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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 24)
Language
German
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TVV •>. - J' - J .-.Vb 580 worden, weil er — Jude ist. Der General lächelte und meinte: „Gnädige Frau, eine Mutter sieht die Angelegenheiten ihres Sohnes mit anderen Augen an und urtheilt anders als militärische Vorgesetzte. Ich kenne natürlich den Fall Ihres Sohnes nicht. Ich weiß um so weniger etwas davon, als das Regiment nicht hier liegt, sondern in 3c. Aber ich werde sofort die Sache untersuchen, und wenn sie wirklich so ist, wie Sie mir dü selbe darstellen, dann — darauf verlassen Sie sich — wird gewiß geholfen werden." Am nächsten Tage kam der telegraphisch nach Budapest berufene Regiments kommandant in Parade in das Gebäude des Ofener Generalkommandos. Als der Oberst bei dem Kommandtrenden eintrat, begann dieser: „Herr Oberst, in Ihrem Regiment hat ein junger Mann, v. P., als Einjährig-Freiwilliger gedient." —„Jawohl, Excelleln!" — „Nun, und wie hat er sich denn gemacht?" — „Excellenz, gut." — „Wie lst er beschrieben?" — „Excellenz. gut." — „Hat er Strafen? Liegen Klagen gegen ihn vor?" — „Excellenz, nein." — „Warum hat ihn dann das Regiment nicht zum Lieutenant in der Reserve oorgeschlaaen?" — „Excellenz, P. ist Jude und in der Olfiziersversammlung sind Stimmen gegen ihn laut geworden, weil sich die Herren denn doch nicht gut einen — jüdischen Husaren-Offizier vorstelleu können." — Eine unheimliche Pause trat ein. Blutroth färbte sich das Gesicht Edelshetm's. Zornsprühend und mit der Maßlosigkeit seines Temperaments schrie er auf, daß tue Wände seines Arbeitszimmers zitterten und die im Vorgemache beim Personal-Adjutanten auf Einlaß harrenden Referenten ein Grauen befiel: „Was? Was? Herr Oberst! Jüdischer Husaren-Offizier?! Himmel Herrgott Sakrament noch einmal! Ich kenne keine jüdischen Offiziere, ebenso wenig als ich katholische, protestantische oder griechisch-orientalische Offiziere kenne; ich kenne nur kaiserliche Offiziere und das ganze Herr kennt keine anderen als kaiserliche Offiziere." Nachdem der Kommandirende nach diesem Ausbruche seines Zornes Athem geschöpft, fuhr er in ruhigerem, aber streng gebietendem Tone fort: „Herr Oberst, Sie fahren sofort in Ihre Station zurück, versammeln die Herren des Regiments und lassen nochmals über die Würdigkeit P.'s zum Offizier abstimmen. Sie werden den Herren klar machen, daß man im kaiserlichen Heere niemals nach der Nation oder Religion eines Soldaten gefragt hat. Das ist ein Wahrwort, welches seit dem dreißigjährigen Kriege zu den Traditionen unserer Armee gehört und das wir heute und allezeit Hochhalten wollen. Das werden Sie den Herren Ihres Reqiments auseinandersetzen und dann — wird die Offiziersversammlung Beschluß fassen. Sie werden mir das Resultat nicht im Dienstwege, sondern direkt m ttheilen. Guten Morgen, Heer Oberst!" — Der Oberst verbeugte sich stumm und vorschriftsmäßig und verließ das Arbeitskubinet des Kommandtrenden. Vier Tage später erhielt Letzterer die Meldung des Regimentskommandos, in welcher es wörtlich hieß: „Ich melde gchorsamst, daß das Offizierkorps des Regiments es neuerdings abgelehnt hat, den Einjährig Freiwilligen Wachtmeister v. P. als Kameraden in seine Reihen aufzumhmen." Darauf war Edelsheim nicht gefaßt. Was sollte er gegen diesen fisten Wollen des Oififierkorps anfangen? Noch am selben Abend fuhr er nach Wien, uni am nächsten Morgen beim Kriegsnttnister, General der Kavallerie Freiherrn v. Koller, vorzusprechen. Das Ergebniß dieser Reite trat in einem der nächsten Armeeverordnungsblätter zu Tage. Der Kommandirende hatte dem Krlegsminister ausetnandergesetzt, daß der Oberst des betreffenden Husaren-Regiments nicht nur eine inkorrekte Auslegung der BeförderungS> Vorschrift durch sein Otfizlerkorps geduldet, sondern auch gezeigt hat, daß er keinen Einfluß auf seine Offiziere besitze. Der Oberst wurde daher in den Ruhestand übernommen und die zwei rangältesien Offiziere jeder Charge vom Rittmeister abwärts wurden in andere Regimenter versetzt. Als der neue Oberst das Regimentskommando antrat, ordnete er eine Offiziersversamnilung an, um die Herren zum dritten Male bezüglich der Würdigkeit des Einjährig-Freiwilligen-Wachtmeisters v. P. zur Olfiziersversammlung zu befragen. Es erhob sich diesmal keine Stimme in der Versammlung, die mit gehorsamstem Schweigen die Erklärung des Obersten entgegennahm, „daß also in der Qualifikationsliste der Freiwillige v. P. als würdig zur Beförderung zum Lieutenant zu erkennen ist." Zwei Wochen später veröffentlichte das Verordnungsblatt die Ernennung v. P.'s zum Lieutenant in der Reserve. Das Kriegsministerium versetzte jedoch den Neuernannten gleichzeitig zu einem anderen Regiment, denn man trug doch Bedenken, denselben im Reservestande eines Truppenkörpers zu belaffen, dessen Offizierkorps er sozusagen auseinander gesprengt hatte. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz.

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