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Der Israelit · 1893-03-31 · Heft 27-28 (31.3.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 27-28 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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511 nicht ergriffen hat, so daß der ganze Lebenszweck eines Abraham: das Bewußtsein von Gott der gesammten Menschheit zu bringen nicht einmal durch den Auszug aus Egypten endgiltig erreicht worden wäre, indem es immer noch dem Fluche verfallene nichtjüdische Kreise gäbe, den Namen Gottes nicht zu kennen, diese müßten durch den Grimm Gottes belehrt werden, der sich dann über sie ergösse." „Wenn nun einzelne von den Nichtjuden, unter deren Schutz wir im Exile leben, geglaubt haben, daß wir sie mit diesen Worten lästern, so steht dem unsere klar ausgesprochene Pflicht entgegen, die uns vorschreibt, für ihr Wohl zu beten. Wie könnten wir nun zwei sich so widersprechende Gebete an Gott, gepriesen sei sein Name, richten?'. Da sei Gott vor, daß wir selbst im geheimsten Schlafgemache den König lästern sollten, unter deffen Schutz wir leben! Das bezeugen ja gerade diese Sätze, mit welchen wir sagen, daß Gott seinen Grimm ausschütten möge, über die Völker, die ihn nicht kennen, die z. B. die Thatsache des Auszugs aus Egypten mit allen daran sich knüpfenden Zeichen und Wundern in Abrede stellen. Nun ist es doch durchaus ausgemacht, daß alle hier in Betracht kommenden Nichtjuden, unter welchen sich die Exulanten der israelitischen Nation zerstreut finden, von dem Auszug aus Egypten wohl Kunde haben, davon überzeugt sind und seine Bedeutung kennen. Sagen wir somit doch ausdrücklich, daß Gott über diejenigen, die seinen Namen wohl kennen, seinen Grimm nicht ergießen möge. Weil aber die Zerstörer des Tempelhetligthums diese Religion nicht hatten, die heute bei den Christen und Mohamedanern verbreitet ist — denn sie existirten damals noch nicht — sie waren vielmehr Götzendiener, deßhalb folgt hier zur Klarstellung der Satz, daß jene Ntchtjuden, die das Tempelheiligthum zerstörten, Gott eben nicht kannten, und deßhalb Jakob verzehrten und seine Tempelstätte verwüsteten. Aber unsere Christen und ebenso die Bekenner des Islam, kennen Gott, und erkennen die Thatsache des Auszugs aus Egypten an, es wäre eine Selbstentwürdigung, sie auf Grund unseres Gesetzes lästern zu wollen!" „Selbst wenn wir uns sonst hinreißen lassen, diejenigen zu verwünschen die uns Böses thun und uns widerrechtlich kränken, so geschieht dies Gott behüte, nicht mit Billigung unseres Religionsgesetzes. Es ist dies eben menschlich, daß Jemand denjenigen verwünscht, der ihm gehässig entgegen tritt. Verwünscht doch Jemand den eigenen Sohn oder Bruder, wenn er feindlich gl gen ihn handelt oder ungerecht gegen ihn verfährt. So könnte es auch bet unS Vorkommen, daß wir in bestimmten, einzelnen Fällen eine Berwün fchung aussprechen. Aber fern sei es unS eine Nation in ihrer Gesammtheit zu verwünschen, selbst wenn sich einzelne unter ihr finden, die uns wehe thun; das entspricht nicht dem Willen Gottes. Rief es dvch schon der erste aller Gläubigen aus, daß das nicht dem Willen Gottes entsprechen kann, mit den Worten: „Willst du den Unschuldigen mit dem Schuldigen hinraffen?" So sprach der Meister aller Propheten: „Ein einziger Mann hat gefehlt, und über die ganze Gemeinde wolltest du zürnen?" „Aus diesen Stellen geht klar hervor, daß wir auf Grund unseres Religonsgesetzes nicht berechtigt sind, eine Verwünschung gegen solche Völker auszusprechen, die Gott anerkennen, und den Auszug aus Egypten, wenn sie auch die Thora sonst nicht angenommen haben. War uns doch selbst die Eroberung Kanans erst nach dem Auszuge aus Egypten gestattet, wo Gottes Wollen so offen zu Tage trat, und von seinen Völkern trotzdem nicht anerkannt wurde. Deshalb folgen auf diese Sätze die Psalmworte: „Nicht uns, nicht uns, sondern deinem Namen gewähre die Ehre." Das will sagen: Gott möge selbst über die Götzendiener seinen Zorn nicht ausschütten, weil sie Jakob verzehrt und seine Stätte verwüstet haben, sondern weil sie seinen Namen nicht anerkennen." Wir haben diesen Worten nichts hinzuzüfügen. Sie haben die neueste Entdeckung unserer Feinde schon vor dreihundert Jahren so vollständig in ihrer Nichtigkeit dargethan, daß es sich nicht verlohnt die anderen Aufschnüffelungen aus dem Machsor noch weiter Revue passiren zu lassen. — Solange die hier bemängelten Sätze noch in der Bibel stehen dürfen, wird es unseren Verleumdern auch nicht gelingen, ihre Einschaltung in die Pesach-Hagada mit Erfolg zu bemängeln. Wenn es etwas gtebt, was uns gegen solche hämische Angriffe zu feien vermag, so ist es eben unsere Pesach-Hagada selber. Sie weist uns darauf hin, wie eben unsere Feinde dafür sorgen, daß die geistige Errungenschaft unserer Väter den Enkeln nicht verloren geht. Wäre cs nur ein Einzelner in grauer Vergangenheit gewesen, aus dessen Macht uns Gottes Gnade befreit hat, so könnten wir diese an den Vätern geübte Wiedergeltung im Laufe der Jahrhunderte vielleicht vergessen. Wenn sich aber in jeder Zeit Feinde gegen uns erheben, und uns Gott seine schützende Gnade noch heute täglich angedeihen läßt, so verleiht die Feindschaft unserer Feinde, und die Erhaltung, die uns Gott angedeihen läßt, den von den Vätern aus der Vergangenheit überlieferten Erhaltungs-Wundern

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