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Der Israelit · 1893-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1893) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1893)
Date
1893-03-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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495 sich diese Behandlung energisch verbitten wollte, drang der Beamte wüthend auf ihn ein und schlug ihn mehrere Male über den Kopf, wobei er Ausdrücke wie „Ich werde Ihnen den jüdischen Ritus schon beibrtngen" gebrauchte. Die entrüsteten Gäste machten der empörenden Szene bald ein Ende. Wie die „Pos. Ztg." hört, ist gegen den Schutzmann Strafantrug gestellt worden. Frankreich. Narrey Ein Advocat Namens Desnos schrieb an die Wände zum Jnstizgebäude: „Nieder mit den Juden;" er wurde tu flagranti von dem Substituten der Staatsanwaltschaft Gaudchaux Picard, ertappt und sieht seiner Bestrafung entgegen. Vermischtes. Pcsth Minister Czaky hat dieser Tage an Baron Moritz Hirsch in Paris folgendes Anerkennungsschreiben gerichtet: „Durch die Güte der Frau David Bischitz konnte ich neuerdings tieferen Einblick gewinnen in die wohlthätige und menschenfreundliche Thätigkeit, die Euer Hochwohlgeboren in Budapest durch Ihr zu diesem Zwecke gegründetes Bureau sowie auch schon vor der Eröffnung deffelben zur Hebung der Kultur in Ungarn und zur Linderung der Noth und Elend, schon Jahre hindurch zu entwickeln die Güte hatten. AuS dieser verläßlichen Quelle weiß ich, daß Euer Hochwohlgeboren für die kulturellen Zwecke und die Armen Ungarns, sowie für die durch Elementarunfälle Betroffenen größtentheils ohne Religions-Unterschied, seit dem Jahre 1878 bis heute mit beispielloser Generosität und philantropischer Hochherzigkeit etwa eine Million und 500,000 Gulden zu opfern die Güte hatten. Mit Freude ergreife ich die Gelegenheit, um für diese Opferwilligkeit ohne Gleichen, mit der Euer Hochwohlgeboren, wiewohl fern von uns, bestrebt sind, die Kultur unseres Vaterlandes zu entwickeln, sein Unterrichtswesen zu heben, die Thränen der durch Elend und Schicksalsschlage Betroffenen zu trockenen, meinen tiefsten Dank und meine aufrichtige Anerkennung auszudrücken. Empfangen Euere Hochwohlgeboren den aufrichtigen Ausdruck meiner besonderen Achtung. Graf Albin Czaky". Pesth. Nach dem nunmehr zur Vollstreckung gelangten Testamente des verstorbenen Moritz Wahrmann hat derselbe 150,000 fl. für wohlthätige Zwecke bestimmt. Feuilleton. Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Auch die Müllerin war verstimmt. Sie hatte so viel Einblick in die Geschäfte ihres verstorbenen Vaters gehabt, um zu wissen, welch wichtige Person der alte Benjamin gerade für den Müller gewesen war. Wenn im Sommer das Geld knapp war, während Scheunen und Speicher sich mit dem Segen der Felder füllten, war es der alte Benjamin, der Rath und Hilfe schaffte, daß man nicht zur Unzeit Frucht oder Mehl losschlagen mußte. Und niemals hatte Jemand etwas davon erfahren, daß es dem Müller an Kapital gebrach, sein Credit stand fest; feine Mühle arbeitete mit gutem Verdienst. Während andere Mühlen oft wegen mangelnder Beschäftigung wochenlang feiern mußten, klapperte seine Mühle beständig, bei Tag und bei Nacht — auch dafür hatte der alte Benjamin gesorgt. Wie sollte es nun werden, da ihr Mann sich der Hilfe des Juden keinenfalls bedienen wollte? Würden ihm seine Gesinnungsgenossen helfen? Sie würden es gewiß nicht so bereitwillig und so selbstlos thun, denn welches Interesse haben sie an dem Müller und der Mühle? Der Müller jagte den aus dem Hause, der ihn stützen konnte in jeder Weise, der in der Wahrung der eigenen Interessen, die eng damit verknüpften des Müllers berücksichtigen mußte. Wie thöricht, die Henne zu schlachten, welche die schönsten Eier legte und dafür eine einzukaufen, deren Eier — windig und faul waren! Traurig ging die Müllerin in die Küche. Dort traf sie die alte Stallmagd, unter deren Obhut seit zwanzig Jahren der Stall für das Hornvieh stand. Ihr Stolz war es, die schönsten, ergiebigsten Kühe und die feinsten und fettesten Ochsen aus der Mühle abliefern zu können, und kein Stück Vieh verließ früher den Stall, ohne daß sie von Benjamin einen Thaler Trinkgeld erhalten hätte. Ja, im vorigen Jahre hatte er für ein Paar Ochsen aus dem Stalle des Müllers, die in der Mastvtehausstellung preisgekrönt worden waren, ihr eine Doppelkrone, Zwanzig Mark in Gold Trinkgeld gegeben. Die alte Grete brummte vor sich hin und als die Müllerin fragte, warum sie so ärgerlich sei, erwtederte sie: „Da soll ich nicht ärgerlich sein? Drei Paar Ochsen sind verkauft worden und keinen Pfennig Trinkgeld habe ich bekommen. Warum hat sie der Benjamin nicht gekriegt? Der zahlt so viel wie jeder andere und vergißt nicht einem armen Mädchen ein gutes Trinkgeld zu geben." „Du wirst Dein Trinkgeld schon noch bekommen", versetzte die Müllerin beruhigend — „die Ochsen sind ja noch nicht geholt und noch nicht bezahlt." „Geholt? Wir müffen sie ja in die Stadt liefern und sie werden erst bezahlt, wenn sie geschlachtet sind! Das war beim Benjamin doch anders; da lag das Geld erst auf dem Tisch, ehe das Vieh den Hof verlieb und auch Knecht und Magd wurden nicht vergessen." „Ich werde meinen Mann bitten, daß er den Metzger daran erinnert, Dir Dein Trinkgeld zu schicken. Herr Rolf wird auch wtffen . . „Rolf hat sie gekauft? Rolf aus F.? Na, da kann der Herr seine Worte sparen und froh sein, wenn er selber sein Geld —"

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