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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 21)
Language
German
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WMWWWWMMMM^ n jj für das Orthodoxe «MudenlhumÄ l-OM O 5 £ S ' | 13. April 1893.] INr. 4. mm mm w0£m mm 8P» K aHi Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) in. Wie von Furien gepeitscht, eilte der Müller die Dorfstraße hinab. Am Ende der Straße stand ein Wirthshaus, in welchem die Honoratioren der Dorfgemeinde nach des Tages Lasten zusammenkamen, um bei einem Glase Bier oder Wein zu politisiren oder sonstige Ereignisse des Tages zu besprechen. In der eigentlichen Wirthsstube saßen die Knechte und Tagelöhner, Fabrikarbeiter und Handwerker beim Bier; auch Apfelwein und Schnaps wurde dort getrunken. In der sogenannten Herrenstube, einem größeren Zimmer auf der anderen Seite des Flurs, befanden sich die Angeseheneren der Stadt; hier gabs nur Bier in Flaschen und Wein, hier servirten der Wtrth und seine Tochter, während die Gäste der Wirthsstube von zwei Mägden, welche die Wirthin beaufsichtigte, bedient wurden. Der Wirth und seine Frau hielten auf Ordnung und selten brach Streit unter den Gästen aus. War dies aber einmal der Fall, was auf dem Dorfe ja unvermeidlich ist, so mußten die Parteien das Haus verlassen und ihren Streit auf der Straße austragen, oder wenn sie bleiben wollten, mußten sie sich der Ordnung fügen. In letzter Zeit hatten die Sozialdemokraten versucht, in der Wirthsstube Anhänger für ihre Partei zu werben. Als die Wirthin dieses merkte, verbot sie sofort jedes Werben. „Unsere Wtrthschaft kennt keine politischen Parteien", sagte sie; „wer sich anständig aufführt und das, was er verzehrt, auch bezahlt, ist unser Gast; mag er einer Partei angehören oder nicht und darum soll bet uns keine Fangstelle für irgend eine Partei sein." Die Agitatoren fügten sich scheinbar; um so fleißiger arbeiteten sie unbemerkt im Stillen. Auch in der Herrenstube hatten sich in jüngster Zeit Parteien gebildet und trotz der größeren Reserve, die man sich hier auferlegte, waren > ie Geister schon etntgemale aufeinandergeplatzt und es hatte des Einsatzes der ganzen Persönlichkeit des W rthes bedurft, um Reibereien zu verhüten. Noch saßen Nationalliberale und Deutschfreisinnige, Conservatlve und Demokraten friedlich nebeneinander und wußten die Partei von der Person zu trennen. Wenn auch die politischen Ansichten verschieden waren, so achtete und eh te man sich gegenseitig der Persönlichkeit halber und wenn man sich auch einmal über eine Gegenpartei ärgerte, so erlitt die Persönlichkeit des Gegners, der diese Partei vertrat, keine Einbuße. Der Bürgermeister, fast alle Gemetnderäthe waren Stammgäste und die Berathung der Gemeindeangelegenhetten fand hier und nur die Beschlußfassung aus dem Rathhause statt. Auch heute Abend hatten sich die Stammgäste eingefunden. Man sprach von dem theuren Vieh, von den hohen Getreide- und Kohlenpreisen und war darin einig, daß die jetzige Zeit für den Bauernstand eine sehr schwere sei. „Selbst die Consumvereine haben ihre liebe Noth, sich über Wasser zu halten", sagte der Bürgermeister, „und es ist nicht abzusehen, wann dieser Zustand enden wird." „Man hat ja jetzt einen neuen Verein, den teutschen Bauernverein gegründet," sagte ein angesehener Bauer, „welche Ziele und Zwecke verfolgt denn dieser?" „Was anderes, als Bauernfängerei", gab ein Anderer scherzend zur Antwort.

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