Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1893)
- Date
- 1893-04-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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564 Perez Markbreiter hatte beabsichtigt mit seiner jungen Frau nach Ablauf der Hochzeitswoche nach Nikolsburg in das Haus seiner Eltern zu gehen, wo für die Neuvermählten eine elegante Wohnung hergerichtet worden war, aber ein entsetzlicher Unglücksfall verhinderte sie an der Ausführung ihres Planes. Einige Tage nach der Trauung war aus Nikolsburg die Schreckensnachricht eingelaufen, daß am 10. August — der Tag fiel auf einen Dienstag — eine furchtbare Feuersbrunst, binnen zwei Stunden die ganze Judenstadt in Asche gelegt hatte. Die beiden Markbreiter fuhren sofort nach Empfang der Hiobspost nach ihrer Vaterstadt, wo sie ihr Haus niedergebrannt fanden. Da ihre Geschäftsverbindungen sich nicht nur über die ganze Provinz Mähren — sie waren auch die General- Arrendatoren des dort stark begüterten Fürsten Lichtenstein — sondern über den ganzen Kaiserstaat erstreckten, und sie in vielen Städten, Geschäftssilialen und Waarenniederlagen hielten, hatten sie durch die Feuersbrunst, nur einen im Verhältniß zu ihrem großen Vermögen kleinen Schaden erlitten und sie standen ihren armen, unglücklichen, obdachlosen Gemeindegenossen durch großartige Unterstützung und weisem Rath thatkräftigst bei. — Perez Markbreiter ging daher mit seiner jungen Frau zunächst nach Preßburg, wo sein Haus eine Filiale hatte. Durch diese unglückliche Katastrophe wurde die Reise der Fränkl zu ihrem Famtlienoberhaupte nach Jerusalem etwas verzögert. Erst uachdem für die unglücklichen Nikolsburger Juden durch große Sammlungen bei den Glaubensgenossen in ganz Europa, welche Samson Wertheimer mit einer Riesensumme eröffnete, so weit gesorgt war, daß jene zu dem Aufbau ihrer Häuser schreiten konnten, ging Dina Fränkl mit ihren Kindern und Schmie» gerkindern nach Jerusalem. Rabbi Hirsch Fränkl, der schwergeprüfte, frühgealterte Greis war hochbeglückt, seine Familie wiederzusehen und seinen heißesten Wunsch in einer Weise erfüllt zu sehen, welche seine Erwartungen bei Weitem üverflügsslte. Er hätte sich, wie er selbst aussprach, keinen lieberen Schwiegersohn, keine liebere Schwiegertochter zu wählen vermocht. Rabbi Hirsch Fränkl, der den Rest seines irdischen Daseins, nur seinem Gotte leben und für die ganze andere Welt für todt gelten wollte, hatte lange mit unbeugsamen Starrsinn darauf beharrt, daß seine Gattin' nach Europa zurückkehren, bei ihren Kindern leben solle und erst als Dina endlich von seinem hartnäckigem Widerstande ermüoet, laut schluchzend in die Worte Raths ausbrach. „Dringe nicht in mich, Dich zu verlassen, wo Da stirbst will ich sterben, wo Dein Grab liegt, soll meines liegen, auch der Tod soll mich nicht von Dir trennen", fühlte er sich bezwungen und gestattete es, daß seine Kinder, von den reichsten Segensprüchen ihrer Eltern begleitet, allein zurückkehrten. Dina war ihrem Gatten eine liebende, zärtliche hingebende Pflegerin und als er nach einigen Jahren in ihren Armen seine reine Seele aushauchte, folgte sie ihm als treue Gattin wenige Wochen im Tode nach. In Europa blieb er verschollen und nur ein enger Menschenkreis wußte, wohin Rabbi Hirsch Fränkl nach seinem räthselhaften Verschwinden aus dem Mauerthurme gekommen und in dem Volke lebt die Sage fort, er sei wie der Prophet Elias in einem feurigen Wagen gen Himmel gefahren. (Schluß folgt.) Der »J-raelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. HreiS des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhan-el pt bestehen bei E. $. Klrinacker, Leipzig, ZLoßpiah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum— Oesterreichische Banknoten laut Tours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr-, für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Sine Rücksendung vo« a« die Redactiou eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, «a« bittet deshalb fich von alle« Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt^: Reuender Arütec: Sprücve der Väter. — Zeuungsnachrrchlen und Correipoudenzen: Deutschland: Soldin. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: New-Nork. — Vermischtes. — Feuilleton : „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Vermischtes. Inhalt der Belletrist. Beilage: Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen HofbuLdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.