Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1893)
- Date
- 1893-04-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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543 zu erfahren, daß meine Kinder glücklich verheirathet sind. Das Wort Gottes: lo tow hejos hoodom lewado 2), füfl ebenso befolgt werden, als irgend ein anderes seiner Gebote. Meine Kinder stehen in dem Alter eine Ehe einzugehen und besitzen alle Eigenschaften, indem sie einen andern beglücken, ihr eigenes Glück zu finden. Ich bin überzeugt, daß meiner Kinder Wahl nur auf eine würdige Person fallen wird und wenn meine kluge Frau, die fürsorglichste Mutter, die es gibt, sich mit ihrer Wahl einverstanden erklärt, dann wird von weiter Ferne aus auch mein reichster Vatersegen sie zum Trauhimmel begleiten. Und noch viel Angenehmes kann ich Ihnen künden. Unser Rabbi billigt Ihre Wahl, Fräulein Eva, ich Hab' dies ausdrücklich aus seinem Munde gehört und — er hat Herrn Perez Markbreiter in der That schon seinen Segen ertheit." „Hab' ich auch recht gehört?" rief Eva erstaunt, ungläubig aufblickend. „Was sprichst Du, lieber, guter Josel?" „Die volle, reine Wahrheit", erwiederte Deidelsheimer „die Sache hat sich folgender Weise zugetragen. Bei unserer Fahrt nach der heiligen Stadt mußten wir über Sabbat in Preßburg bleiben. Ich bemühte mich jede Annäherung mit Fremden zu vermeiden, weil ich befürchtete, der offene, jeder Verstellung unfähige Rabbi, der nie ein Wort sprach , das nicht vollständig mit der Wahrheit übereinstimmte, könne sich leicht verrathen und wenn wir in einem Gasthause wohnen mußten, aßen wir auf unserer Stube. Diesmal aber waren wir gezwungen eine Ausnahme zu machen und mußten Freitag Abend in dem großen, gemeinschaftlichen Speisezimmer unser Abendmahl verzehren. Das Zimmer war von Gästen überfüllt und um möglichst unbemerkt zu bleiben, nahmen wir in einer kleinen Zimmerecke Platz. Kurz darauf betrat ein junger Mann das Zimmer. Schon beim ersten Anblicke mußte er auffallen, er überragte wie König Saul um Kopfeslänge alle Andern. Ein Zug leichter Verlegenheit spielte auf seinen Zügen, als er mit raschem Blick das Zimmer überfliegend, erkannte, daß alle Plätze bis auf einem an unserem kleinen Tische besetzt waren. Mit bescheidenem Anstande nahte er sich dem Rabbi, in gutgewählten Worten um die Erlaubniß bittend sich an unserem Tische niederlassen zu dürfen, die unser Rabbi in seiner milden Weise gütig ertheile. Zu meinem Erstaunen bemerkte ich, daß unser Rabbi, der stets in sich gekehrt, sich sonst wenig um das kümmert, was rings um ihn vorgeht, den schönen, jungen Mann mit unverkennbarem Wohlwollen be- 2) Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibe. Gen. Cap. 2, L. 18. trachtete. Wie Sie wissen, spricht unser Rabbi, wie es die religiöse Vorschrift fordert, bei jeder Mahlzeit viivrtz Thon)3) und richtete hierbei zumeist das Wort an mich, allein der junge Fremde bewies für diese nicht nur lebhafte Theilnahme, sondern auch tiefes Verständniß, so daß er sich von des Rabbis Wohlgefallen an ihn noch sichtlich steigerte. Allein auch der Jüngling ward von des Rabbis imponirender Persönlichkeit so hingerissen fühlte, daß er, bevor er sich von uns verabschiedete, zum Rabbi sprach: Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen und wage es auch nicht nach Ihren Namen zu fragen, ich erkenne nur, daß Sie zu den Großen in Israel zählen, und da möchte ich eine Bitte an Sie richten", und als der Rabbi ihn durch ein freundliches Kopfnicken ermuthigte diese auszusprechen, fuhr er fort: Ich bin das einzige Kind meiner Eltern und am Freitag Abend ertheilt mir mein guter Vater — Gott möge mir ihn noch recht lange erhalten — seinen Segen. Heute wo ich ferne von der Heimath bin, muß ich diesen entbehren und das — Sie werden vielleicht darüber lächeln — vermindert meine Sabbatfreude. Darum möchte ich Sie ergebenst bitten, an Stelle meines Vaters, Ihre Hände segnend auf mein Haupt zu legen, mich würde es hocherfreuen und auch mein Vater, der Nikolsburger Primator Aron Markbreiter wird — wenn ich ihm dies berichte — dem^unbekannten frommen Greise zum besten Danke verpflichtet sein" — und der Rabbi willfahrte seinem Wunsche. Als ich mich dann allein mit dem Rabbi in unserem Schlafzimmer befand, sprach der sonst so schweigsame, verschlossene Rabbi, der selten unaufgefordert Lob und Tadel ausspricht: Das ist ein junger Mann nach meinem Sinne, meinem Herzen, einen solchen wünsche ich meiner Eva zum Gatten!" Eva erröthete vor Freude und sprach: „Wie g'ücklich Du, lieber, guter Josel, mich durch diese Mittheilung machst!" und Rafael sprach mit vergnügtem Lachen: „Ja, mein zukünftiger Schwager, Perez Markbreiter, ist ein Mann, der rasch Herzen gewinnt. Bei seinem ersten Begegnen mit Euch, liebe Mutter und Schwester, mußte sein Auftreten einen mächtig erschütternden Eindruck hervorgerufen haben, ich selbst hatte ihn das erstemal im Kabinete des Oberhoffaktors wenige Minuten sprechen hören und fühlte mich gedrängt, an dem mir ganz fremden Manne heranzutreten und ihm warm die Hand zu drücken — und wie ich nun mit Freuden vernommen, hat der Zauber seiner bestrickenden Persönlichkeit ihm auch unseres theuern Vaters Gunst gewonnen. Ich wünsche Dir liebe Schwester neid- 3) Ueber religiös-wissenschaftliche Themata.