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Der Israelit · 1893-04-17 · Heft 31 (17.4.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 31 (17.4.1893)
Date
1893-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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582 soll?" So lautet die Frage, die erklärlich und berechtigt ist, wenn Geschäfte zu machen und Geld zu verdienen wirklich unser Beruf d. h. dasjenige find, wozu wir eigentlich berufen sind. Aber es gehört doch nicht viel Scharfsinn dazu, daß das Leben, nicht aber die Mittel zum Leben und die Art und Weise ihrer Beschaffung dasjenige ausmachen, wozu wir berufen sind. Das, was wir mit dem täuschenden Namen Beruf nennen, ist doch etwas Aeußeres, Zufälliges, das w i r gewählt, wozu wir oder unsere Umgebung uns berufen haben, das aber mit nichten unseren wahren eigentlichen Beruf ausmacht zu dem Gott uns berufen und wofür wir ins Dasein gerufen worden sind. Dieser einzige, ewige, für Alle gleiche Beruf, zu dem der Vater der Menschheit jede jüdische Seele ins Dasein gerufen, ihn faßt die jüdische Sitte in die drei Worte zusammen, mit welchen sie den Eintritt des neugeborenen Kindes in den Abrahamsbund feiert, wenn die Freunde den Eltern des Kindes wünschen, ihr Kind zu erziehen: v'Iiv D-ffyo^i nnnb für die Thora, für die Gründung eines eigenen Hauffs und für die Vollbringung guter Werke. — Das ist und bleibt unser einziger, eigentlicher Beruf. Das, was wir Beruf nennen, ist nichts, als der äußere Behelf, diesen unseren wahrhaften Beruf voll und treu zu erfüllen. Diese Voraussetzungen, so selbstverständlich sie auch auf dem Boden der jüdischen Welt- und Lebensanichauung sind, haben in unserer Zeit eine solche Trübung und Verkennung erfahren, daß man an sie erst erinnern muß, um der Mahnung: mm:) piDyi pDyn vyvv in „Schränke dein Geschäft ein und befaffe dich mit der Thora", die gebührende Würdigung zu sichern. Ist unser Geichäft wirklich unser Beruf, dann ist's in der Thal unbegreifl che, unverzeihliche Thorhert. von einer Einschränkung ds Geschäfts zu Gunsten der Thora zu sprechen. Aber so haben es die Träger unserer großen Vergangenheit nicht verstanden, die auf ihre äußere sociale Stellung nur sehr geringen Werth legten, denen kein Gewerbe, wenn es nur redlich seinen Herrn ernährte, zu niedrig war, um es zu ergreifen und davon ihr und ihrer Familie Dasein zu fristen. Hoch vor allen ragt unter ihnen Rabbi Merr selber hervor, der, wie wir es im vorangehenden Spruch des R. Jonathan constatirten, ebenfalls diese seine Mahnung durch die That seines Lebens besiegelte. Rabbi Miir, der unter seinen Ze tgenossen durch seinen ungewöhnlichen Scharfsinn und seine große Gelehrsamkelt sich auszerchnete, wäre es gewiß leicht gefallen, durch seine glänzende Geistesgaben sich eine entsprechend glänzende Lebensstellung zu erringen. Und wovon lebte R. Meir und wie lebte er? Er war — Schreiber. Wie er die Bedürfnisse des Lebens befriedigte, wie er der Sorge um die Zukunft seiner Familie Rechnung trug, darüber wird uns ein Zug aus seinem Leben im Midrasch Koheleih Rabbah aufbewahrt. nbn yb 'in .nnaio :jlj pro mn tnö DJ^Söl NT1D 'D3DC1 Nim Tin .11711 PDP T;y n» no yn '-> 'nno^n rv^> jnox paib Nnnmx n^i nn iDNi Ninnr crpn» pin p idn jin’by rriD ’jx no inp dni dhV ffpno iymi myj pna »rvto rvrv DDnn ynv ’Di nMo nc« p^> nrpon ’zrii*^ pn .121 1» „Rabbi Mtlr war ein ausgezeichnet guter Schreiber und verdiente jede Woche drei Selalm (1 Sela — 1 Thaler). Für einen aß und trank er, für einen kleidete er sich und für den anderen ernährte er Gelehrte. Seine Schüler fragten ihn: Meister, was wirst du für deine Kinder thun? Er antwortete ihnen: Werden sie Gerechte sein, so wird es ihnen ergehen, wie David gesagt hat: Ich habe noch keinen Gerechten verlassen gesehen und seine Nachkommen Brod verlangen. Wenn aber nicht, was sollte ich dann das Meinige Feinden Gottes hinterlassen?" Wie Rabbi Meir bestrebt war, diese seine Anschauung nun auch seinen Kindern zu vererben, damit sie würdige Nachkommen ihres Vaters seien, darüber belehren uns andere Aussprüche von ihm, welche eigentlich die Ergänzung und Ausführung des uns hier beschäftigenden Satzes bilden. Rabbi M»ir lehrt: „Immer lerne man seinen Sohn eine reinliche, leichte Profession und erbitte das Erbarmen dessen, der allein allen Reichthum und Vermögen besitzt: Denn die Armuth hängt nicht von der Profession ab und der Reichthum hängt nicht von der Profession ab, sondern von dem, dem aller Reichlhum gehört, denn so ist es gesagt: „Mir ist das Silber und mir ist das Gold, spricht Gott Zebaoth." (Chaggt II, 8.) (Talmud Kidduschin, Fol. 82). Das war R. Mt'irs Princlp für die Erziehung im Allgemeinen. Für die Erziehung seines eigenen Kindes ging er aber noch einen Schritt weiter, wie uns ein anderer Ausspruch lehrt. Rabbi Nehorat (ein anderer Name Rabbi Mc'trs) sagte: „Ich lasse alle Professionen der Welt liegen und lerne mein Kind nur Thora, denn von ihrem Lohn genießt man in dieser Welt und ihr Hauptertrag verbleibt für die künftige Welt. Bei allen sonstigen Professionen ist dies nicht der Fall. Gerälh Jemand in Krankheit, Alter oder Leiden und kann sich nicht mehr mit seiner Arbeit befassen, so kann er Hungers sterben. Nickt so die Thora,

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