Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 25-26 (27.3.1893)
- Date
- 1893-03-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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486 den Lorbeer des parlamentarischen Erfolges holen müsse, der ihm bedauerlicher Weise in seinem Herbarium noch fehlte. Und so benutzte er denn die nächste sich ihm bietende Gelegenheit, von der Tribüne des deutschen Reichstages herab eine geradezu ungeheuerliche Behauptung aufzustellen, welche das allergrößte Aufsehen erregen mußte, obwohl sie aus dem Munde eines — Ählwardt kam. Der würdige Vertreter für Friedberg -Arnswalde behauptete nämlich nicht mehr und nicht weniger, als daß bei Begründung des Reichsinvalidenfonds das deutsche Volk durch die jüdischen Kniffe um Hunderte von Millionen betrogen worden sei und daß an diesem Betrüge ein gegenwärtiger Minister und mehrere Abgeordnete theilgenommen hätten. Er habe beweiskräftige Aktenstücke hierüber in Händen, setzte er hinzu, um seiner Behauptung mehr Nachdruck zu verleihen, und nach den Osterferien sei er bereit, diese Aktenstücke hier vorzulegen. Ahlwardt ist verschmitzt wie ein Fuchs — diesmal aber saß er doch, ehe er sich dessen versah, in der Falle, die er in seiner Verleumdungswuth selbst sich gestellt. Er hatte sich auf den Umstand verlassen, daß die Dienstags-Sitzung des Reichstags die letzte Sitzung vor den Ferien sein sollte. Hätte am Dienstag der Reichstag sich programmgemäß vertagt, so wäre die ungeheuerliche Behauptung Ahlwardts bis zum 13. April unwiderlegt geblieben. Der Herr Rektor a. D. und seine Trabanten hätten während der Zwischenzeit im Lande umherreisen und bei hohem Entree (Ahlwardt thut es neuerdings uicht mehr unter 75 Pfennigen, es kostet ihn selbst soviel) das Volk bis in seine untersten Schichten aufregen und die öffentliche Meinung von Grund aus aufwühlen und mit Erfolg in ihrem Sinne bearbeiten können. Und die Zeitungen erst vom Schlage der „Staatsbürgerzeitung" und der „Neuen Deutschen Zeitung" in Leipzig — welches herrliche Agitationskapital hätten sie aus dieser Sache geschlagen. Ahlwardt hätte allenthalben volle Häuser erzielt und Bombengeschäfte gemacht, und selbst im Auslande hätte man ihn — besonders im deutschenfeindlichen Auslande — für einen großen, eminenten Politiker gehalten und als solchen ernst genommen. Der Ruhm Andrieux, wäre verdunkelt worden durch Ahlwardt's Ruhm, das deutsche Panama hätte dem französischen Nichts nachgegeben. Allerdings mußte nach den Osterferien die ganze Herrlichkeit ein jähes Ende nehmen, das konnte auch Ahlwardt sich nicht verhehlen, doch an die Zukunft denkt dieser merkwürdige Politiker nicht. Er lebt aus der Hand in den Mund. Die Verleumdung, die er heute Nachmittag ausheckt, bringt er schon heute Abend frisch und warm in der Versammlung auf den Markt, was dann hinterher kommt,' ist ihm gleichgültig. Ob er dann als Verläumder entlarvt wird oder nicht, daran ist ihm gar Nichts gelegen — er ist sich seiner Kraft bewußt und weiß, daß er stets eine neue Erfindung, eine neue Lüge, eine neue Verdächtigung bei der Hand hat, die noch ungeheuerlicher ist, als die vorhergehende gewesen und durch die er diese in Vergessenheit bringt. Außerdem i st es gänzlich unmöglich, einem Menschen von Ahlwardt's moralischen Qualifikationen den Mund dadurch zu stopfen, daß man ihn auf