Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1893)
- Date
- 1893-04-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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544 los alles Glück auf Erden, aber sich Gleiches wünschen beißt ja lange nicht mißgönnen; — obwohl ich hoffe, daß Lea Arnstein auch den höchsten Anforderungen, die mein Vater an seine Schwiegertochter stellt, entsprechen dürfte, würde es mich doch glücklich machen, wenn ich gewiß wüßte, daß sein Urtheil über diese eben so günstig als über seinen Schwiegersohn lauten würde." „Davon können Sie vollkommen überzeugt sein, junger Herr", erwiederte Deidelsheimer, „ich kenne ja unseres Rabbi Geschmack und habe auch Fräulein Lea Arnstein kennen gelernt. Als ich hier in Wien anlangte, begab ich mich, da ich hier ganz unbekannt war, zunächst in die Herberge der jüdischen Gemeinde. Ich fand dort eine junge Dame von auffallender Schönheit, die sich bei dem Verwalter erkundigte, ob arme, hilfsbedürftige Fremde angelangt seien. Der Verwalter war ihres Lobes übervoll l Er hat sie als das edelste Weib der ganzen Residenz bezeichnet und behauptet, es gäbe keinen zweiten Menschen auf der ganzen weiten Welt, der in so unverletzender, milder Weise Almosen geben, in so wundersam beruhigender Weise Trost und Beruhigung spenden könne, als Lea, die Tochter des reichen und gelehrten Hoffaktors Aron Arnstein. Nun aber weiß ich auch, daß unser Rabbi diesen in hohem Grade verehrt und estimirt. Als unser Rabbi im Jahre 1711 einen Aufruf an alle Glaubensgenossen in Europa erließ, für die durch die Feuersbrunst in Frankfurt verunglückten Glaubensbrüder Unterstützungen einzusenden, war Aron Arnftrin der Erste, der aus Wien eine überraschend große Summe einsandte, und damals hat der Rabbi ausdrücklich gesagt: Aron Arnstein zählt zu den besten Männern unserer Zeit! — Ich bin überzeugt auch die Schwie-! gertochter wird unserem Rabbi hoch willkommen sein." „Ich erinnere mich dessen genau", sprach Dina Fränkl, „mein Gatte hatte sich damals in lobendester Weise über Aron Arnstein ausgesprochen. Euer Vater wird Euch Beiden mit frohem Herzen seinen Segen und seine Genehmigung ertheilen. Freilich wird durch diese Reise Euere Vermählung verzögert." Deidelsheimer schüttelte mißbilligend das Haupt. „Verzeihen Sie, wenn ich mir erlaube meine Meinung über diese Angelegenheit auszusprechen. Diese geht dahin: die Hochzeit nicht aufzuschieben, und daß Fräulein Eva und Herr Rafael unserem Rabbi schon die Anzeige ihrer Vermählung überbringen. Ich möchte, daß sein Wunsch buchstäblich in Erfüllung ginge; daß er erfahre, Sie haben schon glückliche Ehen eingegangen. Ich kenne ja unseres Rabbi Anschauungen, er würde es nicht billigen, vielleicht sogar mit scharfen Worten tadeln, daß um der Reise willen die Vermählungen aufgeschoben wurden. Sie wissen es ja, Herr Rafael, daß dies in der That den rabbinischen Bestimmungen zuwidergehandelt wäre." „Unser Deidelsheimer hat Recht", entschied Frau Dina, „wir werden seinem weisen Rathe folgen. Ich will das Glück haben. Euch Beide mit Gottes Hilfe unter den Trauhimmel zu führen, dann gehen wir alle nach Jerusalem, dorthin ruft mich die Pflicht! Ich bleib' als treue Pflegerin bei meinem Gatten, auch nicht der Tod soll uns von einander scheiden, auch im Grabe soll meine ird'sche Hülle neben seiner ruhen! — Ihr aber kehrt von unseren reichsten Segenssprüchen begleitet in Euere neue Heimaih zurück!" (Fortsetzung folgt.) Der .Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len öuchhanüri 5« besir-rn bei d. $. Strtnacker, Leipzig, Uoßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öftere., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandten Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauprblatt): Reuender Aruket: Spruche der Valer. — Zeurriigsuachrrchlen und ^orreipondenzen: Deutsch' land: Marburg. Frankfurt a. M. Lübeck. Göltingen. Haigerloch. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kühn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Tekuphoth. Von L. Cohen in Rees a. Rh. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Köln. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rußland: Moskau. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Extra-Beilage: Verzeichniß werthvoller Werke aus allen Gebieten jüdischer Wissenschaft von Wilh. Jacobsohn Co. in Breslau. Verantwortliche Redacüon: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schotlstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag d:r Job. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.