Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 25-26 (27.3.1893)
- Date
- 1893-03-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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482 Nun ist Dr. Jellinek bekanntlich ein tüchtiger Kanzelredner, ein großer Gelehrter und ein eifriger Sammler von Kontressim und Midraschim, ob er aber auch dazu befugt ist, frommen jüdischen Gemeinden einen Rabbiner zu empfehlen, der p p dann nisnö^ nn«o p rc. entscheiden soll, darüber mögen Andere, Befähigtere als Schreiber dieses urtheilen. Genug, die Wahl Dr. Jellinek's fiel auf Dr. Simon Dankowicz. der bisher als Seelsorger in einer kleinen böhmischen Gemeinde fungirte. Derselbe wurde auch von der erwähnten Deputation zum Oberrabbiner der Juden Bulgariens erkoren. Nun ist Dr. Dankowicz ein Ehrenmann vom Scheitel bis zum Fuße, ein guter Prediger, ein vortrefflicher Pädagog und was besonders hervorgchoben werden muß, auch ein Kenner der slavischen Idiome, alles Vorzüge, die einem Oberrabbiner von Bulgarien sehr gut zu statten kommen können. Die jüdischen Gemeinden Bulgariens hätten es aber auch gerne gesehen, wenn ihr Oberrabbiner ein mira und ein tüchtiger Kenner von v'powi otv wäre, um nötigenfalls auch wichtige mW (Anfragen) beantworten, einen Schächter nozv (prüfen) und in Angelegenheiten von nnji nx’!?n pw pttnYp eine Entscheidung nach den Lehren unseres Vt o’DDn fällen zu können. In dieser Hinsicht vermochte jedoch Dr. Dankowicz nicht ganz den Wünschen der Juden Bulgariens zu entsprechen; es kam daher zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und seinen Gemeinden, die schließlich Conflicten erzeugten. Da nun Dr. Dankowicz erkannte, daß er hierin nie die Zufriedenheit seiner Heerden werde erwerben können, so trat er vom Posten eines Oberrabbiners von Bulgarien zurück. Er bewarb sich dann um den erledigten Predigerposten in Lemberg und da ihm hierin das Glück nicht lächelte, um die Stelle eines Predigers im neunten Wiener Bezirke. Er erhielt er jedock auch diese Stelle nicht und so lebt er jetzt in vollster Zurückgezogenheit als Privatmann in Wien. Die jüdischen Gemeinden Bulgariens haben nun daher jetzt neuerdings einen Concurs zur Besetzung des Postens eines Oberrabbiners ausgeschrieben. Der Posten ist mit einem Gehalte von Frs. 8000 pro anno und freier Wohnung verbunden. Durch die Verinigung Ostrumeliens mit Bulgarien gehört nunmehr auch diese Provinz, die früher zum W (Bezirk) des Chacham-Baschi von Adrianopel gehörte, zu dem Großrabbinate von Bulgarien. > Vermischtes. < Halberstadt. Um der von der Regierung erlaffenen Vorschrift zu genügen, wonach beim Schachten der Thiere der Kopf des Thieres, sowohl während als auch nach dem Schächten (bis zum eingetretenen Tode) festzuhalten ist, hat die hiesige Gemeinde einen sehr praktischen aus Eisen angefertigten Apparat Herstellen lasten, der sich in der Praxis außerordentlich gut bewährt. Derselbe ist hier seit mehreren Wochen im Gebrauch und dürfte sich, insbesondere in Anbetracht der jetzt leider gegen das Schächten gerichteten Agitation, den Gemeinden zur Anschaffung empfehlen. Snlzbürg (Oberpfalz.) Am jüngsten Purim brachte die hiesige isr. Schuljugend unter Leitung des Lehrers I. Oppenheimer einige höchst gelungenen Theaterstückchen zur Aufführung. Der Arrangeur sowohl als die kleinen Künstler ernteten den reichsten Beifall aller erschienenen Gäste, unter welchen sich Vertreter aller Konfessionen befanden. Unter den vielfach ausgebrachten Toasten sind ganz besonders hervorzuheben jener unseres greisen Herrn Rabbiners Dr. Löwenmayer auf den vielgeliebten Prinzregenten Luitpold, diesen mit dem frommen M ordechai in 4facher Beziehung vergleichend, und der Toast des hiesigen Kgl. Lokal- Schulinspektors, Herrn Pfarrer Felsenstein auf das Wohl des Herrn Lehrers Oppenheimer und seiner wackern Schuljugend. Möge das herrliche Band des Friedens und der Eintracht, welches hierorts alle Konfessionen umfaßt, niemals gelockert werden, zum Wohle der Gesamtgemeinde, zum Heile des engeren und weiteren Vaterlandes. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohr», Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UeberfetzungSrechte Vorbehalten. (62. Fortsetzung.) „Der Rabbi war noch zu schwach , um sofort die weite Reise anzutreten, aber er fühlte sich glücklich und sein Gesicht strahlte verzückt, als er nach sechsthalb Jahren wieder das Erstemal in Tallis 1) und T'filin sein Gebet verrichten konnte. Drei Tage später hieß es. daß meines Bruders Schwiegervater nach langer Krankheit wieder in seine Hekmath zurückkehre und die Bauern des Dorfes, die mit meinem braven, wohlthätigen Bruder im besten Einvernehmen leben, bedauerten es, ihn nicht näher kennen gelernt zu haben. Unsere lange Reise war gefährlich und beschwerlich. Da wir Nachum Hanau's und seines Dieners Reisedokumente benutzten, hatte ich die schwielige Aufgabe, alle Orte zu vermeiden, wo sowohl unser Rabbi, als Nachum Hanau bekannt sein konnte. Auch war unser Rabbi noch so schwach, daß wir nur kurze Tagreisen machen konnten. Ueberdies waren wir gezwungen kleine jüdische Gemeinden, auch wenn diese weitab von unserem Wege lagen, aufzusuchen, um dem Rabbi, dessen Gesundheit durch den lang entbehrten Genuß warmer Speisen gelitten hatte, solche verschaffen zu können. Namentlich und ganz besonders aber mußte ich mein Augenmerk darauf richten an Sabbaten und Feiertagen 1) Gebetmantel.