Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 27-28 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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520 deutung mehr, da wir die Zeit des Peßach- und Sukkothfestes und somit auch die der übrigen Feste nach diesem Kalender, welchem der 19jährige Mondcyclus zu Grunde liegt, genau bestimmen können. Für die gegenwärtige Zeit hat nur noch die Berechnung der n»n nsipn eine Bedeutung, weil nach derselben der Tag bestimmt wird, an welchem nach talmudischer Vorschrift die nW oder Einschaltung des ->böi Vb in die own nro beginnt. Die Fruchtbarkeit Palästinas hing bekanntlich vom Regen ab, welcher während des Jahres 2 Mal in diesem Lande niederging und in der Bibel mv und vyhc d. i. Früh- und Spätregen heißt. Ersterer begann gewöhnlich um die Mitte October, nahm während des November und Dezember an Stärke zu und dauerte bis Februar, in welchem Monate er sich oft in Schnee verwandelte. Letzterer begann im März, um die Zeit der Ernte der Winterfrucht und der Aussaat der Sommerfrucht und war nur von kurzer Dauer. Diese Zeit war der eigentliche Sommer und das Regenhalbjahr der eigentliche Winter Palästina's. Das Ausbleiben, besonders des Frühregens hatte eine völlige Mißernte zur Folge und es wurde als göttliche Strafe angesehen. Es ist daher nichts natürlicher, als daß man nach Eintritt der Herbstnachtgleiche die Gebete um Regen etnschaltete. Nach Mischna Taanith I 3 schaltete man die Gebete um Regen n« D’Dtwn (hiervon das Wort schon am 3. Cheschwan, nach einem andern Mischnahlehrer R. Gamliel erst am 7. Cheschwan, d. i. 15 Tage nach raio ein. Die Discussionen der Talmudlehrer über diesen Punkt können uns hier nicht weiter beschäftigen und möge für unfern Zweck die Angabe genügen, daß der babylonische Talmud (Taanith 10 a.) den Zeitpunkt zur Einschaltung des ivvi bv auf den 60. Tag nach nttn 'n, welcher für alle Länder außerhalb Palästina's maßgebend ist, festgesetzt haben. Die Begründung dieses talmudischen Termins der Gelehrten Babylons liegt in den von Palästina abweichenden Boden- und Witterungsverhältnissen Babyloniens. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaclion dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Frankershausen, Kr. Eschwege, 15. März. Im allgemeinen Interesse bitte ich Sie folgende Zeilen in die Spalten Ihres w. Blattes aufnehmen zu wollen. — Diesen Sonntag war hier eine „Circus-Vorstellung". Wandernde Künstler, deren Hauptkraft ein ehemaliger Laufbursche aus dem antisemitischen Orte Spangenberg repräsentirte, gaben hier eine grandiose Vorstellung. Mehrere Freunde mit mir folgten der Einladung, und waren wir nicht wenig enttäuscht von den mangelhaften Leistungen, die uns hier für Geld gezeigt worden waren. Im Saale auf und abwärts schritt ein Mann, dessen begeisterter Gesichtsausdruck Zeugniß dafür ablegte, daß er sich für die Vorstellung lebhaft interessirte. Kurz vor Schluß der Vorstellung blieb die unter „fahrenden Künstlern" unvermeidliche Tellersammlung natürlich nicht aus, und da ich zufällig keine kleinere Münze bei der Hand hatte, entledigte ich mich eines Zweigroschenstückes. — Die „Vorstellung" war beendet. Um mich von dem Schrecke der Enttäuschung zu stärken, suchte ich nun von meinen Freunden begleitet das Wirthshaus auf. Dort traf ich jenen Mann, der sich so sehr für die Vorstellung interessirt hatte. — Plötzlich trat die „Hauptkraft" des „Circus" in die Gaststube und bat um die Erlaubniß sich als „Kautschukmann" produciren zu dürfen. — Es war daher nichts mehr als billig den armen Künstler mit einem Trinkgeld zu belohnen. Meine Freunde entledigten ihre Börsen sämmtlichen Kleingeldes, und auch ich wandte mich an meine Freunde mir mit Kleingeld dienen zu wollen. Da ereignete sich das Unerhörte, der erste Lehrer des Dorfes, der Vertreter der Intelligenz und Bildung, sagte plötzlich auf mich deutend: „Dem da schadets nicht, der kann auch etwas mehr geben!" Und als ich schweigend mir den Anschein gab die fre—te Ausdrucksweise überhört zu haben, und einer meiner Freunde sich bemühte mir ein Goldstück in kleinere Münze umzuwandeln, fuhr derselbe laut fort: „Der da hat noch nichts gegeben. Der da muß auch geben!" rc. rc. Da ich den Sprecher für einen Landbebauer und nicht für den Lehrer des Dorfes hielt, erwiederte ich in bescheidener Weise, daß ich soeben Kleingeld erhalte, und er so lange noch Geduld haben möchte. Als ich beim Verlassen des Gasthauses jedoch erfuhr, daß der Herr den ersten Lehrer des Dorfes repräsenttrt, beschloß ich, ihn über seine fre—ie Ausdrucksweise zur Rede zu stellen. — Einen eingeschriebenen Brief, den ich ihm sandte, nahm er, — da er die Absicht merkte und verstimmt ward — nicht an. Möge der treue Anhänger Ahlwardt's nun durch Ihr geschätztes Blatt erfahren, was er wissen soll. 1. Tragen wir seit einer Reihe von Jahren den langen Zopf nicht mehr, und mit dem Zopfe zugleich ist die Anrede per „Er" rc. fortgefallen. 2. Habe ich, so viel ich mich entsinnen kann, mit dem antisemitischen Lehrer des Dorfes Frankershausen, mit dem Lehrer Hoßfeld, noch nicht das Verj gnügen-gehabt Schweine zusammen.hütenz zu dürfen.