Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 27-28 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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510 „Die Vorgänge ln Lauten seinerzeit", so beginnt der blutdürstige Ausfall, „konnte ich nicht mit Schweigen ansehen, denn für mich — wie für jeden gründlichen Kenner des Judenthums und seiner Lehren — besteht kein Zweifel, daß der Mord an dem christlichen Kinde durch Juden verübt worden ist. Durch mein Studium in der Kabbalah und im Talmud kam ich zu der festen Ueberzeugung, daß die Juden das Blut Andersgläubiger zu ihren rituellen Zwecken gebrauchen. Es ist mir unerträglich, in meinem Herzen die Wahrheit zu verbergen. Und so trat ich in die Oeffentlichkeit, um zum Heile der Wahrheit und Gerechtigkeit zu verhüten, daß noch mehr solcher schrecklichen Verbrechen begangen werden. Um so energischer heißt es hier Vorgehen, zumal in letzter Zeit einzelne zum Judenthum haltende evangelische Theologen, Professoren und abtrünnige Geistliche begonnen haben, die Juden zu unterstützen, um der naiven und unwissenden Christenwelt einen dichten Schleier über die Augen zu hängen, die Juden mit all den sophistischen Exegesen zu verteidigen und meine Person mundtodt zu machen. Man * suchte mich deshalb in der Presse unmöglich zu machen, wie es ja hinlänglich bekannt ist". „Zum Beweise hierfür werde ich einige dieser Gebete anführen, aus denen man ersehen kann, ob die Verwünschungen sich auf die Christen beziehen oder nicht. In dem Zeremonie! für die beiden ersten Osterabende findet man mitten in den Freuden und Dank- Gebeten, die wie natürlich, durch das Andenken an jene große Befreiung aus Egypten veranlaßt wurden, folgendes Gebet: "»#8 D:iarr*?$ -n# ^3# '3 : wiß kS ^£#3 rhqi ntstin ’iny-ngi. np#: :'-r w nnno diwdi ^3 r D. i. zu deutsch: „Schütte deinen Grimm aus auf die Heiden, die dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen. Denn sie haben Jakob aufgefressen und seine Wohnungen verwüstet *). Gieße deine Ungnade auf sie, und dein grimmiger Zorn ergreife sie 2). Verfolge sie mit Grimm und vertilge sie unter dem Himmel dcs Herrn" 3). (l) Psalm 79, 6—7.2) Psalm 69,25.3) Klagelieder 3, 66)." Daß für diese Dinge nicht die Pesach-Hagada — wenn sie nun doch so schwer zu verantworten * Man? Der Apostel Paulus Meyer wurde nicht etwa auf Betreiben der Juden, sondern auf Veranlassung des Pfarrers von Bodelschwing wegen verschiedener unqualifizirbarer Vergehen unmöglich gemacht, indem er aus Preußen ausgewiesen wurde. Red. sein sollen — verantwortlich ist, sondern das Buch der Psalmen und der Klagelieder, denen sie entnommen sind, ist für den Blutdurst des Herrn Mayer etwas unbrquem. Aber über solche Kleinigkeiten kommt Herr Mayer leicht hinweg. Er findet diese Sätze in der heiligen Schrift begreiflich. Auch während der Verfolgungen der Kreuzfahrer oder der Inquisitoren seien sie zu entschuldigen. Aber in der jetzigen Zeit sind sie Herrn Mayer unbegreiflich und unverzeihlich. Und er frägt: „Warum macht jenes Gebet noch immer einen Thetl des Zeremoniells aus?" Wie naiv! Wenn jene Stellen wirklich das besagten, was ihnen hier verlogener Weise insinuirt wird, wenn ferner die Juden wirklich so blutdürstig wären, wie hier gelogen wird, böten denn Vlutlügner dieses Schlags nicht Veranlassung genug zu einem solchen Gebete? Wenn an der Neige des neunzehnten Jahrhunderts, die Juden mit solch' mittelalterlichem Fanatismus überschüttet werden dürfen, und sie auf Erden, trotz aller Ctvilisation, trotz aller Preßgesetze, keinen Annehmer und Helfer haben, dann sollten sie nicht einmal zu ihrem Vater im Himmel emporblicken und von seinem Einschreiten die Vertilgung dieser Lügenbrut erbitten dürfen? Aber diese Sätze bedürfen der Rechtfertigung nicht, die in dem bloßen Vorhandensein von Kreaturen dieses Schlags liegt. Die Schandpresse. die von solchem Lug und Trug ihr Dasein fristet, mit ihren Hintermännern und Helfershelfern sind es in d^r That nicht, an welche der Jude denkt, wenn sich in der Gedächtnißstunde der Erlösung unserer Väter, diese Worte aus den bewegten Herzen über die betenden Lippen ringen. Was diese Sätze an dieser Stelle der Pesach Hagada bedeuten und sagen wollen, das kann jeder in jedem beliebigen Commentar der Hagada schel Pesach Nachlesen. Wir lassen z. B. hier in deutscher Uebersctzung die über dreihundert Jahre alte Erklärung von Rabbi Elteser Aschkenasi aus seinem Hagada-Commentar folgen: „Man hat es auffallend gefunden, welche Beziehung diese Sätze: Schütte deinen Grimm aus u. s. w., mitten in den Psalmen (114 ff ) haben, welche die Erlösung aus Egypten feiern. Der Zusammenhang scheint jedoch folgender zu sein: Nachdem der Verfasser der Hagadah den Auszug aus Mizrajim erzählt hat, wie die Ankunft Israels in Egypten und der Auszug von dort den unverkennbaren Zweck hatte, das Walten Gottes kund zu thuu, und alle Wunder und Zeichen aufgezählt sind, die Gott vollzogen, wollen diese Sätze aus Psalm 79 sagen: Wenn nach all dieser offenkundigen Manifestirung durch solche Wunderzeichen, es dennoch Nichtjuden und Königreiche geben sollte, welche diese Gottesoffenbarung