seine Lügen festnagelt. Und wenn die Beweismittel, die gegen ihn in's Treffen geführt werden, noch so bündig, noch so vernichtend sind — macht sich Ahlwardt etwas daraus? Er behauptet einfach es sei gar Nichts gegen ihn bewiesen und er allein habe Recht und'die Juden hätten seine Gegner besoldet, damit die Wahrheit nicht aufkomme. Die Dummen, welche einem dreisten Schwindler, der mit ehrener Stirne unentwegt darauf loslügt, nur allzu lange treue Gefolgschaft leisten und durch Nichts sich irre machen lassen an einem solchen Biedermann, dem es einmal gelungen, ihr Vertrauen zu gewinnen — zum Glück für Ahlwardtund andere Groolam Kaders der antisemitischen Hetzpolitik sterben diese bewundernswerthe Dummköpfe so bald nicht aus. Aber, wie gesagt, diesmal hatte Ahlwardt sich denn doch in einem sehr wesentlichen Punkte verspekulirt. Darauf, daß der Reichstag angesichts der von ihm aufgestellten unerhörten Behauptung den Beschluß fassen könnte, noch einen Tag länger zusammenzubleiben, um seinem unwürdigen Mitglied Ahlwardt die Gelegenheit zu geben, durch Beibringung seines Aktenmaterials die Wahrheit seiner Behauptung darzuthun — auf diese Möglichkeit war der gute Mann denn doch nicht vorbereitet gewesen. Man kann sich den Aerger und den Verdruß, die sich seiner angesichts dieses Beschlusses bemächtigteu, mit Leichtigkeit vergegenwärtigen. Am Mittwoch, als die entscheidende Reichstagssitzung ihren Anfang nahm, war Ahlwardt nicht da. Die Kunde von den sensationellen Vorgängen, die heute zu erwarten waren, hatte ein zahlreiches Auditorium herbeigelockt. Die Tribünen waren überfüllt und auch die Mitglieder des Hauses, von denen in letzter Zeit so manche durch ihre Abwesenheit sich ausgezeichnet hatten, waren mit einem Male vollzählig da. Draußen auf der Leipzigerstraße drängte sich eine wogende Menschenmenge zu dichten Knäueln zusammen, und alle, alle sprachen sie von Ahlwardt und von der Anschuldigung, die er erhoben und von den Beweisen, die er heute anzutreten versprochen habe. Endlich, gegen 12 Uhr, betrat der große Tribun den Sitzungssaal. Aeußerlich kalt und gleichgiltig, als gehe ihn die ganze Sache nicht das Mindeste an, schritt er auf seinen Platz zu, legte ein wenig umfangreiches Packet vor sich nieder und setzte sich hin. Er schien in aller Seelenruhe der Dinge zu harren, die da kommen sollten. Da unternahm es der Reichstagsabgeordnete Richter, den Fuchs aus seinem Bau zu räuchern. Ahlwardt mußte sich nun dazu bequemen, sein „Material" vorzulegen. Er that dies denn auch, indem er einige Aktenstücke auf dem Tisch des Hauses niederlegte. Nun hätte man doch annehmen sollen, daß diese Aktenstücke die Beweise enthielten für seine Behauptung vom Tage zuvor. Weit gefehlt! So schnell schießt Herr Ahlwardt nicht. Er erklärte vielmehr mit dreister Stirn, daß diese Akten die richtigen Akten noch gar nicht seien, daß sie nur im Zusammenhang mit andern Dokumenten, die er nicht so rasch zur Stelle habe schaffen können, Beweiskraft besäßen. Er ersuche um eine Frist, damit er seine Beweismittel schaffen könne. Also abermals einer der Verschleppungsversuche, in ver Se vor Zw wäl der kon im net, steh ben Sri güb Sa Ba! Wo nich dur gezi wa erb dai ein der Wo den Auc wär um behc Sitz als Hab, stelll dies, beth Das Dar Nich maö er h besä werl Red daß des an k find, dank man einzr Ahlr Ver: öffnk