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Der Israelit · 1893-04-10 · Heft 29 (10.4.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 29 (10.4.1893)
Date
1893-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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542 verfehlen in rechter Weise auf die Gemücher derselben zu wirken und Liebe und Achtung einzutragen. Und in der That wird wohl selten Jemand sich die Herzen in so hohem Grade gewonnen haben, wie der Verblichene sie besessen hat. Ganz besonders aber hing ihm unsere Gemeinde mit ganzer Seele und in voller Verehrung an, eine Verehrung, die sich auch heute bei seinem Leichenbegängnisse kundgab, zu dem Alles, ja Alles, aucb aus der Ferne, wohin Viele des Geschäftes wegen sich begeben hatten, herbeieilte. Und so möge er in Frieden ruhen und im Jenseits die Früchte seiner schönen Thaten genießen. -£» Vermischtes. ■*- Dettingen, 17. März. Die vom Lokalschulinspektor Pfarrer Meyer angeregte und von der israel. Cultusverwaltung sodann veranstaltete Jubiläumsfeier zu Ehren des 25jährigen Wirkens des hiesigen Lehrers F. Strauß hat einen herrlichen Verlauf genommen. Als Ehrengäste waren geladen und erschienen Hr. Regierungsrath Herrmann, Hr. Distriktsrabbiner vr. Kohn, die Protest, und kathol. Stadtgeistlichkeit, Hr. Studienlehrer Haußner als Vertreter der Lateinschule, Hr. Bürgermeister Beyhl mit sämmtlichen Herren Magistratsräthen, und zwei Vertreter des Gemeindecollegiums. Die Feier wurde durch einen Gesang der Kinder eröffnet. Die erste Rede hielt Distriktsschulinspektor Pfarrer Meyer. Rabbiner vr. Kohn ergriff sodann das Wort, um der unschätzbaren Verdienste zu gedenken, welche Hr. Strauß als Religions-Lehrer sich erworben habe. Lehrer Bachmann sprach als Vorstand des Bezirkslehrervereins, Regierungsrath Herrmann von Nördlingen gab seiner vollen Anerkennung und Zufriedenheit mit dem Wirken des Herrn Lehrers Strauß Ausdruck und sprach den Wunsch aus, daß er zum Wohle der Gemeinde noch lange wirken könne. Er freue sich des heutigen Festes, denn eine Gemeinde, welche die Verdienste ihres Lehrers anerkenne, ehre sich selbst. Er beglückwünsche die Cultusverwaltung und schließe mit einem Hoch auf dieselbe. Mit Absingen des Bundesliedes durch die zahlreich anwesenden Herren Lehrer war der offizielle Theil der Festlichkeit beendet. In der zweiten Abtheilung trugen mehrere Kinder hübsche Gedichte vor. Herr Lehrer Strauß ergriff nun das Wort, um in tiefer Rührung seinem Danke für die vielen Beweise der Liebe und Hochachtung, die ihm heute entgegengebracht werden, Ausdruck zu geben. Bei seinem Amtsantritt habe ihm sein damaliger Lokalschulinspektor, der heute anwesende Hr. Dekan Rothgangel, die Worte zugerufen : „Halten Sie getreu an den Satzungen Ihrer Religion, seien Sic ein Muster und Vorbild Ihrer Gemeinde." Diese Worte seien ihm der Leitstern für sein Wirken geblieben in seinem doppelten Berufe als Lehrer und Religionslehrer. Es sprachen noch Dr. Rothgangel, Bankier Steiner und Lehrer Westermeyer aus Hainsfarth. Sämmtliche Redner waren voll des Lobes über die segensreiche Wirksamkeit des Jubilars, der, wie Rabbiner Dr. Cohn hervorhob, durch tiefempfundene Lehren seinen Schülern den festen Glauben in die Brust gesenkt und durch seinen eigenen Lebenswandel in Gottesfurcht ein leuchtendes Beispiel seiner Gemeinde gegeben, so daß die hiesige isr. Gemeinde in religiöser Beziehung zu den hervorragendsten unseres Vaterlandes zählt. Der Jubilar wurde auch von seinen gegenwärtigen und früheren Schülern reichlich beschenkt. Auf Anregung des Distriktsschulinspektors Pfarrer Meyer wurde zur Erinnerung dieses Tages eine Collecte zur Gründung einer Schülerbibliothek veranstaltet, die nunmehr bald angelegt werden soll. ^eniUetoit. „Fiirstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (64. Fortsetzung.) „Der Rabbi wohnt in dem Hause eines frommen, vertrauenswürdigen Mannes, der mir von den dortigen Chachamim empfohlen wurde, der ihn hoch hält und mit kindlicher Liebe verehrt. Diesem habe ich eine größere Geldsumme, welche für die geringen Bedürfnisse unseres Rabbi lange Zeit ausreicht, übergeben und versprochen, ihm trotzdem in kurzer Zeit Geld zu senden." „Ich werde es ihm persönlich überbringen", sprach Rafael. „Ich sehne mich endlos nach dem Vater, ich muß ihn, so's Gott beliebt, sehen und sprechen. Ich will ihn auch um seine Genehmigung und seinen Vatersegen zu meiner Ehe mit Lea Arnstein bitten." „Ich begleite Dich! ' rief Eva. „Wie uns der würdige Oberhoffaktor Samson Wertheimer mittheilte, wird" sie senkte purpurn erglühend den Blick zu Boden, „Perez Markbreiter mit seinen Eltern nach Wien kommen, um seine Werbung um meine Hand zu wiederholen und nun ist durch Gottes Gnade, der Grund, der uns bisher gezwungen, dieselbe abzulehnen, weggefallen. Ich möchte nebst meiner theuern Mutter Genehmigung und Segen, mir beides auch vom Vater erbitten." Deidelsheimer horchte gespannt auf, seine Wangen rötheten sich vor freudiger Erregung und mit fröhlichem Lachen rief er: „Was ich so eben höre, macht mich glücklich und wird auch unseren Rabbi hoch erfreuen, denn bevor ich von ihm schied, sprach sein Peh hakodesch zu mir: Ich Hab' es Dir schon gesagt, ich bin, wie von dem Dasein meiner Seele, davon überzeugt, daß Gott meine Familie in seinem Schutz genommen, sie gerettet und erhalten hat. Wenn Du meine Frau und meine Kinder sehen solltest, überbringe ihnen meine besten Grüße, meinen herzlichsten Dank für die Liebe und Treue, die sie mir bewiesen, sag' ihnen, daß ich ihrer stets gedenken und daß mein letzter Athemzug noch ein Gebet für sie zum Allvater sein wird. Sag' ihnen, daß ich mit dieser Welt für immer abgeschlossen und mich hier in der heiligen Stadt, in meinem einsamen, beschaulichen Leben glücklich fühle, sag' ihnen, daß ich hier auf Erden nur einen einzigen Wunsch hege, 1) Heiliger Mund.

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