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Der Israelit · 1893-04-13 · Heft 30 (13.4.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 30 (13.4.1893)
Date
1893-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX1T. Jahrgang. JSß gO Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthmn. Begründet von Dr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, de» 13. April 5653 (1893). Leitender Artikel. Sprüche der Hüter. Viertes Buch. LVIII. Mainz, 12. April. Hervorragende Erklärer der Pirke Aboth fassen den Satz: wira minn m D”pon bi, „Wer die Thora aus Armuth erfüllt, wird sie füglich auch in Reichthum erfüllen, und wer die Thora aus Reichthum unerfüllt läßt, wird sie füglich aus Armuth unerfüllt lassen", nicht als eine Verheißung auf, sondern als einen psychologischen Erfahrungssutz. Auch in diesem Sinne gibt er einer überaus veoeu.samen Wahrheit Ausdruck. Armuth und Reichihum sind die beiden großen Gefahren, welche die Sittlichkeit und pflichttreue Hingebung des Menschen an den göttlichen Willen am meisten bedrohen, sie sind die Klippen, an welchen jede menschliche Vollendung am öftesten und leichtesten scheitert. Deßhalb betete der Weiseste auf Erden: „Zweierlei erbitte ich von Dir, versage es mir nicht, bevor ich sterbe. Nichtigkeit und täuschendes Wort halte fern von mir, Armuth und Reichthum gib mir nicht, gib mir mein bestimmtes Brod zur Nahrung. Damit ich nicht gesättigt zum Leugner werde und spreche: „Wer ist Gott Y!" und damit ich nicht arm zum Diebe werde und mich am Namen meines Gottes vergreife." (Spr. Sal., C. 30, V. 7—9.) Der Arme, dem die Mittel zur Fristung seines Daseins nur kläglich gewährt oder gänzlich versagt sind, den die Noth und die Sorge des Tages mit bleiernen Gewichten unablässig zu Boden zieht: ihm wird es schwer, den freien Schwung der Seele sich zu wahren, der den Blick von der Erde und ihrem Getriebe ablenkt und ihn aufwärts zu Gott und seinem Gesetze richtet. Für ihn ist der bloße feste Schutt auf dem schmalen Wege der Pflicht eine dornenvolle Aufgabe! Er kann ohne Aufgebot aller Kraft keinen Fuß breit vorwärts thun, während er das fortwährende Bewußtsein hat, er braucht nur um ein Haarbreit von der steilen, Gott gewiesenen Bahn abzuweichen, und er wandelte auf Rosen. Auf geradem, redlichen Wege den Biffen Brod zu verdienen und sich und die Seinen in Ehre zu erhalten, das ist für ihn mit unsäglichen Kämpfen und Entsagui gen verknüpft. Neben sich sieht er die große Z ihl von Glücksrittern und Dividendenjägern heiter und sorgenlos ihre vom Selbst-Interesse und Leichtsinn vorgezeichneten Bahnen ziehen. Er könnte es ebenso gut thun, wenn ihn der Gedanke an Gott nicht zurückhielte, der feinen Abscheu über dieses Treiben mit den Worten bi rwiy in 't nayin i»iy nffiy ausgesprochen hat. Aber der Leichtsinn trtumphirt und seine Anhänger reüssiren, gelangen zu Mitteln und Titeln, zu Aemtern und Ehren, während der gewissenhaft seines Weges Ziehende sich sein hartes Lebensgeschick noch freiwillig erschwert. Er könnte so gut wie die andern die Gesetze über Speis und Trank leichtsinnig htntansetzen und sich so das Leben leichter und freundlicher gestalten, auch er könnte die Tage der Ruhe und Weihe aus seinem Leben streichen, aber er bleibt treu seinem Gott und der von ihm gebotenen Pflicht. Er erträgt den Druck der Sorge, den Spott seiner Umgebung und die Last, die ihm seine Lebenspflicht auferlegt. Schwer jedoch bleibt es, unter solchen Verhältnissen dem Willen Gottes die volle Treue zu bewahren, das trostvolle Bewußtsein nicht zu verlieren, daß Gott auch über jeden seiner Schritte wacht, nicht zu wähnen, Gott habe seine fürsorgende Liebesnähe ihm abgewandt und sei denen gewährt, die sein Sittengesetz verachten und es öffentlich mit Füßen treten. Wie Viele haben die Probe nicht bestanden, wie Viele unterliegen ihr täglich! Wie Viele werden durch das Stück Brod, das sie zur Erhaltung des Lebens suchen, zu Verbrechern, wie Wenigen gelingt es, in dem heißen

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