Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1893)
- Date
- 1893-04-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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~—- 1 J.'.; 7Ru^'^M4.l.MME-lMWjWWWMWWYMW 538 Diese heroische Selbstlosigkeit, welche lieber in Armuth zu Grunde geht, als sich durch die Ehre der Thora vom Hungertode rettet, wie sie hier Rabbi Jonatha l geübt, sie ist es wohl', die sein Ausspruch mj/D mmn nx crpon bo feiert. Die so ertragene Armuth des Armen hält in Wahrheit die Thora aufrecht. Was wollen die Millionen, die der Reiche zur Aufrechterhaltung der Thora spendet, neben diesem Opfer bedeuten, das solche zur Ehre der Thora freiwillig übernommene Armuth der Thora weiht. Wie glücklich, wie reich mochte sich Rabbi Jonathan gedünkt haben, als es ihm gelungen den Bissen Brod seines fürstlichen Gönners zur Fristung des Lebens zu erhallen, ohne sein theuerstes Gut, seine Thora und ihre Ehre dafür einsetzen zu müssen. Rein, nicht wie reich dünkte er sich, wie reich war er in Wirklichkeit bei allem Mangel an äußeren Lebensgütern mit diesem Besitz seiner Thora. Rabbi Jonathan sagt ja nicht, daß die Aufrechthaltung der Thora durch Armuth, Besitz, Geld und Gut nach sich ziehe, sondern Reichthum ist es, was solche Erfüllung der Thora durch die Armuth zur Folge hat. Unserer Anschauung nach, heißt Geld besitzen, reich sein, und reich sein, heißt Geld haben. Rach der Anschauung unserer großen Weisen, die sie in diesen Sprüchen niedergelegt haben, heißt reich sein, zufrieden sein, ip^na nvni -wy mrx. Wer ist reich? Wer mit seinem Theil zufrieden ist. Die Werthschätzung von Geld und Gut in unserer Lebensanschauung geht so wett, daß wir den Besitzer dieser Güter nicht nur reich, sondern sogar „gut" nennen, und die stehende Frage im geschäftlichen Leben: ist der Mann gut? bedeutet: hat der Mann Geld? Geld haben und reich sein ist aber in der That nicht nur nicht daffelbe, sondern beides sind in Wirklichkeit ganz disparate Gegensätze. Nicht derjenige ist reich, der Geld hat, sondern derjenige ist es, der es entbehren kann. Wenn Jemand einen Kessel stiehlt, so ist er ein Kesseldieb, wenn Jemand eine Million stiehlt, so ist er ein Millionär. Der Respekt, der dem Millionär entgegengebracht wird, gilt aber nicht ihm, sondern seiner Million. Verliert er diese, so verliert er auch jenen. Die Achtung und Anerkennung, die dagegen dem redlichen, unbemittelten Manne entgegengebracht wird, gilt ausschließlich ihm selber, der daher von äußeren, materiellen Errungenschaften und Verlusten nicht erhöht und nicht geschmälert wird. Wenn der Redliche, Biedere und daher an und für sich Achtbare in den Besitz äußerer Glücksgüter gelangt und nun durch diese, mehr als ideelle Vorzüge in die Augen springende Momente, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenkt, so geschieht dies auf Kosten seiner Persönlichkeit, die dadurch zurücktritt und verkannt zu werden Gefahr läuft. Als Vater Jakob den Wohlstand, den ihm Gott in der Fremde beschicken, mit der Armuth vergleicht, mit der er einst aus dem Vaterhaus gegangen ist, so findet er, daß sein Besitzstand wohl größer, er selbst aber dadurch kleiner geworden ist, und er kleidct dieses Bewußtsein in die Worte: noxn D’-pnn ^dd »njöp. „Ich bin ganz klein geworden von all' den Wohlthaten und all' der Treue, die Du an Deinem Diener geübt, denn mit meinem Stock habe ich diesen Jordan überschritten und nun bin ich zu zwei Lagern geworden." (I. B. M., C. 32, V. 11.) Daß der Besitz nicht nur nicht reich. sondern geradezu dürftig macht, indem je größer er ist, um so gröbere Wünsche er nach neuem Besitz weckt, das haben in ihrer unvergleichlichen Weise unsere Weisen in dem Erfahrungssatz ausgesprochen: y« D'Piko nan njo )b «" iva mwn xaoi no qw. „Niemand stirbt und hätte auch nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt; hat Jemand Hundert, so möchte er Zweihundert haben." Wenn dieser Satz wahr ist, und jeder Tag bestätigt seine Wahrheit aufs neue, daß jedermann noch einmal so viel wünscht, als er bereits besitzt, so fehlt dem Millionär noch eine Million, während dem der nur Hunderte besitzt, eben nur Hunderte zu seinem vermeintlichen Glücke fehlen. Besteht der wahre Reichthum in Zufriedenheit, so ist der viele Güter besitzende und daher noch viele Güter sich wünschende, viel weiter von diesem wahren Retchthum der Zufriedenheit entfernt, als derjenige, welcher nur wenig besitzt und daher auch nur weniger weitgehende Wünsche und Pläne mit sich herumträgt. Wir haben an diese Lebensauffassung unserer Weisen erinnert, um zu beweisen, daß wenn sie von Reichthum sprechen, sie nicht dasjenige im Auge haben, was wir darunter verstehen. Wenn daher Rabbi Jonathan lehrt, daß derjenige, welcher die Thora in Armuth erfüllt, sie füglich in Reichthum erfüllen werde, so soll uns in erster Reihe wohl damit gesagt sein, daß die treue Erfüllung in der That wie nichts anderes geeignet ist, bte Entbehrungen und Bitternisse der Armuth vergessen zu machen, und ihre treuen Verehrer mit einer Heiterkeit und Zufriedenheit, mit einem Lebensglück und Seelenfrieden ausstattet , den der nur an Geld Reiche sich nicht für Millionen erkaufen kann. Damit ist aber das, was w i r Reichthum nennen, der Besitz an irdischen Gütern, nicht ausgeschlossen. Er wird in anderen Aussprüchen ganz ausdrücklich an die Beschäftigung mit der Thora geknüpft, allerdings mit einer Klausel, die allen diesen Sätzen beigefügt ist. So heißt es im Talmud Aboda sara fol. 19: ’Uem miro ama n: nan 'H p yann* ’m yrv^sö i'ddj mma pDiyn bs D’amaa o»N>aJä ddw nxTn man nan nx orrmi aman mma ama ”6 aman d*8’3» ytpyn im bi nx ^'attm \yüb qjw pob ddv n nurn i'sv nn mmn nso wo» xb int yann nx n^rrn w >a n aman ^>aa nwy^ morn u©n 'n nmna dnj»d aman D’ainaa «Hivvi Katern