorgesteckie Hochziel gerichteten Blick noch mehr zu verwirren und zu trüben, als dies heute der Fall ist. Wenn wir uns in Klagen über das Schwinden des Thorageistes ergehen, wie es sich vor unseren Augen in unserer Zeit vollzieht, so sind wir doch leicht geneigt daiüber zu vergtffen, daß es schon trostlosere Zeit für unsere Thora gegeben hat, deren Verfall dann allerdings durch die Thatengröße eines R. Chija abgewendet und in sein Gegentheil umgewandelt wuide. Daß sich ein Rabbi Chija nicht durch die trostlosen Zustände seiner Zeit muthlos und sich nicht durch die entgegenstehenden Hindernisse den Geistesblick trüben und sich so hindern ließ, seinem Lebevsprinzip durch Wort und That den endlichen Erfolg abzuringen, das sind die X'Ti ’tpyo D^>ru, die Großthaten Chijas, mit deren Anerkennung die hervorragenden Zeitgenossen R. Chijas Größe feierten. (Vcrgl. Talmud Kelhuboth Fol. 23.) Daß aber selbst in jenen Zeiten, in welchen das Studium der Thora in höchster Blüthe stand, man die Verwirklichung dieses Ideals den Thoraberuf höher als den Geschäftsberuf zu stellen, nicht bei sich, sondern bei längst dahin gegangenen Generationen suchte, ist uns ebenfalls nicht verschwiegen. xniro *an dupo pro’ 'an nox run na na nan nox D’jnnxn nmn o'r»xnn nnna xto nxm xa »y^x ’ana ,no”pm m u "xny "9’y innin vey rojirxnn rvnn t*b in 1? »xny jnn'ro yap inaxpo wyv o’jnnxn p'a .pra nD”pnj „Rabba bar bar Chana sagte von Rabbi Jochanan im Namen des Rabbi Jehuda den J.al: Sieh' wie die früheren Generationen nicht den spätere» gleichen. Bel den früh ren, welche die Thora zur Hauptsache und ihr Geschäft zur Nebensache machten, halte Beides B stand. Bei den späleren Zeiten, die ihr G schäsl als Hauptsache und die Thora als Nebensache behandelten, haben beide keine» testen Halt." (Talmud Berachoth Fol. 35 d.) Wurde dt seS Ideal auch allgemein niemals vollständig erreicht, so schwebte es doch allen vor und fand jederzeit in den edelsten Leitern und Führern der Gesammtheit seine Verkörperung. Nur unter dem Lebensregrme, das dieses Ideal vorauSsetzt, ist das heldenmätzrge Martyrium sondergleichen zu erklären, mit welchem das jüdische Volk seine irdischen Güter jederzeit willig hmgab, um seine geistigen zu retten. Das Volk, dem man den Schachergeist und K-ämersinn par excellence andichtet, hat doch, wie kein anderes, Jahrtausende hindurch gezeugt und bezeugt, G. sei Dank bis zu dieser Stunde noch, daß ihm Geld und Gut nicht das Höchste ist. Wohl hatte sich eine ganze Welt gegen dasselbe verschworen, hat ihm alle redlichen Wege zum Erwerb abgeschnitten und es dem Handel und Schacher überantwortet, daß es sich aber trotz dieser Verkümmerung der primitivsten Menschenrechte, einen regen Smn, ein empsängltches Gemüth für alles Edle und Höhere bewahrt hat, verdankt es seiner Thora und der Befolgung jener Mahnung: nnna piDy} poya öyoo nn. Indem sie ihre Ku.der der Thora zuführten und mit ängstlicher Sorgfalt darüber wachten, daß sie vor allem anderen sich das geistige Bärererbe unverlierbar anetgneten, waren ste die einzigen, die ihre Kinder nicht in erster Reihe für den Broderwerb erzogen, sondern den Sinn für Ideales und Höheres weckten und förderten. Mit ihrer Thora, die sie Kindern beibrachten, konnten dieselben keine irdischen Güter erstreben. Sie waren sich im Gegentheil bewußt, daß die Erziehung für die Thora und die treue Erfüllung ihrer Satzungen den schmalen, dornenvollen Lebensweg ihnen noch erschwerte, indem ste dieselben mrt dem Gerste durchdrangen, der bet der nichijüdischen Umgebung den meisten Anstoß hervorrief. Und wenn heute noch, nachdem dle Schranken gefallen und die Fesseln gesprengt sind, die uns an dem freien Gebrauch unserer Geistesgaben hinderten, die Söhne des jüdischen Stammes wahrlich nicht die letzten sind, wo es sich um den

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