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Der Israelit · 1893-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1893)
Date
1893-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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, , .n«-'4NyN§p|j44^ 478 und Wolkensäule, die Wachteln, das Mara-Wunder u. a. m. Sie scheinen alle in den Worten uanp M’D in in nuce enthalten zu sein, denn sie find ja alle ihrem Zwecke nach nichts als Mittel, um die Gottesnähe zu constatiren und unsere Annäherung an Gott zu bewirken, der uns am Sinai sein Gesetz offenbaren wollte. Durch diese Offenbarung am Sinai scheidet sich das Judenthum scharf in seiner Entstehung und der Constatirung seines göttlichen Ursprungs von allen Religionen der Erde. Alle Stifter aller Religionen haben ihre Bestimmungen und Satzungen auf Gott und göttliche Eingebung zurückgeführt. Aber daß Gott sich nicht nur durch das gesprochene und gehörte Wort offenbart, sondern daß er sein Wort thatsächlich gegeben, auf zwei steinerne Tafeln eingegraben, die deshalb Tafeln des Zeugnisses heißen, so daß mau thatsächlich das Gotteswort sehen konnte, das hebt die göttliche Offenbarung am Sinai hoch über alles, was Menschen sonst im Namen Gottes als Religion gestiftet und verkündet haben. \td nn nvpo Die Offenbarung am Berg Sinai galt dem gesprochenen Gottesworte, navu minn entspricht der Urbergabe der beiden Tafeln als sichtbare Bürgen der Göttlichkeit ihres Inhalts. Ueberaus lichtvoll ist dieses Moment in dem Buche Kusari von Rabbi Jehuda Halevt gewürdigt, weshalb wir den hierhergehörigen Passus hier wörtlich anführen wollen. „Wenn auch das Volk an Moscheh glaubte, da er unter solchen Wunderzeicheu seine Thätigkeit begonnen, so blieb doch noch in ihren Gemüthern ein Zweifel, ob Gott auch wirklich mit einem Menschen spreche, und nicht doch etwa die Thora ihren Ursprung in menschlichen Plänen und Veranstaltungen habe, zu denen sich später göttliche Hilfe und Unterstützung gesellen mochte. Es schien ihnen unwahrscheinlich, daß jemand außer dem Menschen spreche, da doch Sprechen eine menschliche Thätigkeit ist. Um nun diesen Zweifel aus ihren Herzen zu entfernen, befahl ihnen Gott, sich innerlich und äußerlich zu weihen, wobei er besonders auf die Enthaltung des ehelichen Umgangs drang, und sich so auf Anhörung der Reden Gottes vorzubereiten. Durch diese Wethe erhob sich das Volk zur Höhe der Prophetie, so daß es die Reden Gottes von Angesicht zu Angesicht hören konnte. Und das geschah nach drei Tagen. Voran gingen gewaltige Erscheinungen, Donner, Blitze, Erdbeben und ein Feuer, das den Berg Sinai umloderte und dann noch vierzig Tage anhielt. Das Volk sah dieses Feuer, sah wie Moscheh in dasselbe hineinging und wieder herauskam; das Volk hörte mit klarer Stimme die Zehngebote, die Grundpfeiler und Wurzeln der Thora, deren eines das SabbatgebotZ ist, worüber schon Vorschriften beim Herabfallen des Manna gegeben wurden. Also diese Zehn-Worte überkam das Volk nicht von einzelnen Männern, nicht von einem Propheten, sondern von Gott selbst wurden sie ihnen gegeben, nur daß sie nicht wie Moscheh die Kraft besaßen, die große Erscheinung anzuschauen. Von da an glaubte das Volk, daß an Moscheh eine Rede ergehe, die ihren Ursprung in Gott hat, ohne daß von Seiten Moschehs ein Plan oder eine Veranstaltung stattgefunden; daß die Prophetie also nicht, wie die Philosophen wähnen, ihren Ursprung in einer Seele habe, die ihre Denkweise geläutert und dem thätigen Verstand — auch heiliger Geist genannt — oder dem Gabriel anhafte und von diesem Hilfe und Belehrung erhalte, worauf es dem Menschen vielleicht im Traume oder in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachen vorkomme, als rede Jemand mit ihm, dessen Worte er mit dem Geiste, aber nicht mit den Ohren höre, und den er in der Vorstellung aber nicht mit den Augen sehe. Alle dergleichen Annahmen sind jenem großen Akt gegenüber hinfällig. An die Rede Gottes schließt sich nun die Schrift Gottes, indem er die Zehn-Worte in zwei kostbare steinerne Tafeln eingrub und sie dem Moscheh gab, so daß sie nun die Schrift Gottes sahen, wie sie die Rede Gottes gehört hatten. Run machte Moscheh noch auf göttliches Geheiß eine Lade, über welcher er das bekannte Zelt errichtete, und die bei den Israeliten blieb, so lauge die Prophetie dauerte, also gegen 900 Jahre, bis in Folge der Abtrünnigkeit des Volkes die Lade vergraben wurde, und sie selbst von Nebukadnezar besiegt und in die Verbannung geführt wurden. (Kusari I. 87.) Die Erklärer der Peßach-Hagadah finden mit Recht auffallend, daß nach der gewöhnlichen Auffassung hier dem Berge Sinai eine besondere Bedeutung beigelegt wird, ohne Rücksicht auf die dort stattgehabte Gesetzgebung. Hätte Gott uns dem Berge Sinai nahe gebracht, hätte uns aber nicht die Thora gegeben, so hätte dies unmöglich genügen können, denn ohne die Gesetzgebung hätte der Berg Sinai nicht die Bedeutung für uns, die er ja gerade dadurch erlangt, daß er die Stätte geworden ist, auf die sich Gott herniederlteß, um seinem Volk seine Thora zu verkünden. Rach unserer Erklärung, die hier nicht die räumliche Annäherung an den Berg, sondern die zeitliche an Gott erblickt, für die durch die steinernen Tafeln das greifbare Unterpfand, die sichtbare Bestätigung folgte, findet diese Schwierigkeit von selbst ihre Lösung. Was ihr entgegen stehen dürfte, ist der Umstand, daß dann die Zehn-Worte als die Thora bezeichnet wäre, von welcher sie doch nur einen kleinen Theil bilden. Wirjmöchtenjdaherlnocheine andreErklärungversuchen.

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