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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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.- ' » «■ ■ - * ...*.y..- '. - .. ■..,,,, y U >.;,j 558 Kampfe des Lebens sich die ungetrübte Reinheit der Gesinnung und der That zu erhalten, die Thora auch in Armuth zu erfüllen! Noch schwieriger aber ist vielleicht die Erfüllung der Thora im Retchthum. Sein Geld und Gut spinnt den Reichen in ein Netz von Beschäftigungen, Bedürfnissen und Zerstreuungen ein, legt ihm eine so große Zahl conventtoneller Pflichten und Rücksichten auf, daß sich alles vereinigt, um den goldverbrämten Sclaven seines Geldes seinen wahren Herrn und Meister vergessen zu lassen. Sein reicher Besitzstand läßt ihn von jeder höheren Macht unabhängig erscheinen, läßt ihm kein Bedüifniß nach einem höheren Ziel des Lebens aufkommen, läßt ihn vor lauter Genuß keine Zeit und keine Ruhe finden, an Gott und seinen Anspruch auch nur zu denken, geschweige denn ihm zu genügen. Sein Reichthum zieht ihm einen Schwarm von Schmeichlern in seine Umgebung, welche selbst ein Kalb, sobald es nur von Gold ist, zu ihrem Götzen erheben. Er glaubt deßhalb leicht, was er so gerne hört, daß ihm sein erhöhter Besitzstand auch eine erhöhte Intelligenz und Bildung etngebracht hätte, er frägt nicht wer und wo Gott sei, er hat ihn in sich selber gefunden. Mit seiner goldenen Wünschelruthe vermag er sich in der That so vieles mit Leichtigkeit zu verschaffen, was andere bitter entbehren, daß er sich leicht beredet, das treue Festhalten an Gott und seinem Worte sei nur eine Krücke und Stütze für die materiell Schwachen und Armen, aber für seine bevorzugte Stellung sei es ein überwundener Standpunkt, die Thora auch im Reichthum zu erfüllen. Wägt man nun die Gefahren ab, die der Reichthum einerseits und die Armuth andererseits für die treue Hingebung an Gott und sein Gesetz im Gefolge haben, so ergiebt sich, daß die Hindernisse, welche die Armuth, der Sittlichkeit und Selbstvollendung bereitet, thatsächlich vorhanden sind, während die des Reichthums nur auf Einbildung und Selbsttäuschung beruhen. Die tägliche Erfahrung lehrt nun, daß der Feind, den wir im eigenen Innern herumtragen, schwerer zu überwinden ist, als die feindlichen Mächte, die von außen auf uns einstürmen. — Daß die Gefahren des Reichthums seltener überwunden werden, als die der, Armuth, daß die geringere Zahl der Begüterten und Reichen mit einem viel höheren Prozentsatz an dem großen Contingent der Unredlichen, Gewissenlosen und notorisch Schlechten betheiligt ist, als die überwältigende Zahl der Enterbten und Armen. Unsere landläufige Anschauung stellt dies zwar bewußt und unbewußt in Abrede, wie dies bei der allgemeinen Vergötterung von Genuß und Besitz nicht anders erwartet werden kann. Im Sprichwort schändet Armuth nicht und ist Reichthum keine Ehre, aber in Wirklichkeit, in der Praxis? „Er war ein armer i aber ehrlicher Mann", ist die stehende Redensart, welche die wahre Gesinnung, wie sie in den meisten , Herzen lebt, sofort verräth. Mit aber leiten wir ' immer einen Gedanken ein, der im Gegensätze zu! der bisherigen Voraussetzung steht, den wir daher! nicht erwartet hätten. Wir halten die Armuth in . der Praxis schon an und für sich für ein Verbrei chen, sonst hätte das „aber" keinen Sinn, mit dem . wir die Ehrlichkeit des armen Mannes zu versehen . für gut finden. Würde es nach den Elfahrungen j unserer Tage nicht logisch richtiger sein, z» sagen: j „Er war ein reicher, aber ehrlicher Mann?" > Wie aber w ir auch darüber denken mögen, ( die Salomonische Spruchwetsheit in den oben angeführten Spiüchen hält die Gefahren des Reichthums für bedenklicher als die der Armuth. Von , der Armuth fürchtet sie, zum Diebe, von dem Reichj thum aber zum Gottesleugner zu werden. Rabbi j Jonathan lehrt uns nun in demselben Sinne. Die Gefahren, w lche die Armuth der Aufrechterhaltung j der Thora entgegen stillt als Vorstufe und Prüj fungsschule für diejenigen des Rerchthums anzusehen.; Die Selbstverleugnung, die Bewahrung und Bewährung der sittlichen Kraft, die Jemand den Sorgen der Armmh gegenüber geübt, stattet den Sieger in diesem Kampfe dann mit der freien Energie aus, j auch im Ueberfluß des Reichthums sein besseres Selbst nicht zu verlieren, auch in der Fülle des ' Wohlstands die Thora aufrecht zu erhalten.! Israels ganze Geschichte ist nichts als eine j solche Prüfungsschule, um es durch Leid und Elend; und das rückhaltlose Gottvertrauen, welches eine ' solche Armuth und Abhängigkeit fordert, für die i Zeit der Selbstständigkeit und des Retchthums vorj zubereiten, und so den drohenden Gefahren des Ueberflusses mit Erfolg entgegentreten zu können. 1 Dafür führte es Gott vierzig Jahre in der Wüste j umher, damit es lerne die Thora ’jiyo ohne alle j äußeren Existenzmittel aufrecht zu erhalten, für die -! Zeit, wenn es in die Lage komme, in dem Ueberfluß eines Landes, das von Milch und Honig überströmt, ] sie i*nyo in der reichen Fülle aller Lebensgüter ' hochzuhalten. *pm Va ns man „Bleibe des ganzen; Wegs eingedenk", lautet daher die Mahnung des scheidenden Führers, „den Gott dein Gott, dich vier- > zig Jahre in der Wüste geführt, um dich darben zu lassen, dich zu erproben, damit du erkennest, wie j es mit deinem Herzen bestellt ist, ob du seine Gei bote hüten wirst oder nicht. Er ließ dich darben, i ließ dich hungern und fpetfte dich dann mir dem! ] Man, das du nicht gekannt und deine Väter nicht \ gekannt, um dich erfahren zu lassen, daß i , nicht durch Brod allein, der Mensch das Leben zu! i

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