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Der Israelit · 1893-03-31 · Heft 27-28 (31.3.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 27-28 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ganz unbekannten Soldaten, der mich zuerst längere Zeit anstarrte, dann an mich herantrat und mich frug, ob er mich nicht schon einmal in Fürth gesehen habe und ob ich nicht den ehemaligen Oberrabbiner Hirsch Fränkl kenne. Ich that zuerst als wenn ich wenig deutsch verstände, erst als er langsam seine Frage wiederholte, antwortete ich in gebrochenem Deutsch, daß er sich irren müsse, daß ich nie in Fürth gewesen, den Rabbi nicht einmal dem Namen nach kenne. Ich frug ihn, weßhalb er sich um diesen kümmere, worauf er erzählte: Die meisten Leute in Ansbach glaubten, der Rabbi sei bei lebendigem Leibe gen Himmel gefahren, allein einige kluge Menschen seien anderer Meinung, glauben, daß er geflohen und da in Ungarn viele Juden wohnen und dort weniger gedrückt als anderwärts seien, dorthin geflüchtet sei — und da hätten sich nun mehrere unternehmende Männer, zu denen auch er zähle, sich bei einem kaiserlichen Regtmente, das nach Ungarn geschickt wurde, anwerben lassen, weniger um gegen die Moslims zu kämpfen, als um den Rabbi auszuspähen und dessen Auslieferung an den Markgrafen zu veranlassen, der sie dafür reichlich belohnen würde. Er hatte, so schloß er, geglaubt, ich wäre ein Fürther und kenne den Rabbiner persönlich, in welchem Falle es mir als Jude leicht gewesen wäre ihn und seine Kameraden auf die richtige Fährte zu bringen; wo ich dann ganz gewiß einen entsprechenden Antheil von dem Denunciantenlohne erhalten hätte. Ich ließ den Rabbi den ganzen Tag nicht aus seinem Zimmer gehen und gleich nach Sabbatausgang fuhren wir weiter. — Auch von Gefahren anderer Art waren wir bedroht gewesen. Wir waren einmal des Nachts in einem Walde von Räubern, ein anderesmal auf offener Straße von Wölfen angefallen worden. In beiden Fällen mußte ich von den Waffen, die ich bet mir trug, Gebrauch machen und wir entkamen durch Gottes Hilfe, beidemal glücklich. „Ich habe nicht Worte!" rief Rafael, „Dir, beispiellos edler, treuer, aufopfernder Freund zu danken! Was wäre aus unserem Vater geworden, wenn nicht Du ihm mit der zärtlichen Fürsorge eines Sohnes, mit Deiner großen Klugheit und unermüdlichen Ausdauer zur Seite gestanden wärst?! Wie oft hast Du Dfin Leben für ihn eingesetzt!" „Endlich waren wir nach zehnmonatlicher Reise an das Ziel derselben, in Jerusalem, angelangt. Unser Rabbi besuchte die dortigen Chachamim^) und nannte sich diesen. Er war ihnen wohl bekannt, der Ruf seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit war bis hierher gedrungen, und die jerusalemtttsche i Rabbiner hatten sich mehrmals mit wichtigen Schalos°) an unseren Rabbi gewendet. Sie empfingen ihn mit dem größten Jubel und der tiefsten Ehrfurcht und wollten ihm die höchsten Ehren erweisen, boten ihm den Vorsitz im Bes-Din an?), allein unser Rabbi erklärte mit aller Entschiedenheit, daß außer den Chachamim, denen gegenüber er nichts verhehlen wolle, kein Mensch im heiligen Lande seinen Namen erfahren dürfe, er wolle in größter Zurückgezogenheit, in tiefster Abgeschiedenheit leben. — Ich sandte nun durch einen Meschulach 8) der nach Europa ging, ein Schreiben an meine Frau, worin ich ihr anzeigte, daß wir glücklich in Jerusalem angelangt seien, und daß ich, sobald ich dem Rabbi entbehrlich mit Gottes Hilfe die Reise nach der Heimath antreten wolle. Ich blieb auch in der That so lange in Jerusalem bis sich der Rabbi dort eingewöhnt, und a.s endlich er selbst, mich in fast strengen Worten an meine Pflichten als Gatte und Familienvater gemahnte, und mich auch unbezwingbare Sehnsucht nach der Heimath zog, konnte ich von des Rabbis Segenssprüchen begleitet, mit voller Beruhigung von diesem scheiden. _ (Fortsetzung folgt.) 5) So werden bei den orientalischen und portugisischen Juden die Rabbiner genannt. 6) Anfragen über religiöse Angelegenheiten. 7) Rabbinats-Kollegium. 8) Sendbote. Diese sammelten bei der europäischen Judenheit Gelder zur Unterstützung der palästinensischen Juden'ein. Der ,3*taeUi* erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Breis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j» besiehe« bei E. $■ Kteinucker, Leipzig. Doßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut Lours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mrd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eiugefandten Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. Inhalt LHanptblatt): Leitender Artikel: Hagadah schel Pesach. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: Darmstadt. Frankfurt. Nürnberg. — Schweiz: Bern. — Feuilletorl: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Peßach-Hagada unter antisemitischer Lupe. —Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: Breslau. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Forts.) Inhalt der zweiten Beilage: Leitende Artikel: Die neueste Phase der Schweizerischen Schächtangelegenheit. — Die Tekuphoth. Von L. Cohen in Rees a. Rh. — Sprechsaal. — Vermischtes. Inhalt der ersten Belletrist. Beilage: Ein gestörter Sederabend. Erzählung von H. Berger. Inhalt der zweiten Belletrist. Beilage: Ein jüdischer Major in der preußischen Armee. Verantwortliche Redaetion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu fünf Beilagen.

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