Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1893)
- Date
- 1893-04-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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569 I selbstverständlich betrachten, daß er ihr Schwieger. I sohn würde. — Lea hatte rasch die Zuneigung und I Liebe ihrer zukünftigen Schwiegermutter gewonnen und schon bei der zweiten Zusammenkunft der beiden Mütter wurde das Nähere über die Zukunft und den Wohnort des jungen Paares besprochen | und sogar der Hochzeitstag bestimmt. i Drei Tage nach der Ankunft der Fränkl in 1 Wien, langte Perez Markbreiter mit seinen Eltern, j zu deren Bewillkommnung in Wien an. Das Wiej versehen der beiden Familien war tief erschütternd, die beiden Frauen fielen einander laut schluchzend j um den Hals. Perez trat an Eva heran, ergriff ihre Hand, sie mit heißen Tdränen benetzend und führte ste an seine glühenden Lkppen. Erst nach längerem Kampfe mit seinen rebelllschen Sprachwerkzeugen, die ihm zuerst den Dienst versagten, vermochte er in höchstem Jubel hervorzustotzen: „Ich danke Gott aus voller Seele für seine endlose Huld, daß er mich Dich wieder finden ließ — nun laß' ich Dich mit Gottes Hilfe nicht mehr! Nlchts soll uns mehr trennen. Du wirst mein rheueres, angebetetes Weib. Du weißt es ja, meine Eltern wünschen nichts sehnlicher, als Dich ihre Tochter nennen zu dürfen und ich darf wohl hoffen, daß Deine würdige Mutter uns ihre Genehmigung und ihren Segen ertheilt und auch Dein Vater, dessen Name von der ganzen deutschen Judenheit mit Ehrfurcht und Liebe genannt wird. . . ." „Meinem Vater", unterbrach ihn Eva, „bist Du als Schwiegersohn recht; er kennt Dich, Du hast schnell seine Gunst und Liebe gewonnen und er hat Dir schon einmal seinen S.gen ertheilt", und als Perez Markbreiter verwundert aufblickte, fuhr Eva fort: „Der würdige Greis, mit dem Du im Gasthause in Preßburg eines Freitags Abend an einem Tische speistest, dem Du gefielst, der Dich so mächtig angezogen, daß Du ihn batest, er möge Dich an Stelle Deines Vaters segnen, war mein Vater!" * * * In der ersten Augustwoche des Jahres 17 t 9 fand in Wien auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Vermählungsfeter der Fränkl'schen Geschwister im Wertheimer'schen Hause mit dem höchsten Glanze statt. Am ersten, die Trauung Perez Markbretters mit Eva Fränkl, am zweiten jene Rafael Fränkl's und Lea Arnstein's. Die erste ce ' nahm der mährische Landesrabbiner Bernard Eskeles, der Schwiegersohn Samson Wertheimers, die zweite Wertheimer selbst vor. Bei der Hochzeitstafel am zweiten Tage wurde die zahlreiche Tischgesellschaft durch die unerwartete Ankunft des Prinzen von Savoyen überrascht. Alle Anwesenden erhoben fich und Wertheimer schritt dem erlauchten Hochzeitsgaste entgegen. Dieser trat an den jungen Ehemann heran und sprach: „Lieber Fränkl, ich bringe Ihnen meine herzlichsten, aufrichtigsten Glückwünsche zu Ihrer Vermählung dar und bitte Ste als Hochzeilsgeschenk diese Busennadel, welche die Initialen meines Namens trägt, zur Erinnerung an einen Mann anzunehmen, der den groben Dienst, den Sie ihm erwiesen, nie vergeffen wird." Der Prinz ließ sich nun die junge Frau und deren Mutter vorstellen und richtete auch an diese herzliche Wünsche, und schmeichelhafte Worte. Der Prinz verabschiedete sich und ward vom Oberhoffaktor und Rafael Fränkl bis zu seinem Wagen, der vor dem Thore des Palais stand, begleitet. — Als die Beiden dann in gehobenster Stimmung in den Festsaal zurückkehrten, trat Rafael Flänkl an das oberste Ende der Tafel; da jedermann erkannte, daß er sprechen wolle, verstummte plötzlich das fröhliche Gesumme, es trat eine tiefe Stille ein und er begann: „Ich danke vor Allem Gott aus den tiefsten Tiefen meiner Seele, der, in seiner Allhuld, mir und den Meinen in schier wunderbarer Weise geholfen hat — dann aber muß ich dem alloerehrten Herrn Oberhoffaktor und Oberrabbiner Samson Wertheimer der mich', den Fremden, Unbekannten, gnädig aufnahm, meinen heißesten, innigsten Dank aussprechen. Als Unglücklicher, Verzweifelnder betrat ich zagend und zitternd dieses Haus, als Ueberglücklicher, Ueberseliger verlaffe ich dasselbe. Es war eine gnadenreiche Fügung des höchsten Gottes, die mich in Samson Wertheimers Haus führte; er war der gottgesandte Engel, der mir in meiner höchsten Noth berstand. Hätte er mich nicht gastlich in sein Haus ausgenommen, die Meinen und ich, wir wären unrettbar in unserem Elende versunken, in seinem Hause wurde uns Rettung und Erlösung! Gott segne Samson Wertheimer und sein edles Haus; möge es gedeihen und blühen zur Ehre Gottes und zur Ehre der Judenhett für alle Zeiten!" und mächtiges, tiefgefühltes „ Amen"! vurchbrauste den wetten Festsaal. * q: * Rafael Fränkl zog, wie dies vorher besprochen worden war, in das Haus seines Schwiegervaters und ward Theilhaber seines Geschäftes, das er später allein übernahm. Er hatte sich die Bedingung gestellt — und sein Schwiegervater hatte dieselbe mit größter Bereitwilligkeit angenommen — daß der treue Diener seines Hauses, Josel Deidelsheimer, der mit seiner Familie nach Wien überstedelte, in ihr Geschäft ausgenommen, ihm ein hervorragender Vertrauensposten übertragen und ein hohes Gehalt bewilligt werde.