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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 23)
Language
German
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579 WWMWWWMWWWMA^ l „Das ist ein böses Wort, das der Müller da gesprochen und ich wollte, kein Mann aus meiner Gemeinde hätte es gehört. Ich bin nur ein einfacher Bauer, kein Studirter wie der Müller, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß er und sein Verein sich auf dem Holzwege befinden. Dte Verbrechen, die man den Juden vorwirft, finden sich in noch größerem Maße bei den Christen; wenigstens ist keiner von den Juden, die ich kenne, j mals mit dem Strafgesetz in Confltct gerathen; alle waren sie fleißige, nüchterne, ehrliche und sparsame Leute, dte es durch ihren Fleiß und ihre Sparsamkeit zu etwas brachten. Daß sie für sich selbst bleiben, das ist ihre Sache und es steht Jedem in dieser Hinsicht doch frei, zu thun und lassen, was er will. Wenn die Juden sich auszeichnen, so ist das nur lobenswerth und nur der Neid mißgönnt dem Nächsten das, was dieser besitzt. Daß Juden allein Wucher treiben, ist ein Jrrthum; es gibt noch mehr Christen, welche dte Nothlage des Nachbars benutzen, um sich größere Voriheile zu verschaffen. Für unsere Gemeinde hat der Verein gar keinen Zweck. Unter uns lebt nur ein Jude, der alte Benjamin. Ihm kann Niemand etwas Schlechtes vorwerfen und so lange ich Bürgermeister bin, so lange mag er ruhig und sicher unter uns leben. Niemand soll ihm ein Haar krümmen, keiner ihm seine Rechte verkümmern. Er zahlt pünktlich seine Steuern, erfüllt seine Pflichten als Bürger bis aufs Kleinste und ist ein ebenso guter Deutscher wie wir Alle. Seine Söhne haben beide für das Vaterland dte Waffen getragen und darum genießt er den vollen Schutz der Gesetze und alle Rechte eines unbescholtenen Bürgers unserer Gemeinde. Wer nichts mit ihm zu thun haben will, der bleibe von ihm; es wird Niemand gezwungen, mit ihm in Geschäftsverbindung zu treten. Aber daß in öffentlichem Lokale gegen friedliche Bürger gehetzt und zur Verfolgung derselben ausgefordert wird, das kann ich nicht dulden, das verbiete ich Kraft meines Amtes und ich lasse die Wtrthschaft im Namen des Gesetzes schließen, wenn wieder so etwas vorkommt." Der Bürgermeister setzte sich. Seine Worte waren getheilt ausgenommen worden. Während der größte Thetl der Anwesenden dem biederen Manne Beifall zollte und diesen auch zu erkennen gab, standen auch einige auf der Seite des Müllers und machten ihrem Zorne über den Bürgermeister in nicht wiederzugebenden Ausdrücken Lust. Da erhob sich der Müller und sprach: „Oho, Herr Bürgermeisterl Ihr geht über die Befugniffe, die Euch Euer Amt gibt, hinaus. Ihr habt nicht das Recht, mir zu verbieten —" Doch da wurde er von dem Wirth unterbrochen. „Wenn der Herr Bürgermeister nicht das Recht hat. Euch solche Reden zu verbieten, so habe ich es in meinem Hause und ich will nicht, daß solche Hetzreden hier gehalten werden. Wenn Ihr deßhalb hierher gekommen seid, so seid Ihr irre gegangen. Also, Müller, merkts Euch." „Gewiß will ich mir's merken. Mir scheint, auch Euch hat der Jude Alle im Sack. Nun, Ihr werdet schon zur Einsicht kommen, wenn es vielleicht zu spät ist, wenn die Schlinge so fest zugezogen wird, daß Ihr ersticken müßt. Dann werdet Ihr zu mir kommen; aber auch dann ist es noch Zeit. Ihr wißt nun, was unser Verein will und wißt, bei wem Ihr Euch zum Eintritt melden könnt. — Hier, Herr Wirth ist das Geld, das ich Euch für's Bier schulde. — Adieu, auf Wiedersehen in der Mühle!" Nach diesen Worten entfernte sich der Müller und ein wüstes Geschrei schallte ihm nach. Es bedurfte erst der ganzen Energie des Wirthes, den Tumult zu stillen und als die Ruhe eingetreten war, erhoben sich die Gäste und verließen rasch nacheinander die Herrenstube. Der Müller wandte seine Schritte nach Hause. Er war voller Sorge und Verdruß. Welch' klägliches Fiasko hatte er doch heute Abend gemacht! Wie hatte er sich in den Bauern getäuscht! Er sah ein, hier war der Boden noch nicht reif für die Drachensaat, die er säen wollte. Hier mußte noch vorgearbeitet werden; nun er war entschlossen dazu und hoffte auf thätige Beihilfe seiner Gesinnungsgenossen, der „teutschen Brüder". (Fortsetzung folgt.) > Vermischtes. < Pesth Der Pester Lloyd erzählt von dem jüngst verstorbenen Freiherrn v. Edelsheim-Gyulay folgende Geschichte: Es war im Oktober 1874, als der Kommandirende in Budapest, Freiherr v. Edelsheim-Gyulay, den Besuch der Frau v. P. erhielt. Der General empfing die Dame, welche in den höheren Gesellschaftskreisen der ungarischen Hauptstadt eine sehr angesehene Stellung etnnahm, mit vieler Zuvorkommenheit. Frau v. P. war gekommen, um vom Kommandirenden Gerechtigkeit für ihren vom Offizierkorps des 9ten Husaren- Regiments gekränkten und zurückgesetzten Sohn zu erbitten. Derselbe hatte bei jenem Regiment sein Einjährig - Freiwilligen-Jahr abgedient und sollte nun als Kadetl-Osfiziers-Stellverireter, nicht aber als Lieutenant in die Reserve übersetzt werden. Die Dame behauptete, ihr Sohn habe während seines Freiwilligenjahres vollkommen entsprochen, und sei nur deshalb vom Osfizierkorps abgelehnt

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