Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 27-28 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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-vS'-- 502 TV? an Israel noch einmal einheitlich zusammenfaßt, wird von den vielen Momenten, welche zusammen die Bedeutsamkeit des na’na.n na ausmachen, gerade dieses besonders hervoraehoben. nn'nan n»a n« 'ob ruai wnuiy bj by Gott erbaute uns das Haus seiner Wahl, um alle unsere Sünden zu sühnen. Die Betonung gerade dieser Seite dürfte einer Schwierigkeit entgegentreten, die ungelöst, diesen ganzen, die Wohlihaten Gottes aufzählenden Abschnitt, in einen Mißton ausklingen ließe. Wie könnten wir auch in der Verbannung und Zerstreuung die Wohlthaten Gottes an uns aufzählen, und als höchste die Errichtung des Tempelheiligthums in Z on feiern, ohne das Gedächtuiß an seine Ze'stö^ ruug zu wecken und so das alte, tausendjährige Weh gerade mitten in unserer Festesfreude neu zu belebend! Wenn die höchste aller Gotteswohlthaten in Israel die Errichtung des von Gott selber erwählten Temp Iheiltgthums ist, dann ist die Einäscherung des Tempels, der schwerste Verlust, der uns treffen konnte. Und wir sollten die Wohlthat eines Besitzes feiern, den wir längst eiugebützt, in einer Stunde, in der die wehmüthigen Symbole des Sedertisches gerade diesen Verlust so beredten Ausdruck gebend Aber der Gedanke, daß das höchste Ziel des Gotttsbeiligihums in unserer Mitte der Sühne aller unserer Verirrungen gilt, löst diese Dissonanz in herzerhebende, trostvolle Harmonie auf. Wer könnte sich auch dieses Hochziel in seiner ganzen Herrlichkeit vergegenwärtigen und sich dabei der Thatsache verschließen, daß es in Wirklichkeit nicht auf die Dauer erreicht wurde! So gewiß die reine Hingebung an das Tempelheiligthum dasselbe zu einer Quelle der Sühne für alles Unrecht gestaltete, so gewiß wandelte es sein Mißbrauch zu einem Pfuhl der Entartung um, welche daher die Propheten nicht scharf genug geißeln konnten, n idk na „Also jjat Gott gesprochen: Der Himmel, mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel — wo gäbe es ein Haus, das ihr mir bauen könnt, und wo eitlen Ort meiner Ruhe? Dieses All hat meine Hand geschosst n und so ist dieses All geworden, spricht Gott, und nur auf den schau ich hin, der arm und gemülhsgedrückt nur die Sorge kennt für mein Wort. Da schlachtet man Stiere und tödtet Menschen, opfert Lämmer und hat den Nacken des Hundes, bringt Speiseopfer mit Schweineblut — -so werde ich für ihre Verhöhnung mich entscheiden und das, was sie fürchten über sie bringen, weil ich gerufen und keiner antwortet."- (Jesajas Cap. 66.) Das was sie fürchten, mußte Gott über sie bringen, um die Sühne von allem Unrecht zu erwirken. Das ist der Zusammenbruch des Heiligthums, der Volk und Staat nach stch zog. Mehr als das Heiligthum, hat der Zusammensturz des Heiligthums mit dem tausendjährigen Leid und Wh, das er für das ganze Volk zur Folge hat, unsere Sünden gesühnt. nym by n npen „Gott hat das Unglück beschleunigt und es über uns gebracht, denn Gott verbindet Gnade mit Recht, (Daniel). „Weil Gott gnädig und gerecht ist, hat er unseren Zusammenbruch beschleunigt d" merkt hier das fragende Wort der Weisen an. „Gewiß!" antwortet Ulla, „eine Wohlthat hat der Heilige, gepriesen sei er, an Israel gethan, daß er die Zerstörung seines Heiligthums vollzogen hat, bevor sich die Verjährung des Unrechts ausgebildet hatte, die in der Verheißung dpjbkji angedroht war. (Talmud Gittin Fol. 88). nrun ’»b) '3*dk pm na Vnisv »an ne« enpon rva annr Dva o^’nuiy ^>y noa» my rj'Dv nb p'L na "piy on aron Rabbi Samuel Sohn RachmanS lehn: Eine volle Sühne trug Israel für seine Sünden davon an dem Tag, da das Haus des Heiligthums zerstört wurde, denn es steht geschrieben: „Geschwunden ist deine Sünde Tochter Zions. Er wird dich nicht ewig in der Verbannung lassen." (Midrasch Bamidbar Rabba. Cap. 13.) Durch den Verlust seines Tempels hat Israel die Gnade Gottes nicht verscherzt und die Sühne für seine Vergehungen nicht eingebüßt. Im Gegentheil. nivav ni^j. Dem Exil Israels mit allen daran geknüpften Leiden wohnt eine sühnende Kraft inne, welche die des Heiligthums weit überragt. Wenn der Hingebung des Lebens und aller seiner Güter, wie sie in dem Tempelopferdienst ihren symbolischen Ausdruck fand, die Läuterung und Sühne für alle Vergehungen gewährleistet ist, welche sühnende Kraft muß dann der Verbannung Israels inne wohnen, die nicht ein symbolisches, sondern ein thatsächliches, Jahrtauseude umspannendes tägliches, ja stündliches Opfer an allem bedeutet, was Menschen nur lieb und theuer. Und nicht das Exil im Großen und Ganzen, sondern jeder einzelne Zug in demselben ist mit dieser sühnenden Kraft ausgestattet, ba wann notn myb« am pro» »aa ntoyi tootp by ^bdd naiv v"p enpon nao pr avav din bv unbw. So lehren' übereinstimmend R. Jochanan und Rabbi Eleasar: So lange das Haus des Heiligthums stand, sühnte der Altar für Israel, jetzt erwirkt sein Tisch einem Jeden diese Sühne. (Berachoth 55«,.) Wenn die Größe des Opfers einen Maßstab für die es erwirkende Sühne bildet, wie begreift sich dann die sühnende Kraft, die dem Tisch, dem jüdischen Tisch innewohnt! Welche Opfer, welche Fertigkeit des Charakters, welche Lauterkeit der Ge-