Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 31 (17.4.1893)
- Date
- 1893-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- ' ■' “T"'!’^^rr'Vwt XXX1T. Za-riang. 31. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodore Judenlhum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 17. April 5653 (1893). Leitende Artikel. Sprüche der Wäter. Viertes Buch. LIX. Mainz, 16. April. »im miro faw pvp2 tsyoö »in tdw yt*o »dt d’Vöd i? vr minn 70 ^02 dni dtn bj »jbd nn bw ."jb ]n^ riDin i2kr )b tr mira nVoy dki *]Tjjd nD^n Rabbi Me'tr lehrt: „Schränke dich im Geschäft ein und beschäftige dich mit der Thora und sei bescheidenen Sinnes allen Menschen gegenüber. Wenn Du von der Thora lässest, wirst du viele Abhaltungen dir gegenüber haben, gibst du dich aber emsig derThora hin, so hat er vielen Lohn dir zu geben." Den Gefahren des Reichthums und der Armuth, vor welchen Rabbi Jonathan in der vorhergehenden Mischna warnte, mit Erfolg zu begegnen, empfiehlt hier Rabbi Me'ic, das Geschäft weder zu vernachlässigen, noch weniger aber ganz darin aufzugehen. Schränke dein Geschäft ein und benütze die so frei gewordene Zeit und Muße für das Studium der Thora. — Diese Mahnung steht in vollem Gegensatz zu der Forderung des Tages, welche die Kinder in der Schule schon für den Broderwerb erzieht und sie, dem Leben der Schule entwachsen, sobald sie die Schule des Lebens betreten, so unablässig in den Dienst des Erwerbs jocht, daß ihnen für höhere, ideale Interessen und gar für das Studium der Thora nur spärlich Zeit und Sinn übrig bleibt. Die Art und Weise, wie Jemand sich die Mittel zum Leben aneignet, nennt man heutzutage seinen „Berus", also dasjenige, wozu er berufen ist. Mit diesem Namen hat man den „Beruf" zum Götzen des Tages gemacht, dem alles andere rückhaltlos hingeopfert wird. Ist der europäische Culturmensch wirklich dazu „berufen", Waaren zu kaufen und zu verkaufen, Schuhe zu machen oder Bretter zu schneiden, so tritt vor dieser Berufung, also dem Kaufmanns-, Schuhmacher- und Schreinerberuf alles andere als nebensächlich zurück. Gewtffenhaftigkett, Ehrlichkeit und Redlichkeit stehen diesem Berufe sehr oft hinderlich im Wege. Ohne viel Scharfsinn finden die Berufenen heraus, daß der Gewissenlose, Unredliche leichter und vorteilhafter kauft und verkauft, arbeitet und abliefert, als der Ehrliche. Freilich hat man ihn auch gelehrt, daß ehrlich am längsten wäbrt upd -äß der Krug nur so lange zum Hrunnrn geht, bts er bricht, aber die geschäftliche Gewandtheit, das.kaufmännische Raffinement, die Schlauheit und Geriebenheit , im Verkehr statten den Besitzer dieser und ähnlicher höchst zweideutiger Tugenden eines weiten, merkantilischen Gewiffens mit dem beruhigenden Bewußtsein aus, seine zur Schau getragene Ehrlichkeit werde nicht als fausse bijouterie erkannt, werde so lange währen wie die echte, und der Krug werde, so lange er ihn in Händen hält, nicht brechen. Diese leider so wett eingeriffene, tief eingewurzelte Sittenverderbniß hat das Vertrauen zerstört, auf dem der frühere auf Offenheit und Aufrichtigkeit beruhende Verkehr basirte. Sie hat ihren ersten Ursprung in der materialistischen Weltanschauung, welche die Art und Weise, die Mittel zur Erhaltung des Lebens zu beschaffen, als dasjenige bezeichnet, wozu der Mensch eigentlich von Haus aus berufen ist. Erwägt man nun, daß dem jüdischen Menschen mit seinem Werkverbot an Sabbat und Feiertagen, mit seinem Zins-Verbot und mit einer ganzen Reihe sonstiger Satzungen gerade der rastlosen Ausbeutung anderer ein Riegel vorgeschoben wird, so begreift es sich, wie seine heiligen und heiligenden Anordnungen die ersten Opfer sind, welche dem Berufs-Götzen zum Opfer fallen. „Wie könnte ich meinem „Beruf" Nachkommen, ein bedeutender Geschäftsmann werden oder sonst Carrisre machen, wenn ich den Sabbat, die Speisegesetze und die zahlreichen anderen Gebote halten