Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1893)
- Date
- 1893-04-13
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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578 Ein lautes Lachen lohnte dieses Bonmot. Da trat der Müller zur Thüre herein und der Sprecher von vorhin sagte: „Da kommt Einer, der uns unsere Frage am Besten beantworten kann. Er sitzt im Vorstande des neuen Vereins und hat mit Dr. Z. Bruderschaft getrunken." Der Müller hatte an einem Tische Platz genommen und nicht bemerkt, daß die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet war. In drückten schwere Sorgen und als man ihn anredete, fuhr er wie aus dem Schlafe auf. Er war ein neuer Gast in der Herrenstube und schrieb diese Aufmerksamkeit, die man ihm widmete, seinem ersten Erscheinen zu. „Nun, Herr Bastian," redete ihn der Wirth an, „wie komme ich heute zu der Ehre, Sie bet mir zu sehen?" „Ich hatte im Dorfe zu thun und da wollte ich einmal Eu en Wein probiren." „Das wird Euch nicht gereuen, Müller; 's ist ein guter Tropfen, den ich in der Herrenstube verzapfe." Der Müller that einen herzhaften Zug aus dem vor ihm sichenden gefüllten Schoppenglase, ließ darauf den Wein probirend durch die Zähne fließen und sagte: „Das ist wirklich ein guter Wein. Ihr dürft mit Eurem Lieferanten zufrieden sein." „Bin ich auch, Herr Bastian, bin ich auch; seit acht Jahren liefert der alte Benjamin mir den besseren Wein und ich habe noch nie eine Ursache zur Klage gehabt." „Wer liefert Ihren Wein?" fragte der Müller nochmals; „der alte Benjamin?" Und als ob er Gifr getrunken hätte, so räusperte er sich und spuckte auf den Boden. „Et, ei," fragte der Wirth, „was ist Euch denn?" „Ihr habt mir den Geschmack am Wein verdorben; bringt eine Flasche Bier." „Ei warum denn? Der Wein hat Euch ja geschmeckt" „Gießt ihn aus; ich trinke keinen Wein, den der Jude Benjamin liefert." „So habt Ihr Euch mit ihm entzweit." „Mit ihm und mit allen seines Gelichters. Mir kommt kein Jude mehr über die Schwelle." „Das müßt Ihr selbst wissen", sagte der Wirth. nahm den W in mit sich und ließ durch seine Tochter dem Müller eine Flasche Bier vorsetzen. Da wandte sich einer der Bauern an den Müller: „Sagt, Bastian, was bezweckt der neue Verein, in dessen Vorstand Ihr seid?" Jetzt bot sich dem Müller Gelegenheit, Propaganda für den teutschen Bauernverein zu machen und diese Gelegenheit sollte nicht unbenutzt vorübergehen. „Unser neuer Verein," begann er. „ist eine nationale That, ein Aufraffen aller teutsch Gesinnten, eine Vereinigung zum Schutze gegen das heimathlose, internationale Judenthum, das mit seiner coloffalen Geldmacht teutsche Arbeit ruinirt, teutsche Zucht und Sitte untergräbt, teutsche Bauern von ihrer Heimath. ihrem eigenen Grund und Boden vertreibt und sich da seßhaft macht, das Mark unseres Landes aussaugt und uns zu Hetmathlosen machen will." „Donnerwetter," rief da Einer dazwischen, |j „müssen das böse Menschen sein!" jj „Und dumm dazu," lachte ein Anderer, „daß sie sich so in die Karten sehen lassen. Haben Euch die Juden das alles selbst gesagt?" „Es bedarf nicht ihres Wortes." fuhr der! Müller fort, „Thaten beweisen es. Ist nicht die; gesammte Presse in den Händen der Juden? Ueberall, wohin Ihr blickt, sehet Ihr sie. Im Theater, im Concert, im Parlament, im Gerichtssaal, auf der Börse, in der Schule, überall drängt sich das fremde jüdische Element vor und droht das Deutsche zu überwuchern. Der Trieb der Selbsterhaltung zwingt uns teutsche Bauern, ein weiteres! Vordringen der Macht der Juden zu verhindern, uns von den Fesseln, in die sie uns schlagen wollen, j zu befreien. Beherrschen sie nicht den Markt und jj die Börse? Treiben sie nicht Wucher und jagen j ohn' Erbarmen ihre armen Opfer von Haus und Hof? Es ist Pflicht eines jeden teutschen Christen und Bauern, gegen diese Blutsauger zu Felde zu ziehen, sich unserm Vereine anzuschließen." „Und durch welche Mittel hofft der Verein; sein Ziel zu erreichen?" fragte einer der Bauern. j „Durch jedes Mittel, das sich uns darbietet. Vor allen Dingen müssen die Juden isolirt werden, d. h. sie müssen ausschließlich auf sich selbst angewiesen werden. Weder gesellschaftlicher, noch geschäftlicher Verkehr darf zwischen ihnen und uns; stattfinden. Wenn sie auf diese Weise so abge- :■ schloffen werden, daß sie keine „Geschäftchen" mehr! machen können, werden sie bald auswandern und Teutschland wird uns Dank wissen, daß wir es | vom Untergang gerettet haben." Tiefe Stille herrschte, als der Müller geendigt j hatte. Die Bauern sahen einander an; keiner ver- - mochte ein Wort zu erwiedern. Der Haß, den der Müller predigte, war ihnen noch fremd und sie konnten sich nicht so rasch in die Situation finden. Da erhob der Bürgermeister seine Stimme und sprach zu den lauschenden Männern: