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Der Israelit · 1893-03-31 · Heft 27-28 (31.3.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 27-28 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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505 Ein stets den Juden gemachter Vorwurf: „Die Juden sind ein internationales Volk; die bet uns wohnenden sind keine Deutschen", kam auch hier wieder zum Ausdruck. Wer als deutscher Bürger alle Pflichten gegen den Staat zu erfüllen hat, den Gesetzen unterworfen ist, das deutsche Bürgerrecht mit allen damit zusammenhängenden Anforderungen erworben, der ist ein Deutscher, ist als deutscher Bürger zu betrachten, mögen seine Eltern oder Voreltern herstammen, woher sie wollen. Als Herr L. v. S. auf die Vorzüge des Charakters der Juden vor den Germanen, ihre größere Nüchternheit, Strebsamkeit rc. zu sprechen kam, da konnte man erst recht die gefärbte Brille bemerken, durch welche er die Juden zu betrachten beliebt. Ihre angeblichen Vorzüge verwandeln sich bald in lauter Egoismus, kluge Berechnung zur Täuschung der Gojim. Auf uns machte die Rede den Eindruck, daß sie darauf berechnet war, die Leidenschaften der Masse zu erregen. Von einem wirklich politischen, vernünftigen und thatsächlich ausführbaren Vorschlag zu einer Reform der geschilderten und angeblich traurigen Verhältnisse, wie man es von den Führern eines „Reformvereins" eigentlich erwarten dürfte, haben wir nichts gehört, wenn anders die gewiß lächerliche Aufforderung: „Wir wollen den Juden gerne ihren ganzen Reichchum lassen, auch noch all unser Silber und Gold mitgeben, wenn sie Deutschland verlassen wollen", nicht als ein solcher gelten sollte. Doch so ist es mit diesen Führern, wenn sie, wie Herr Ahlwardt, im Reichstag aufgefordert werden, etwas zur Sache zu reden, dann verzichten sie auf das Wort. Frankfurt a. M. Seit nunmehr beinahe 30 Jahren besteht hier ein Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer und deren Wittwen und Waisen, Achawa genannt, der seine segensreiche Thätigkeit über alle deutschen Gaue erstreckt. So entnehmen wir beispielsweise dem diesjährigen Rechenschaftsberichte desselben, daß in den letzten drei Jahren folgende steigende Reihe von Unterstützungssummen gezahlt worden sind: Mk. 12515, 13390, 15630. Die lctztere Summe wurde unter 108 Personen vertheilt. Bedenkt man, daß der Jahresbeitrag nur 6 Mk., das Einkaufsgeld für die verschiedenen Altersstufen bis znm zurückgelegten 25., 30., 35., 40 Jahre entsprechend 15, 30, 45, 60 Mk. beträgt, so kann man nur dringend wünschen, daß jeder Lehrer Mitglied dieses thatkräftigen Vereins werde, um sich und den Seinigen für den Fall der Noth eine immerhin bcachtenswerthe Hilfe zu sichern. Vorsitzender des Vereins ist Herr Adolf Tedloe. Frankfurt a. M, 24. März. Die Prüfungen an der Realschule und höheren Mädchenschule der Israelitischen Religtonsgesellschaft, auf die Sie bereits in Ihrer letzten Nummer anläßlich Ihrer Mittheilungen aus dem Jahresbericht dieser Anstalten hinwiesen, fanden gestern und vorgestern mit gewohntem glänzenden Ergebniß statt. Besonderes Interesse war diesmal dem Prüfungsfache des Französischen an den unteren Klaffen zugewandt. Es war eine Freude zu hören, wie geschickt die Kleinen sich der fremden Sprache bedienten. Bei dem Schlußakt ermahnte Herr Direktor Dr. Hirsch, der auch diesmal wieder vom Kgl. Provinzialschulkollegium zum stellvertretenden Kommissar bei der Entlassungsprüfung ernannt worden war, die abgehenden Schüler und Schülerinnen, dem Geiste, in dem sie erzogen worden seien, treu zu bleiben, und auch wenn sie Enttäuschung und Verstimmung erfahren sollten im Leben draußen, wo jetzt manche traurige Verirrung allerdings G. s. D. nur kleine Bruchtheile unseres deutschen Volkes ergriffen habe, immerdar den Satz zu beherzigen nara rmi, in Erfüllung der Gottesgebote, in Handel und Wandel ein Wirken zu entfalten, das der Gesammtmenschheit zum Segen gereiche. Nürnberg, 22. März. Die in Leipzig erscheinende „Antlsem. Koiresp." besprach in Nr. 205 v. I. den Xantener Prozeß und sagte zum Schluffe: „Daß im Talmud der Ritualmord gepredigt werde, ist niemals von den Antisemiten behauptet worden, nur werde vermuthet, daß es eine geheime Tradition des Stammes Levi sei, Christenblut zu gebrauchen (!), wenn man seiner habhaft werden könne. Und Buschhoff gehöre zum Stamme Levi." Der,. Fränk. Kurier" nannte diese Auslassungen für die Hintermänner der „Ant. Korr." einen himmelschreienden Beweis von Feigheit und Verlogenheit. Der Redakteur der „Antis. Korr." Erdmannsdörffer, Verfasser des Artikels, fühlte sich beleidigt und stellte Klagen gegen den verantw. Redakteur des „Fränk. Kur." Dr. Eberhard. Durch kommissarische Vernehmung des Red Dr. Johänntchen, Rechtsanwalts Dr. Cohn, Lizealprof. und Pfarrer Gräbner, sämmtlich in Berlin, des Prof. Dr. Strak in Großlichtenloh und des Reichstagsabz. R ckert wurde der Beweis erbracht, daß die Antisemiten behaupten, der Talmud predige den Ritualmord, weßwegen Dr. Eberhard heute vom Schöffengericht freigesprochen und Red. Erdmannsdörffer zur Tragung aller Kosten verurtheilt wurde. Schweiz. Ber«, 27. März. Die Schächttnitiative, die 85,000 Unterschriften zählt, verlangt Anwendung der Schußmaske vor der Schlichtung. Ein Ver- -x-

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