Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1893)
- Date
- 1893-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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561 Jonas W eil aus Ein mendingen in Baden ich kann Ihnen die bestimmte Versicherung geben, daß in ganz Deutschland der jüdische Religionsunterricht in deutscher Sprache und aus deutschen Lehrbüchern ertheilt wird. Herr Pickenbach müßte mich vorher in meiner Religionsschule aufsuchen, um sich davon zu überzeugen. Was nun die jüdischen Soldaten betrifft, brauche ich gar nicht wett zu gehen: denn der vierte Theil der aus nur 20 Gemeindemitgliederbestehenden jüdischen Gemeinde hat der militärischen Pflicht genügt; zwei davon haben den Krieg mitgemacht, der eine ist vor Kurzem mit militärischen Ehren zu Grabe getragen, während die Brust des anderen eine Reihe von Orden schmückt, die er in den letzten drei Feldzügen sich erworben. Meine Herren, ich nehme an, daß ein großer Theil dieser Versammlung dem Treiben der Antisemiten nicht sympatisch ist, es will mir aber scheinen, als wenn mein Auge eine beträchtliche Zahl antisemitischer Blicke gestreift. An diese frisch gebackenen Antisemiten richte ich die ernstliche und mahnende Bitte: Treten Sie zurück von dem Pfade, den Sie betreten, es ist ein Pfad des Lasters. Ihnen, meine Herren Antisemitenführer, rufe ich die Worte zu: Betrachten Sie. uns als schirm- und schutzlos, denn nächst Gott werden auch.wir von einem weltlichen Herrscher beschützt; dieser ist kein geringerer, als Se. Majestät, unser allergnädigster Landesvater Wilhelm II., Kaiser von Deutschland und König von Preußen. Zum Schluß möchte ich Ihnen, Herr Pickenbach, noch den guten Rath ertheilen: Gehen Sie nach Hause, suchen Sie all Ihre Gesinnungsgenossen auf und bekennen Sie vor Gott: wir haben gesündigt, wir haben gefehlt, wir haben uns vergangen; verzeihe uns, vergieb uns, sei unsrer armen Seele gnädig." P a l ä st i n a. Jerusalem. Die Verordnung der Regierung, die den Israeliten den An- und Verkauf von Grundeigentum verbietet, ist immer noch in Kraft; auch die Errichtung von Gebäuden wurde ihnen vertagt. Diese Verordnung hat Tausende von jüd. Familien in große Bedrängniß gebracht; der Handel in Immobilien hat ganz aufgehört. auch fehlt es den zahlreichen Handwerkern an Arbeit. Man hofft, daß der Chacham Baschi in Konstantinopel, an den man sich gewandt, die Zurücknahme dieser Maßregel bewirken werde. Amerika. Nerv Aork, im März. (Die Z ichr on Ep h r at m-Sy n a go g e u. das Lebanon-Hospital.) Es wird unsere Glaubensbröder im deutschen Reiche gewiß interessiren, zu erfahren, daß hier an der Spitze der Orthodoxie ein Deutscher, Herr steht. Derselbe kam vor ungefähr dreißig Jahren nach Amerika, um sich hier eine Existenz zu gründen. Das Glück war ihm besonders günstig und er erwarb sich Vermögen und Ehren. Ec war mehrere Jahre Cullusvorstand einer der ehrenwerthesten Gemeinde, der 57. Str. Synagoge. Dieser edle Menschenfreund hat es für nothwendig gefunden, auch im obern Theil der Stadt eine Synagoge im großartigen Styl erbauen zu lassen und hat er dazu nicht nur mehr als fünfzig Tausend Dollar gespendet, sondern trägt bis heute noch fast ganz allein mit nie ermattender Kraft die große Arbeitskraft der Gemeinde. Unter seiner Leitung und unter der Beihilfe seines Schwiegersohnes, Herrn Rabbiner Dr. Dr ach man wird der jüdische Religionsunterricht in jeder Beziehung gepflegt. Die Krone zu dem Allen hat sich dieser edle Jehudi damit aufgesetzt, daß er ein imposantes Bauwerk in der 150. Str. für ein jüdisches Hospital erbauen ließ, wo streng niw Küche geführt und allen Nationalitäten und Religionen kostenfrei liebevolle Pflege und Behandlung zu Theil werden soll. Auch da spendete Herr Weil ca. fünfzehn Tausend Dollar. Am 22. Februar, am Washingtons-Geburtstage. hat die Einweihungsfeier stattgefunden und haben sich zahlreiche Förderer dieses wohlthätigen Unternehmens eingefunden. Nachdem die Erschienenen die zahlreichen und schmucken Räume des Hospitals in Augenschein genommen hatten, versammelte man sich indem großen Saale des Riesenbaues, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Präsident Herr Jonas Weil betrat die Rednertribüne und sprach mit herzlichen Worten die besten Wünsche und Hoffnungen für das Wachsen und Gedeihen des Unternehmens aus. Es folgte nun eine Reihe weiterer Reden u. A. von den Herren Rabbiner Dr. Klein Rev. Dr. Drachmann, Dr. Samuel Lloyd, Register Ferdinand Levy und Superintendent Dr. G. Liebermann. Ein Damencomite, meistens aus christlichen Damen bestehend, hatte sich gebildet, das zum Besten des Libanon-Hospitals ein großes Fair veranstnltete und damit mehr als D. 2000 erzielte. Schließlich erachte ich es als eine angenehme Pflicht der aufopfernden Thätigkeit des Board of Directors zu gedenken. In erster Reihe ist es der geachtete und hochgeschätzte Vize-Präsident Herr M. P e a b o d y, ein Jehudi in des Wortes edelster Bedeutung. Seinen Bemühungen und seiner Opferfreudigkeit ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß dieser imposante Bau für seinen jetzigen Zweck dafteht, denn HerrPeabodi hat demSpitale durchSammlungen