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Der Israelit · 1893-03-23 · Heft 24 (23.3.1893) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 24 (23.3.1893)
Date
1893-03-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
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471 Türkei. Salorrrchi. Als Vormacht des orthodoxen Glaubens hat sich Rußland bekanntlich bis jetzt viel zu Schulden gegen die Juden kommen lassen. Es scheint jedoch, daß nicht alle Anhänger des orthodoxen Glaubens in dieser Hinsicht mit den Russen übereinstimmen, denn hier hat sich vor einigen Tagen ein Comitö, bestehend aus Mohamedanern, Katholiken, Griechen und Israeliten zu dem Zwecke gebildet, um die fortwährend aus Rußland hier eintreffenden jüdischen Emigranten gehörig unterstützen zu können. Das Comite veranstaltete dann auch ein Bankett, dem unser General-Gouverneur Zihnt Pascha präsidirte und an dessen Ende eine Collecte veranstaltet wurde, die das schöne Sümmchen von fünfundzwanzigtausend Francs ergab. Die nun aus Rußland eintreffenden jüdischen Emigranten werden daher nicht mehr wie bisher unserer schon erschöpften Gemeindekasse zur Last fallen, sondern aus dem Erträgniffe dieser Collecte gehörig unterstützt werden können. Feuilleton. > Die drei Kronen. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) „Der Klaus hat heute wieder seinen schlimmen Tag!" dachte Benjamin, indem er langsam die Dorfstraße hinabging. Wie doch die Roth und das Elend die Menschen hart machen; hart-gegen das eigene Fleisch und Blut! Wie stolz war Klaus auf seine einzige Tochter gewesen! Wie schmuck' sah sie aus, wenn sie des Sonntags mit den Eltern spazieren ging; wie flink ging ihr die Arbeit von der Hand, wie froh tönte ihr kindliches Lachen durch das stille Haus und jetzt — wir haben gehört, wie der Vater von seinem Kinde sprach und wir bedauern das arme Mädchen, dessen Schönheit sein Unglück geworden, wie es Benjamin bedauerte, da er den Fluch von den Lippen des Vaters gehört. Ja, Roth und Elend verhärten das menschliche Herz ebenso wie stetes Glück, und die Roth und das Elend hatten ihren Einzug in das kleine Häuschen des Taglöhners gehalten, seitdem es der Sonnenschein des Glücks mit der unglücklichen Tochter verlassen hatte. Klaus, der früher ein zuverlässiger und gesuchter Arbeiter war, hatte, um die Schande seines Kindes vergessen zu können, zur Flasche gegriffen; er war ein Trunkenbold geworden. Seine Frau war aus Gram und Kummer hierüber krank geworden und sehnte den Tod herbei, um aus dem Elend des eignen Hauses erlöst zu werden. Der einzige, der es noch hie und da mit Klaus versuchte, war Benjamin und wir haben gehört, wie strenge er mit ihm war. Durch diese Strenge zog er sich natürlich den Haß des Taglöhners zu, der in seinem Woylthäter seinen Unterdrücker erblickte. Benjamin hatte nun sein eigenes Haus erreicht. Es war ein sauber aus Backsteinen aufgeführtes, zweistöckiges Gebäude, das mit seinen blitzenden Fensterscheiben einen wohlthuenden Contrast zu den übrigen Häusern bildete. Wohlgefällig betrachtete Benjamin sein Haus, und als er das Thor öffnete flog ein Sonnenstrahl deS Glückes über seine wetterharten Züge, denn über den reingehaltenen Hof kam seine Tochter, ein Mädchen von hoher Schönheit, ihm entgegen, küßte ihn auf die Stirn und sagte: „Ei, wie früh kommt mein Väterchen heut' nach Hause, das ist Recht, daß wir Dich auch einmal vor der gewöhnlichen Zeit in Deinem Heim sehen" und indem sie ihren Arm unter den ihres Vaters schob, fuhr sie fort: „Jetzt machst Du Dir es bequem; Pantoffel und Schlafrock liegen schon bereit, denn Du bist gewiß müde, mein Väterchen; es war heute so heiß." „Ei, mein Kind, thust Du doch gerade als ob ich ein König wäre" erwiederte mit zärtlichem Blick der glückliche Vater. „Du verwöhnst mich wirklich." „Und bist Du in Deinem Hause nicht ein König, dem wir alle gern unterthan sind? Sorgst Du nicht für uns wie ein echter guter König für seine Unterthanen sorgt? Warum sollte ich nicht alles thun, um Dir. mein liebes Väterchen, Dein Haus angenehm und bequem zu machen?" So redend hatten sie die Hausthüre erreicht und waren in das Haus eingetreten. Benjamin ging direkt in sein Schlafzimmer, wusch sich und machte es sich leicht, während seine Tochter nach der Küche eilte, um für das Abendbrot zu sorgen. Während im Hause des Juden Ruhe und Frieden thronte, herrschte in der Mühle Zank und Streit. Die Müllerin war ganz außer sich, als sie erfuhr, welch' dummen Streich ihr Mann gemacht hatte. Sie wollte durchaus wissen, für wen ihr Mann ein Gefälligketts-Accept gegeben habe, und sie ließ nicht eher nach, bis er ihr alles mitgetheilt hatte. Vor sechs Wochen hatte er einer Antisemitenversammlung in R. beigewohnt, in welcher der berühmte Antisemitenprophet Dr. Z. seine längst bekannte und in ihren Lügen widerlegte Rede gegen die Juden von Stapel gelassen. Zum Schluß hatte er zur Gründung eines Bauernvereins aufgefordert und man hatte einen solchen ins Leben gerufen, nachdem zehn Personen ihren Beitritt erklärt hatten. Der Verein wurde konstituirt, ein aus neun Personen

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