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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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561 nicht weniger als zwanzig Tausend Dollars zugeführt. Herr Dr. Samuel Lloyd, ein edler Amerikaner, schenkte 50 Betten sammt Zubehör, Herr Ferdinand Sultzberger liefert das Koscher - Fletsch für drei Jahre gratis. Ph. Kraus. Vermischtes. Frankfurt a M. Der Verwaltung der isr. ReligionSschule ist eS gelungen, ein Grundstück nebst daraufstehendem mittelgroßen Gebäude, für M. 66,000 zu erwerben. Einige Gönner haben dieselbe durch Darlehen in den Stand gesetzt, M. 21,000 anzuzahlen. Nachdem ein Freund der Schule vas Haus auf seine eigene Kosten in geeigneter Weise hatte Herrichten lassen, konnte Mitte November der Unterricht für Kinder aus den westlichen Stadttheilen eröffnet werden. Um zugleich dem sehr fühlbaren Mangel eines in westlicher Gegend gelegenen Gotteshauses einigermaßen abzuhelfen, hat sich die Verwaltung entschlossen, an das Schulhaus eine einfache Synagoge anzubauen. Dieselbe wird etwa 180 Männersitze und auf der Empore etwa die halbe Anzahl von Frauensitzen enthalten und soll bereits im Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden. An Geschenken und Zuwendungen gingen M. 4946 ein, außerdem spendete ein Wohlthäter M. lOno für die Westendfiliale. Derselbe edle Förderer und Gönner spendete als Grundstock einer Stiftung zur Vorbereitung für den rabbinischen Beruf M. 2500. Im ablaufenden Schuljahr nahmen am Unterrichte Theil in der Religionsschule am Hermesweg 136 K. und 94 M., auf der Unterlindau 25, an dem Kaiser-Friedrichsgymnasium 40, an dem städtischen Gymnasium 40, i. d. VorbereitungSsch. f. d. rabbinischen Beruf IO Zöglinge, außer den nicht eingeschriebenen Hörern der Vorlesungen am Forschungshause also im Ganzen 345 Schüler. In BreSla« und Lteguitz ist eine Anzahl von Mitgliedern aus dem deutsch-sozialen Verein ausgetreten und haben einen deutsch nationalen Verein gegründet, welcher „den die antisemitische Sache schädigenden Radau- und Geschäftsantisemitismus energisch von sich fern halten will." Aus Sachsen, 3. April. Reichstagsabg. Ahlwardt hat am 29. März im Wahlkreise des Führers der sächsischen Konservativen, Abg. Frhrn. v. Friesen in Großenhain debütirt, und der „Freis. Ztg." zufolge aufgefordert, unter keinen Bedingungen Hrn. v. Friesen wiederzuwählen; denn die ganzen Konservativen seien doch nur Juden oder davon abstammend. Das ist also der Dank für den Antrag v. Friesen, die Einwanderung der Juden in Deutschland zu verbieten. Ahlwardt rühmte sich in Großenhain, in seiner Rede, daß er unter den 400 Reichstagsabgeordneten allein den Muth habe, Schäden aufzudecken, da alle anderen Reichstagsabgeordneten doch mehr oder minder von den Juden bestochen seien. Als Fürst Bismark eingesehen hatte, daß das deutsche Reich nur durch die Hilfe des Antisemitismus gedeihen könne, habe er von seinem Platze fortgemußt, und jetzt sei er, Ahlwardt, berufen, an seiner Stelle das Werk BiSmarks fortzusetzen. Danach ist ja schon der helle Größenwahn bei diesem Herrn ausgebrochen. Lille, 30. März. In Dijon ist heute Nacht der Eingang zum jüdischen Friedhof erbrochen und eine große Anzahl Grabsteine zertrümmert worden. Ahlwardt - Industrie. Ein Cigarrenfabrikant in Sachsen inserirt in den „Dresd. Nachr." Folgendes: Rektor Ahlwardt-Cigarre! angenehm und fein in Qualität. Unter spezieller Genehmigung des Herrn Rektor Ahlwardt, Reichslagsabgeordneter. Vom Umsatz dieser äußerst prei-würdigen Cigarre, die sich sicher der allergrößten 5 Anerkennung erfreuen wird, ist 1 Prozent zu Gunsten der Familie Ahlwardt benimmt. Hedemünden, Hannover 27. März. Am Sonntag fand im Saale des Gasthauses „zur Krone" Hierselbst eine von der unter dem Namen „Deutscher Verein" in Münden bestehenden Gesellschaft einberufene antisemitische Volksversammlung statt. Dieselbe wurde um 5 Uhr von dem den Vorsitz führenden Freiherrn o. Berlepsch mit einem Hoch aus den Kaiser eröffnet, woraus derselbe einen kurzen Ueberblick über einige vorher in Göttingen, Münden und Dransfeld abgehaltene Versammlungen gab und sodann dem Reichstagsabgeordneten Werner das Wort erlheilte, welcher in längerer Rede das Programm der deutsch-sozialen Partei in seinen Grundzügen erläuterte. Im zweiten Theile seiner Rede kam Herr Werner auch auf die Militärvorlage zu sprechen, welche er für unannehmbar bezeichnete, sofern die Deckung der Mehrkosten nicht aus einer Luxussteuer oder dergleichen genommen würden. Nachdem der Redner geendet, trat der israelitische Lehrer Herr Bach von Münden auf und legte in einer ebenfalls längeren Rede gegen die von dem Vorredner den Juden gemachten Anschuldigungen Verwahrung ein; das Gleiche thai ein sozialistischer Redner. Die Debatte zwischen den einzelnen Rednern dehnte sich bis in die Abendstunden aus. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UeberfetzungSrechte Vorbehalten. (65. Fortsetzung.) Neunzehntes Kapitel. Samson Wertheimer hatte in seiner klugen und feinen Weise noch vor der Ankunft der Fränkl'fchen Frauen, die Vorbereitungen für eine rasche Vereinigung der beiden Liebespaare getroffen. Er hatte seiner Nichte und deren Gatten ausführlich auseinandergesetzt, daß die Familie des hochgelehrten und allgemein verehrten Fürther Oberrabbiners wieder zu der ihr gebührenden Ehre — und Wertheimer berührte dies nur als nebensächlich und untergeordnet — auch in den Besitz ihres großen Vermögens gelangt sei, daß sich nun dem Glücke und den Wünschen ihrer Kinder nichts in den Weg stelle, daß in der ganzen Judenheit nicht eine Familie zu hoch stände, um es sich nicht als Ehre und Glück anzurechnen eine Verbindung mit den Geschwistern Frankl einzugehen. Die Arnsteins statteten den Fränkl'fchen Frauen ihre Empfangsvisite ab. Aron Arnstein hatte Rafael noch nie, seine Gattin ihn nur flüchtig gesehen, und als sie ihn kennen lernten, fanden sie es vollkommen begreiflich, daß ihr Kind sein Herz an ihn verloren und kamen ihm in freundlichster, liebevollster Weise entgegen. Sie dankten ihm zunächst für den großen Dienst, den er ihrer Tochter erwiesen und ersparten ihm die leere Formalität, um Leas Hand bei ihnen zu werben, dadurch, daß sie es durch ihr Behüben deutlich bewiesen, daß sie es als

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