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Der Israelit · 1893-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1893)
Date
1893-03-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fäi'y r '484 M. — trotzdem ich mit unserem Geldvorrathe so viel als möglich sparen wollte — durch ein Geldgeschenk zu bestimmen, nicht mehr auf dem Seile zurückzugehen. seine Produktion zu beschließen. Als sich der Akrobat unserem Fenster näherte, hielt ich es für nothwendig dem'Rabbi, der sonst erschrecken konnte, zu sagen, daß der Seiltänzer für kurze Zeit in unser Zimmer treten würde. Der Rabbi schüttelte unwillig den Kopf und sprach: Es ist ein Frevel, daß ein Mensch ohne etwas Gutes zu bezwecken, sein Leben wagt und nicht minder frevelhaft von jenen, die um ihre Schaulust zu befriedigen, ihn dafür zahlen und dadurch veranlassen, sich in Lebensgefahr zu begeben. Ich hatte zur Zeit, als der Markgraf von Ansbach noch auf meinen Rath horte, — leider vergeblich — daraus gedrungen, daß er in seinem Lande solche lebensgefährliche Produktionen verbiete. Noch während der Rabbi diese Worte sprach, ward das Fenster durch die Figur des Gymnastikers verdunkelt, der sich auf das Fensterbrett stellte, ein Glas Wein auf das Wohl des Oberamtmanns leerte und dann ins Zimmer sprang. Hierbei stieß er so heftig an den Fensterrahmen, daß ihn, trotzdem er seine Narrenkappe mit einem breiten Bande unter dem Kinne befestigt hatte, diese vom Kopfe fiel. — In dem Momente hatte ich die Empfindung, als wenn mir ein glühender Dolch ins Herz gestoßen würde; — ich erkannte, wer der Seiltänzer sei — aber auch dieser blieb vor Erstaunen wie erstarrt stehen und zu meinem namenlosen Schrecken hatte auch er sofort unfern Rabbi erkannt, wahrscheinlich hatten auch die letzten Worte desselben, die der unvorsichtige Mann laut gesprochen, hierzu beigetragen. Der Seiltänzer rief im Dialekt unserer Gegend. „Ich küß die Hand, gnädiger Herr Oberrabbiner l Meiner Sell', das hätt' ich mir nit träume lasse, daß ich die Ehr' habe werd' Sie hier in einem mährische Dorfwirthshaus zu finde.Das ist ja ein merkwürdiger Glücksfall für mich.Sie habe mich schon einmal gerettet, damals, als sich der Markgraf von Ansbach eingebildet, ich wär' derjenige, der bei einem Raufhandel einem Polizeisoldate ein Aug' ausgestoche und die Nas' abgebisse und mich von unte nach obe hatte rädern lasse wolle. . . . Ihrer gütige Fürsprache is es gelunge, daß er mir''arme Teufel das Leben schenkte, aber meine beide Ohre mußte daran glaube, die ließ er mir ohne Erbarme abschneide.Ich kann's gar nit beschreibe, wie froh ich bin, Sie gesund und frisch in Freiheit zu sehe. Ich war noch in der Nähe von Ansbach, wie Sie, gnädiger Herr Oberrabbiner aus dem Mauerthurm entschwunde sind. Ich kenn' Ihr edles Herz, Sie werde einen arme Landsmann, der ein Weib und siebe Bälge zu ernähre hat, nit verlasse. Ich brauche nämlich jetzt nothwendig zweitausend Gulde. Schenke Sie mir se und das Genick soll ich breche, wenn ein Mensch von mir erfahre soll, daß sich der Fürther Herr Oberrabbiner hier befindet. Ich muß Sie dringend bitte, mein Ersuche zu erfülle, denn die zweitausend Gulde muß ich habe, auch wenn ich sie zu stehle oder zu raube wüßte — und wenn Sie gnädiger Herr Oberrabbiner meine ergebene Bitte abschlage, müßte ich so undankbar sein, dem Herrn Oberamtmann, dem dicken Herrn, der da unte in der erste Reihe sitzt, anzuzeige, daß der frühere Herr Oberrabbiner von Fürth, dem Dorfe die Ehre seiner Anwesenheit erweist. (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Hreis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, balbjährm oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sen Buchhandel J* kt)ix|eit bei E. F. K1 r i n a dt 11, Frippg. Noßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau». — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich l4 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine JRfttffettfcimg von *tt die Redaktion eingesandteu Mannscripte« findet nicht statt, «a« bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie znrüSznbehalte«. Inhalt <.Haupldtat0: Leuender Anitel: Hagadah schet Pesnch. — gmungsnadjuctyitn und VSoneipoiiben,$en: Deutschland: Berlin. Fried^berg. Limburg a. d. Lahn. Aus Baiern. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Tyrnau. — Bulgarien: Sophia. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. «Fortsetzung.) Inhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Ahlwardts Panama. — Vermischtes. — Briefkasten. — Wochen- Kalender. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Ein neues Blutmärchen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. — Frankreich: Nancy. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Extra-Beilage: Omer-Tabelle. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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