Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1893)
- Date
- 1893-03-23
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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472 bestehender Vorstand gewählt und zu besten Vorsitzenden den Müller ernannt. Dem Zweck dieses Vereins entsprechend trat man sich näher, trank Bruderschaft, gab sich das Versprechen in allem „urteutsch" sein zu wollen, den fremden Eindringlingen, den Juden, wo sich die Gelegenheit biete, Existenz und Erwerb verkümmern zu suchen und wie die löblichen Ziele dieser Vereine alle heißen, alles wurde acceptirt, mit einem teutschen Trunk und Handschlag besiegelt. Mit Dr. Z. hatte er sich innig befreundet; sie duzten sich, da der liebenswürdige neue Freund ihn um den ersten Freundschaftsdienst gebeten, wäre es eine Infamie gewesen, denselben zu verweigern. Ehe man sich trennte hatte der Müller drei Wechselformulare mit seinem Accept versehen, ohne sich den Betrag der Wechsel angesehen zu haben. Sie sollten ja nicht begeben werden, sondern nur in den Händen von „teutschen Bauern" bleiben. „Mir scheint, Ihr teutschen Bauern seid in die Hände richtiger Bauernfänger gerathen," sprach die Müllerin, als ihr Mann geendet. „Kannst Du nun die Wechsel einlösen?" „Wie soll ich das können? Ich weiß ja nicht einmal, wie hoch der fällige Betrag ist. Uebrigens bin ich gar nicht ängstlich; Dr. Z. wird wohl rechtzeitig Deckung senden." „Wird er? O, ich bewundere Dich und Deine Vertrauensduselet! Und ich sage Dir, Du mußt die Wechsel zahlen, denn Dein Dr. Z. war froh, einen Grünen gefunden zu haben, um ihn gehörig rupfen zu können." „Mäßige Dich," fuhr der Müller auf, „Du sprichst von einem Freund Deines Mannes. Es ist in unserer Partei nicht Mode, so jüdisch-engherzig zu prüfen. Wir sind Teutsche und zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet. Wo sollte unsere Partei hinkommen, wenn jeder so dächte wie Du!" „O möchte jeder so denken wie ich, dann wäre Eure Partei da, wohin sie gehört — beim Teufel. Deine neuen Freunde sind noch tausendmal schlimmer! als die Juden. Was haben Dir die Juden gethan? ii Besorgte nicht, so lange ich zurückdenken kann, der j alte Benjamin die Geschäfte meines Vaters? Und jj mein Vater war genau, sehr genau und niemals j gab es eine Differenz zwischen Beiden. Was für [1 einen Grund hast Du, darin eine Aenderung einj treten zu lassen? Der alte Benjamin ist reell, dafür! bürge ich —" j „Ich verlange Deine Bürgschaft nicht; ich i weiß selbst, was ich thue; ich will nun einmal I nichts mit den Juden zu schaffen haben und keinen i von ihnen in meinem Hause sehen." j „So; nun ich sage Dir heute, Du wirst die Juden noch einmal bitten und sie selbst holen, wenn Du so fortwirthschaftest. Ob Du ihnen aber dann noch „gut genug" bist, das wird fraglich sein." „Spare Deine Prophezeihungen für bessere Dinge auf. Unsere Sache ist gerecht, und wir werden siegen." Ohne eine Erwiederung abzuwarten erhob er sich und ging zur Thür hinaus. Es war das erste Mal, daß er einen Streit mit seiner Frau hatte und er hätte viel darum gegeben, wenn dieser vermieden worden wäre. Wie waren nur die Wechsel in die Hände des Juden gekommen? Morgen wollte er an seinen Freund Dr. Z. schreiben und um Aufklärung und umgehende Deckung bitten. (Fortsetzung folgt.) _Anzeigen._ Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. i X3 HOTEL FALK, Elberfeld. TO Sederschüffeln in 6 geschmackvollen Ausführungen empfehlen billigst Gevr. Niederhofheim, Frankfurt a. M., Töngesgasse 12. Specialität: Sabbatöfen. (1536 in junges Mädchen findet Aufnahme in meinem Hause zur gründliche» Erlernung des Haushalts und zur Hilfe in demselben. Pensionspreis mäßig. Jenny Lehmann, 1819) Hannover, Rumannstr. 3. Auf Fesach! Feinstes Mandelconfect ä Pfund M 2,—, sowie Torten in jeder Größe und feinster Qualität versendet unter Nachnahme Conditorei Dreyfust, 2008) Bergzabern (Rheinpsalz). in Mädchen, das im Putz- und Kleidermachen seine Lehre beendigt, sucht auf sofort Stelle, wo Sabbat geschlossen ist. Dieselbe eignet sich auch als Verkäuferin. Baden oder Württembg. Näheres bei I. Hirsch, Epp in gen. (1984 Gegen hohen Lohn sofort gesucht eine tüchtige, zuverlässige Köchin, die etwas Hausarbeit übernimmt, in eine kleine Familie nach Straßburg. Gefl. Offerten unter J. F. 2026 an die Erp. d. Bl. erbeten. in Lehrling aus achtbarer Familie mit gut. Schulzeugnissen wird in ein gemischtes Waarengeschäft per sofort gesucht. Kost und Logis im Hause, Sabbat und Festtage geschloffen. Nathan Stern, 1975) Montabaur. -